Bayerische Staatsregierung treibt Reptilienauffangstation in die Insolvenz

Folgende, sehr beunruhigenden Informationen hat der Verein der Münchner Reptilienauffangstation diese Woche veröffentlicht. Gerne geben wir das an dieser Stelle weiter:

Mit der Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung vom vergangenen Donnerstag, den Finanzierungsbedarf für den Bau einer neuen Reptilienauffangstation noch einmal neu verhandeln zu wollen, hat der Freistaat in Wirklichkeit einen radikalen Schlussstrich unter die Debatte gezogen. Denn aufgrund der bisherigen, vermeintlich gut verlaufenden Gespräche ist die Auffangstation für Reptilien, München e.V. zuletzt finanzielle Verpflichtungen eingegangen, die sie nun nach der klaren Absage des Landtags faktisch nicht mehr erfüllen kann. Spätestens im Frühjahr 2016 droht dem Verein damit die Insolvenz. Kann das Geld bis dahin nicht anderweitig aufgebracht werden, verlieren mehr als 1.000 Tiere ihr Zuhause. Auch 15 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

„Wir haben bei diesen Gesprächen sowohl gegenüber den verschiedenen Mitgliedern des Landtags als auch im Bayerischen Umweltministerium stets offen angesprochen, dass wir bei einem Neubau auf die finanzielle Unterstützung des Freistaates angewiesen sind. Schließlich dürfen wir als gemeinnütziger Verein gar keine Rücklagen aufbauen – schon gar nicht in dieser Größenordnung“, erläutert Stationsleiter Dr. Markus Baur, „Allen Beteiligten war jederzeit bewusst, dass wir hier von einer nicht unerheblichen Summe sprechen, die aber für die nächsten 20 bis 30 Jahre eine Lösung des Problems geschaffen hätte. Nachdem unser Konzept für eine neue Station für gut befunden wurde, hatte man uns sogar dazu ermutigt, ein geeignetes Baugrundstück zu suchen, auf dem das Projekt realisiert werden könne. Dieser Aufforderung sind wir nachgekommen und sind hierfür auch finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Dass uns die Staatsregierung nun dermaßen im Stich lässt, hatten wir wirklich nicht erwartet. Auf gut Deutsch gesagt: Wir fühlen uns verraten und verkauft.“

Bei einer öffentlichen Sitzung des Haushaltsausschusses vergangenen Donnerstag hatte die CSU das Bauvorhaben plötzlich sehr zurückhaltend beurteilt und wolle nun den Finanzierungsbedarf in einem Gespräch mit dem Verein „stark eindampfen“. Im Bayerischen Nachtragshaushalt für 2016 findet das Vorhaben damit definitiv keine Berücksichtigung mehr. Da die ersten Kosten für die Grundstückserschließung jedoch bereits im Frühjahr 2016 fällig werden und von dem kleinen Verein dann nicht bedient werden können, wird der Vereinsvorstand voraussichtlich Insolvenz anmelden müssen. „Wir waren von dieser neuesten Aussage der Landtagsabgeordneten sehr überrascht, da die Verhandlungen bereits seit Monaten andauern und wir eigentlich auf eine finale Entscheidung gehofft hatten“, schildert Baur seine Sicht der Dinge.

Wie von gut unterrichteten Quellen zudem berichtet wurde, soll hinter verschlossenen Türen sogar die Frage in den Raum gestellt worden sein, ob „all diese Tiere denn überhaupt so lange leben müssten“. Da die Tötung eines Tieres ohne vernünftigen Grund nach dem Deutschen Tierschutzgesetz jedoch verboten ist, zeigt diese Aussage deutlich, welchen Stellenwert der Verein, sein Bauvorhaben sowie der Tierschutz bei der Bayerischen Staatsregierung tatsächlich haben. Auch die bayerische Umweltministerin, Ulrike Scharf, soll inoffiziellen Aussagen zufolge offenbar wenig Sympathie für die Nöte der Auffangstation und ihrer Tiere gezeigt haben.

Diesen Eindruck kann Baur bestätigen: „Bei einem Landeshaushalt 2015/2016 von rund 100 Mrd. Euro kann es nicht wirklich am Geld liegen. Vielmehr haben wir den Eindruck, dass es hier ganz klar an politischem Willen mangelt. Vielleicht liegt die plötzliche Kehrtwende auch an den hohen Ausgaben für die Flüchtlinge, wie so mancher vermutet. Da wir aber kaum über die Mittel verfügen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, könnte dies das Ende unseres Vereins bedeuten. Sollten wir bis zum Zahltag die notwendige Summe für die Erschließung nicht anderweitig aufbringen können, beispielsweise durch Spenden, werden wir die rund 1.000 Tiere in unserem Bestand dann wohl oder übel dem Bayerischen Freistaat übereignen müssen.“

Hintergrund
Die Auffangstation für Reptilien, München e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der jedes Jahr durchschnittlich rund 1.200 Reptilien, Amphibien und andere exotische Heimtiere bei Bedarf in seine Obhut übernimmt, tiermedizinisch versorgt, artgemäß unterbringt und nach Möglichkeit in fachkundige Hände weitervermittelt. Viele dieser Tiere stammen insbesondere aus Beschlagnahmen, die von den Bayerischen Behörden durchgeführt werden. Hierzu gehören v.a. Giftschlangen, Krokodile und andere potentiell gefährliche Tiere, welche anschließend dauerhaft von dem Verein untergebracht und versorgt werden müssen, da sie in den meisten Fällen aufgrund ihres Gefahrenpotentials nicht mehr weitervermittelt werden können.

Für seine Arbeit nutzt der Verein bereits seit vielen Jahren Räumlichkeiten der Ludwig-Maximilian-Universität München, welche jedoch in absehbarer Zeit aufgrund ihres Eigenbedarfs wieder geräumt und an die Universität zurückgegeben werden müssen.
Deshalb hat der Verein ein Konzept erarbeitet, wonach eine vollständig neue Auffangstation gebaut werden soll. Die Kosten für diesen Neubau wurden von einem Architektenbüro basierend auf einem entsprechenden behördlichen Kostenschlüssel berechnet und mit insgesamt rund 25 Mio. Euro veranschlagt. Mit dieser Summe könnte ein Projekt realisiert werden, dass das Problem fehlender räumlicher Kapazitäten für mindestens drei Jahrzehnte lösen würde. Ein entsprechend geeignetes Baugrundstück liegt nördlich von München in der Gemeinde Neufahrn. Die Kosten hierfür kann der Verein dank einer zweckgebundenen Erbschaft selbst aufbringen; darüber hinaus verfügt er jedoch über keine Mittel, um das Bauvorhaben durchzuführen.

Da der Verein in Gesprächen mit der Arbeitsebene des Umweltministeriums sowie Mitgliedern des Bayerischen Landtags positive Signale erhielt und auch immer wieder dazu ermutigt wurde, das Projekt weiter voranzutreiben, ist die Auffangstation für Reptilien, München e.V. zuletzt auch finanzielle Verpflichtungen mit dem Tierschutzverein Freising eingegangen. Dieser hatte als unmittelbarer Nachbar des neuen Baugrundstücks eine Zusammenarbeit bei der Erschließung beider Grundstücke angeboten, was für beide Vereine erhebliche Kostenersparnisse bedeutet. Da diese Erschließungsarbeiten in den kommenden Monaten in Angriff genommen werden, wird die Auffangstation für Reptilien, München e.V. nun voraussichtlich im Frühjahr 2016 Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, sofern der fällige Betrag nicht anderweitig akquiriert werden kann.

 

 

Quelle: Auffangstation für Reptilien, München e.V.

Bitte unterzeichnen Sie die Online-Petition, um die bayerische Staatsregierung aufzufordern, die Station zu erhalten.

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