Studie zur Entwicklung europäischer Landschildkröten im Ei und danach

Von Christine Dworschak

In der Natur benötigen Testudo hermanni durchschnittlich 90 Tage um sich im Ei zu entwickeln. Bei unseren oft unnatürlichen Inkubationsmethoden schlüpfen die Tiere oft bereits nach 55 Tagen.
Wie bei vielen Reptilienarten, so ist es auch bei den Schildkröten der Gattung Testudo so, dass sich das Geschlecht abhängig von der Inkubationstemperatur entwickelt. Dementsprechend brüten viele Schildkrötenzüchter die Eier möglichst warm aus um später viele weibliche Tiere anbieten zu können. Das ist auch durchaus sinnvoll, jedoch gehe ich davon aus, dass die Eier unter natürlichen Bedingungen kaum mit konstant hohen Temperaturen inkubiert werden.
Gleichzeitig fällt natürlich auch auf, dass es immer häufiger zu Missbildungen (Panzeranomalien, fehlende Augen, Gaumenspalte, fehlender Schwanz und vieles mehr) unserer Nachzuchten kommt.
Ob das Auswirkungen konstant zu hoher Temperaturen sind?
Des Weiteren stelle ich mir die Frage, ob es möglicherweise noch andere, erst später relevante gesundheitliche Beeinträchtigungen der Tiere gibt. Nach heutigem Wissensstand können wir davon ausgehen, dass die Geschlechtsentwicklung Ende des ersten, bzw. anfangs des zweiten Drittels der embryonalen Entwicklungszeit stattfindet. Dementsprechend ist eine dauerhaft konstant hohe Bruttemperatur wohl gar nicht notwendig um weibliche Tiere „zu erzeugen“
Da ich in meiner gesamten Schildkrötenhaltung mich immer möglichst nach den Vorgaben der natürlichen Bedingungen richte, versuche ich auch bei der Inkubation diese Gegebenheiten zu berücksichtigen.
So bin ich stets bestrebt, den Embryonen möglichst viel Entwicklungszeit im Ei zu lassen und trotzdem ein wenig Einfluss auf die Geschlechtsbildung zu haben.
Seit einigen Jahren berücksichtige ich diese Gegebenheiten und habe seit dem auch kaum noch Missbildungen, Frühgeburten oder noch nicht vollständig entfaltete Schlüpflinge.
Nun ist es soweit, dass die ersten, unter diesen Bedingungen nachgezogenen Tiere, das semiadulte Alter erreicht haben und ich mich trotz längerer Brutzeit über vorwiegend weibliche Nachzuchten erfreue.
Besonders auffällig finde ich es jedoch, dass Tiere, die mehr Zeit für ihre embryonale Entwicklung hatten, offensichtlich langsamer und dem entsprechend schöner (glatter) heranwachsen.
Ob das nur Zufall ist?
Ob ein so langsames Wachstum auch Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand hat?
Diese Frage würde ich sehr gerne beantwortet wissen, habe jedoch keine, oder nicht ausreichend viele Vergleichsmöglichkeiten.
Darum habe ich mich dazu entschlossen dieser Sache auf den Grund zu gehen. Um jedoch eine möglichst aussagekräftige Antwort und sämtliche Zufallsfaktoren ausschließen zu können bedarf es einer größeren Anzahl von Eiern.So haben sich einige erfahrene Züchter zusammengefunden um nach entsprechenden Vorgaben zu inkubieren.
Die Tiere selbst werden gekennzeichnet und unter gleichen Bedingungen bis ins semiadulte Alter aufgezogen.
Auf das Ergebnis dieser Studie bin ich schon sehr gespannt.

Alle Daten werden auf meiner Homepage veröffentlicht, so haben auch Sie die Möglichkeit, diese Studie bis an ihr Ende zu verfolgen. Falls Sie sich selbst daran beteiligen möchten, so nehmen Sie bitte Kontakt mit Christine Dworschak auf. Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf Ihrer Internetseite.

 

Text und Bild: Christine Dworschak. Mehr finden Sie auf ihrer Homepage.

3 Kommentare


  1. Hallo,
    ich habe eine dringende Frage zu meinen Schildkröteneiern.
    Könnten Sie sich bitte melden?

    Mit freundlichen Grüßen
    Lukas Allmendinger


  2. Lieber Herr Nather!
    Dass sich eine Nachtabsenkung positiv auf die Entwicklung der Tiere auswirkt kann ich nur bestätigen.
    Bei dieser Studie möchte ich jedoch in Erfahrung bringen, ob sich eine langsame, möglichst der Natur angepasste, embryonale Entwicklung auch positiv auf die spätere Wachstumsgeschwindigkeit und der Gesundheit der Tiere auswirkt. Da ich jedoch trotz niedriger Temperaturen weiterhin weibliche Tiere nachziehen möchte, ist die hohe Spitzentemperatur zur entsprechenden Entwicklungszeit vorgesehen.
    Probleme mit plötzlich weich werdenden Tieren kenne ich (zum Glück) nicht, lediglich bei einer testudo kleinmanni hatte ich vor einigen Jahren ein ähnliches Problem. Das Tier wurde plötzlich (ohne ersichtlichen Grund) weich. Es schien, als ob sie sich einfach auflösen würde. Aus einem Erstgelege stammte dieses Tier nicht. Ich vermute eher eine angeborene Stoffwechselerkrankung (embryonale Panzererweichung?) dahinter.
    Im laufe meiner „Züchterkarriere“ kam es schon auch ab und zu einmal vor (ich schätze im Verhältnis 1:150), dass eine testudo hermanni nicht wachsen wollte und schließlich nach einigen Jahren eingegangen ist. Einen Zusammenhang mit einem Erstgelege kann ich jedoch nicht bestätigen.


  3. Hallo, ich inkubiere nur geringe mengen von eiern, da meine Tiere nur 1-2 eier legen. die besten „erfolge“ habe ich wenn mit Nachtabsenkung inkubiert wird, sehr selten Anomalien. was mir aber immer wieder auffällt ist, dass im ersten jahr oft ein Tier dabei ist was einen weichen panzer bekommt, alle werden gleich gehalten. wer kennt dies?
    gruß heinz

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