Vitamin A Vergiftung – Ein Erfahrungsbericht

Von Heinz Nather

Aus einer Gemeinde unseres Landkreises wurde ich von einer Frau angerufen, die sich hilfesuchend an mich wandte und berichtete, sie habe mit zwei Landschildkröten Probleme, da sich an nahezu allen Weichteilen die Haut in großen Fetzen ablöst. Ich bot ihr an, mir die Schildkröten anzusehen. Auch als Nichtmediziner kann ein erfahrener Halter das eine oder andere erkennen und einen allerersten Rat geben.
Die Halterin, die ich zuvor nicht gekannt hatte, kam postwendend zu mir und erzählte mir, dass die Tiere wegen Fressunlust nach der Winterruhe von einem Tierarzt Spritzen bekommen hätten, damit die Krise überwunden wird. Die Tiere zeigten die in den Bildern dokumentierten Hautablösungen auch mit Blutung. Für mich sah das verdammt nach Überdosierung von Vitamin A aus. Ich bin sofort mit den Tieren zu Dr. vet. Ute Frommeyer – Ausbildung in der Zoologie in München und auch Spezialisierung auf Reptilien -, die damals ihre Praxis noch in der direkten Nachbarschaft von mir hatte. Sie bestätigte den Verdacht auf eine Überdosierung von Vitamin A. Nun folgte eine langwierige Behandlung. Die Hautstellen wurden gereinigt und desinfiziert. Anschließend wurden alle offenen Stellen, sprich alles was an Haut zu sehen war, mit „Markus seiner Honigsalbe“ eingeschmiert. Zusätzlich erhielten die Tiere ein Schmerzmittel und eine Infusion verabreicht, um eine Infektion des freiliegenden Gewebes zu verhindern. Über 8 weitere Tage bekamen die Tiere ein Antibiotikum.
Ich nahm dann die Tiere in meine Obhut, um sie weiter zu versorgen und zu pflegen, die Eigentümerin der Tiere zeigte sich mit der Situation einigermaßen überfordert.
Auf Anraten der Tierärztin wurden die beiden Schildkröten täglich kurz in Rivanol gebadet, um weitere Infektionen zu vermeiden. Anschließend erfolgte eine Abdeckung der Hautstellen mit Bepanthen. Zwischenzeitlich fragte die Besitzerin bei ihrem Tirarzt nach, was dieser den beiden Schildkröten zur Behandlung der Fressunlust verabreichtet hatte. Es war ein Multivitaminpräparat, jedoch erhielt sie keine Information über Art und Dosis!
Während der langwierigen Therapie stellte ich die Tiere immer wieder Dr. Frommeyer vor. Nach etwa vier bis sechs Wochen zeigten sich die ersten Erfolge der Behandlung und etwa weitere vier Wochen später konnten sie an die Besitzerin zur weiteren Pflege zurückgegeben werden. Die Tiere haben sich im Laufe der Zeit gut erholt. Leider ist das kein Einzelfall!

Ein paar Bilder, die während der Behandlung gemacht wurden, zeigen auf eindrucksvolle Weise die typischen Symptome einer Vitamin A-Vergiftung.

Anmerkung der Redaktion:
Einmal mehr zeigt dieses Beispiel, dass Reptilien anders „funktionieren“ als Säugetiere und daher anders behandelt werden müssen. Sie gehören in die Hände erfahrener und speziell ausgebildeter Tierärzte. Sonst ist am Ende, wenn es zur Verabreichung von Vitamin- und „Aufbau“-Spritzen kommt, das Tier ernsthafter erkrankt als vor der Behandlung.
Und noch eine Empfehlung an alle Tierhalter: Lassen Sie sich von Ihren Ärzten detailiert erklären, was therapiert wird und wie. Welche Medikamente werden verabreicht und in welchen Dosen? Wie heißen die Präparate? Notieren Sie sich diese Angaben. Diese Informationen können unter Umständen sehr wichtig werden. Sie haben als Kunde eines Tierarztes ein Anrecht auf diese Informationen. Es gibt auch keinerlei nachvollziehbaren Grund, warum ein Tierarzt dies nicht tun sollte, und kein seriöser Tierarzt wird das verweigern.
Ein paar grundsätzliche Informationen über Über- und Unterversorgung von Schildkröten mit Vitaminen können Sie in einem Beitrag aus unserer Serie Nachgefragt beim Tierarzt nachlesen. Dort haben die beiden Tierärzte Dr. Nathalie Steidele und Tobias Friz Informationen zusammengestellt.

Text und Bilder: Heinz Nather. Alle Rechte beim Autor

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