Das Grauen hat einen Namen: Wegschnecken – Teil 2

Das Grauen hat einen Namen: Wegschnecken – Teil 1 – TESTUDOWELT
Das Grauen hat einen Namen: Wegschnecken – Teil 2 – TESTUDOWELT
Das Grauen hat einen Namen: Wegschnecken – Teil 3 – TESTUDOWELT

Wenige Schildkrötenhalter können sich freuen, wenn sie Schnecken im Gehege haben. Dazu gehören zum Beispiel die Halter von Dosenschildkröten. Auch Halter von Zackenerdschildkröten können sich freuen, wenn sie ihren Terrarientieren die eine oder andere Schnecke frisch aus dem Garten anbieten können. Für Halter Europäischer Landschildkröten aber sind Schnecken – allen voran die Wegschnecken – eine echte Plage… Diese nämlich werden von ihren Tieren zwar liebend gern gefressen, stellen aber zumindest in größerer Stückzahl eine ernsthafte Gefährdung für die Gesundheit der Tiere dar. Davon war im ersten Teil (nachzulesen hier) die Rede.
Um es erst gar nicht zu einer Schneckeninvasion kommen zu lassen, kann man versuchen, zumindest das Schildkrötengehege für Wegschnecken möglichst unattraktiv zu machen. Auch davon war im ersten Teil schon die Rede. Das Ganze nützt allerdings relativ wenig, wenn der restliche Garten und die Gärten der Nachbarschaft wahre Schneckenparadiese darstellen.
Man muss sich nur ein wenig auf die Suche im Internet machen, schon findet man eine Fülle an mehr oder weniger hilfreichen Empfehlungen, die Plagegeister loszuwerden, denn nicht nur Schildkrötenhalter haben ein Problem mit Schnecken: Blumen- und Gemüsegärtnern geht es genauso.
Im Nachfolgenden möchte ich einen Überblick geben, welche Methoden vorgeschlagen werden. Viele habe ich selbst nie ausprobiert und verlasse mich auf die Kommentare in den einschlägigen Schildkröten- und Gartenforendiskussionen, was die Effizienz dieser Methoden angeht. Generell aber lässt sich vorab festhalten: Ein Vergrämen, also ein Weg-Ekeln der Schnecken, wie man sich diverser anderer lästiger Tierarten entledigen kann, funktioniert leider nicht. Jedenfalls konnte ich im Netz keine solche Methode ausfindig machen. So gehört es zu den häufig verbreiteten Tipps, Schnecken würden sich von Kaffeesud oder Kaffeesatz vertreiben lassen. Ich habe das mehrfach ausprobiert – ohne Erfolg. Kaffeemehl in die Blumenbeete zu streuen ist dabei eine Sache, in Schildkrötengehegen würde ich aber darauf grundsätzlich verzichten. Hin und wieder liest man auch von stark aromatischen Gewürzpflanzen, die Schnecken vertreiben helfen sollen oder von Duftölen, die man in den Beeten ausbringen soll. Doch da ist auch mehr der Wunsch Vater des Gedankens als der Erfolg.

1. Die „sanften“ Methoden
Unter diesem Punkt möchte ich all die Methoden zusammenfassen, bei denen Gärtner oder Schildkrötenhalter den Schnecken nicht zu Leibe rücken. Besonders konsequente Tierschützer haben ein erhebliches Problem damit, Schnecken einfach zu töten. Sie empfehlen daher

Spanische Wegschnecke

1.1. Das Absammeln und Umsiedeln der Tiere
Die Schnecken werden eingesammelt und weit genug entfernt vom eigenen Garten wieder ausgesetzt, zum Beispiel an Waldrändern. Diese Methode ist mühsam und nicht nach Jedermanns Geschmack. Ob die Schnecken an ihrem neuen Ort willkommen sind, oder dort Bedingungen zum Überleben vorfinden, steht dabei auf einem anderen Blatt. Wer sich also dazu entscheidet, Schnecken umzusiedeln, sollte einen neuen Ort wählen, der den Bedürfnissen der Tiere entspricht. Sie einfach in einem Eimer zu sammeln und diesen irgendwo im Wald auszukippen, ist sicher keine gute Idee. Wer Schnecken absammeln will, tut gut daran, dies frühmorgens oder abends zu tun, wenn die Tiere aus ihren Verstecken kommen. Man kann in solchen Fällen auch „Schneckenverstecke“ aus Holzbrettern oder flachen Steinen errichten, unter denen sich Schnecken gern zurückziehen. Sich nachhaltig der Schnecken zu entledigen funktioniert nur, wenn man konsequent den ganzen Sommer über absammelt und die Schnecken umsiedelt. Man muss sich natürlich auch im Klaren darüber sein, dass immer wieder neue Schnecken über die Grundstücks- und Gehegegrenzen nachkommen.

1.2. Schneckenbarrieren
Es gibt eine Vielzahl an Empfehlungen, Schneckenbarrieren zu errichten. Die meisten basieren auf dem Prinzip, „Sperren“ auf dem Untergrund auszulegen, über die Wegschnecken nur höchst ungern kriechen. Dazu gehören zermahlene Eierschalen, Sand, Asche, kleine Steine und manches mehr. In der Tat funktionieren einige dieser Sperren relativ zuverlässig. Da Schnecken nicht wirklich auf dem Untergrund kriechen sondern Schleim absondern, auf dem sie schwimmen, stellen diese mechanische Barrieren einen gewissen Schutz dar, wenn die Schnecken spüren, dass Steinchen, Sandkörner, Asche etc. sich in der Schleimspur einlagern, diese austrocknen helfen und die Schnecken so am Fortkommen hindern. Allerdings müssen diese Barrieren natürlich breit sein, permanent gewartet und nach jedem Regen wieder neu errichtet werden. Denn jeder „Sperrgürtel“ aus Asche oder Sand dürfte nach einem Regenguß „durchlässlig“ geworden sein. Praktikabel mag diese Methode sein, wenn man ein paar besonders geliebte Pflanzen vor Schneckenfraß schützen will. Ein Schildkrötengehege so zusätzlich „hermetisch abzuriegeln“ dürfte nahezu ein Ding der Unmöglichkeit sein. Hinzu kommt, dass viele Halter Sand und kleine Steinchen nicht im Gehege haben wollen, weil sie Angst haben, dass diese von den Schildkröten gefressen werden können.
Schneckenzäune und –gräben aus Kunststoff kann man in Gartencentern und Baumärkten kaufen. Sie können noch vor der Gehegeeingrenzung installiert werden und stellen einen zusätzlichen, aber keinen verlässlichen Schutz dar, wenn sie lückenlos installiert sind. Und sie helfen auch nur, die „Zuwanderung“ in die Gehege zu begrenzen, nicht aber gegen Schnecken, die bereits im Gehege sind.
Besonders kostenintensiv dürfte es sein, einer Empfehlung zu folgen, Barrieren aus Kupferstreifen zu errichten, über die Wegschnecken angeblich nicht kriechen. Davon kann ich nur abraten: Nicht nur, dass Kupferblech ein teurer Wertstoff ist: Ich habe auch schon zahlreiche Wegschnecken an unseren Regenrinnen kriechen sehen – und die sind aus Kupferrohr.

1.3.  Gezieltes „Gegenfüttern“
Eher der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in vielen Gartenforen empfohlen wird, für Schnecken in einem bestimmten Teil des Gartens besonders attraktive Pflanzen zu setzen, um sie aus einem anderen Teil herauszuhalten. So wird zum Beispiel empfohlen Studentenblumen (Tagetes) oder Lobelien zu pflanzen. Diese Methode, ein Gehege schneckenfrei zu bekommen, dürfte nicht nur kostenintensiv sondern zudem wenig erfolgversprechend sein.

Kein Partner im Kampf gegen Wegschnecken: Die Weinbergschnecke

2. Der Kampf gegen die Eier
Schon ein wenig drastischer aber auch effizienter ist es, das Problem gleich an der Wurzel zu bekämpfen, also möglichst gar nicht erst so viele Schnecken in die Schildkrötengehege kommen zu lassen, was in diesem Fall bedeutet, in die Vermehrung der Schnecken gezielt einzugreifen. Eine sicherlich sinnvolle Maßnahme ist es, möglichst umfassend die Eier der Wegschnecken abzusammeln. Die Schnecken legen diese gern unter altem Holz, Steinen und Blumentöpfen.
Erfahrene Gärtner empfehlen immer wieder, alte Holzbretter an geeigneten, feuchten Stellen auszulegen und sobald die Schnecken Eier dort abgelegt haben, diese zu entfernen. Dazu kann man Holz und Eier einfach mit kochendem Wasser übergießen. Oder man schabt die winzigen kleinen Eier mit einem alten Messer ab und wirft sie weg. Noch einfacher aber ist es, gleich das Holzstück mitsamt den Eiern wegzuwerfen und gegen ein neues auszutauschen. Wichtig aber ist, das Holzstück nicht einfach in die Biotonne zu werfen. Wird diese erst einige Zeit später geleert, kann es sein dass in der Zwischenzeit die Schnecken schon in der Tonne geschlüpft sind und den Weg zurück in den Garten gefunden haben.

Es gehört zu den weitverbreiteten und nicht ausrottbaren Gerüchten, die durch „Erfahrungsberichte“ immer wieder genährt werden, dass Weinbergschnecken die Eier von Nacktschnecken fressen. Das ist allerdings nicht der Fall: Weinbergschnecken ernähren sich von weichen, welken Pflanzenteilen und Algenbewüchsen. Lediglich Jungtiere neigen zu Kannibalismus gegenüber der eigenen Art, fressen aber Nacktschneckeneier nicht, wie einhellig Schneckenhalter und -experten bestätigen. Trotzdem hält sich dieser Irrtum unter Schildkrötenhaltern mit überraschender Hartnäckigkeit und wird wieder und wieder als Empfehlung ausgesprochen. Wer das Experiment wagen will, sollte allerdings daran denken, dass Weinbergschnecken unter Naturschutz stehen und nicht einfach irgendwo abgesammelt und umgesiedelt werden dürfen. Man kann aber lebende Weinbergschnecken bei Züchtern kaufen. Adressen findet man im Internet.
Und man muss sich davor hüten, so den Bock zum Gärtner zu machen. Denn kleinere Weinbergschnecken können auch für große Landschildkröten eine attraktive Beute darstellen.

Die menschliche Phantasie ist besonders einfallsreich, wenn es um die drastischen Maßnahmen geht, sich der verhassten Schnecken zu entledigen, in dem man sie tötet. Dazu mehr im dritten und abschließenden Teil, der in Kürze erscheint.

Text und Fotos: Lutz Prauser

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