Schildkröten-Schmuggel / Bilder aus dem Münchner Zoll-Archiv

Haltung und Zucht von Schildkröten sind ein wunderbares Hobby, eine Leidenschaft. Auf der anderen Seite steht die Gier nach Geld, nach dem Besitz illegaler Tiere, nach möglichst exotischen und ausgefallenen Souvenirs.

Ein Lampenschirm aus Rückenpanzerknochen einer Pantherschildkröte

Für einen Artikel des Online Magazines TESTUDO WELT bin ich im Sommer 2008 erstmals mit dem Zoll am Münchner Flughafen in Kontakt getreten.
An vielen deutschen Flughäfen stehen Vitrinen, in denen beschlagnahmte bizarre Funde ausgestellt sind. Daher lag es nahe, den Zoll zum Thema Schildkrötenschutz anzuschreiben, denn Zoll und Bundesgrenzschutz verfügen über umfangreiches Informationsmaterial. Etwas naiv und mit der gewissen Portion Enthusiasmus habe ich an die Pressestelle des Zolls am Münchner Flughafen geschrieben, ob es vielleicht ein paar Informationen und Bilder zum Schildkrötenschmuggel gäbe. Schon am nächsten Morgen kam ein Schwung Bilder, die wir an dieser Stelle noch einmal zeigen möchten.
Monika Linzmeier, Sachbearbeiterin für Verbote und Beschränkungen am Münchner Flughafen hat mir damals dankenswerterweise umfangreiches Fotomaterial sowie die dazugehörigen Informationen zur Verfügung gestellt.
„Gewerblichen Schmuggel von Schildkröten konnten wir in letzter Zeit nicht mehr feststellen.“, schrieb sie damals. „Über den Flughafen Manchen werden ausschließlich Privatpersonen aufgegriffen, die zu privaten Zwecken schmuggeln. Meist sind es nur ein oder zwei Tiere, nur selten sind es fünf oder sechs.“.
Da liegt die Vermutung nahe, dass die Schmuggler von vorneherein einkalkulieren, dass das eine oder andere Tier auf dem Flug verenden wird. „Tatsachlich sind 2006 in einem Fall zwei von sechs Rotwangenschmuckschildkröten verendet, obwohl diese natürlich – wie auch bei allen anderen Fallen – zu einem Tierarzt gebracht worden sind, um die meist geschwächten und oft unsachgemäß transportierten und behandelten Tiere wieder aufzupäppeln.“, so Linzmeier. „Erst nachdem dieser festgestellt hat, dass der gesundheitliche Zustand der Schildkröten soweit wieder hergestellt ist, werden die Tiere an vom Bundesamt für Naturschutz zugelassene Halter weiter vermittelt.“.

Beschlagnahmtes Ganzpräparat und Rückenpanzer der Echten Karettschildkröte

Auch die Herkunftsländer, aus denen geschmuggelte Tiere ins Land gebracht werden, sind dem Zoll bestens bekannt: „Wir stellen fest, dass Schildkröten vorwiegend aus China (hier meist Rotwangenschmuckschildkröten oder Dreikielschildkröten) sowie aus der Türkei und Tunesien (hier meist maurische oder tunesische Landschildkröten) mitgenommen werden.“, so Linzmeier weiter.

„Für Rotwangenschmuckschildkröten gibt es momentan keine Möglichkeit, diese legal einzuführen, da das Bundesamt für Naturschutz für diesen Faunenverfälscher keine Einfuhrgenehmigung ausstellt.“, erklärt die Zollangestellte. Seit 1991 herrscht für Deutschland ein Einfuhrverbot.
Wie Andreas Henning in der Zeitschrift Reptilia (Nr. 92,  Dezember 2011/Januar 2012) in seinem hochinteressanten Beitrag über Rotwangenschmuckschildkröten ausführt, standen diese Tiere damals massiv in der Kritik, Faunenverfälscher zu sein, da Halter sie massenhaft aussetzten, wenn sie ihrer überdrüssig wurden. Allerdings – so Henning – sind dauerhafte Überlebens- und Fortpflanzungschancen im Klima in Deutschland eher gering. Und dass man immer wieder verschieden große Tiere aus einem Gewässer fischt, zeigt nur, dass verschieden große Tiere ausgesetzt wurden. Beeindruckend die Zahl der Importe im Jahr kurz vor dem Verbot: Nach Deutschland wurden rund 78.000 Exemplare eingeführt, in die damalige DDR etwa 85.000, also zusammen rund 163.000 Tiere. Im gleichen Jahr wurden nach Frankreich über 1,87 Mio.

Tiere eingeführt, also mehr als das Zehnfache.
Besonders bemerkenswert ist, dass Rotwangenschmuckschildkröten schon lange nicht mehr aus aus ihrem natürlichen Ursprungsland, nämlich den USA, illegal nach Deutschland gebracht werden, sondern überwiegend aus China und der Türkei.
Nachdenklich stimmt auch, dass ein illegaler Import eigentlich völlig unsinnig ist. Zwar ist die Einfuhr weiterer Tiere verboten, aber die Nachzuchten heimischer Züchter decken den Markt, und in vielen Auffangstationen warten Tiere, die dringend vermittelt werden müssten – zumeist  „abgefischt“ aus Teichen in Botanischen Gärten, Zoos und innerstädtischen Parkanlagen und Brunnen.
Neben dem Schmuggel lebender Tiere sind es vor allem die bizarren Souvenirs, die dem Zoll zu schaffen machen. Denn auch für Tierkörper und Tierkörperteile gilt bei streng geschützten Arten eine strenge Regelung.
Dennoch wird der Zoll immer wieder fündig. Viele Urlauber wissen nicht einmal, dass sie das, was sie auf einem Markt in ihrem Ferienort gekauft haben, gar nicht hätten einführen dürfen – trotz intensiver Aufklärungskampagnen. Neben der Beschlagnahmung des Souvenirs droht den erwischten Personen auch eine saftige Geldstrafe.

Eine in Acrylharz eingegossene junge Rotwangenschmuckschildkröte

Text: Lutz Prauser unter Verwendung von Informationsmaterial des Münchner Zolls, Bilder: Zoll München

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