Besondere Gehegepflanzen (18): Weihnachtsbaum

Weihnachtsbäume gehören ganz sicher nicht zu den typischen Gehegepflanzen. Dieser eine Baum aber ist etwas Besonderes und verdient es, hier vorgestellt zu werden.
Vor einigen Jahren bekamen wir zu Weihnachten einen kleinen Fichtensetzling geschenkt: Das war eine Minipflanze, eingepackt in einer Plastikhülle, den Wurzelballen umwickelt mit etwas feuchten Stoff. Dazu gab es zwei Christbaumkugeln, beide mit Werbeaufdruck der schenkenden Firma, einen Halter für eine Kerze und eine eben solche. Man solle sich doch bitte ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, seinen Weihnachtsbaum selbst großziehen und auch eine Beziehung zu ihm aufbauen.

A-ha.
Hätten wir den Baum damals so geschmückt, er wäre vermutlich unter der Last der Dekoration und der Verantwortung zusammengebrochen. Die Kugeln waren schnell entsorgt. Wer hängt sich schon Kugeln mit Werbeaufdruck an den Weihnachtsbaum, egal ob selbst groß gezogen oder im Gertencenter gekauft?
Die Kerze samt Halter wanderte in den Weihnachtsdekobestand. Was blieb, war die kleine Fichte.
Wohin damit? Erst mal das Notprogramm: Ein Topf wurde mit Erde gefüllt, die Fichte eingepflanzt, angegossen und dann das Ganze frostsicher verpackt auf der Terrasse deponiert. So überdauerte sie den ersten Winter bei uns. Im Prinzip aber war das perspektivenlos. Das Ganze konnte nur eine Zwischenlösung sein. Das war uns klar.
Als das Frühjahr kam und die Terrasse wieder genutzt werde sollte, war die Fichte natürlich im Weg. Nicht, dass sie seitdem nennenswert gewachsen wäre, aber der Topf musste trotzdem einen neuen Platz bekommen. Irgendwie stand er immer dort, wo er nicht sollte: Also im Weg. Und das permanente Hin- und Hergeschubse des Stecklings ist ja nun auch nicht das Wahre. Ein Baum ist ja schließlich auch nur ein Mensch und spürt, ob er gewollt ist oder nicht…
Ich meine: Andere spielen ihren Zimmerpflanzen klassiche Musik vor, damit sie gedeihen, da wird doch so ein Baumzwerg auch mitbekommen, ob man ihn mag und verwöhnt, oder ob man ihn eher als Last empfindet.
Die Fichte wanderte samt Topf an die Hauswand. Dort, wo mehrere Pflanztöpfe stehen, Rosen am Regenfallrohr heraufwachsen und Sommerblumen um die Wette blühen, fand sie einen ersten Platz. Ein weiteres Jahr verbrachte sie dort, setzte neue Triebe im Topf an an und wuchs.
Nun ist ein Topf aber eben nur ein Topf und Fichten sind keine Topfpflanzen. Sie wollen gut gelüfteten Boden eine ausgeglichene Wasserversorgung und vielleicht auch nette Gesellschaft. Schließlich wachsen in Deutschland Fichten auf ca. 14.500 ha im Waldverbund, also zusammen mit anderen Fichten. Das sagt doch alles.
Zwar gehören Fichten zu den schnellwachsenden Gehölzen, aber schnell ist auch relativ, vergleicht man das mit den typischen Gehegepflanzen. Die paar Zentimeterchen pro Jahr sind kaum der Rede wert. Also entschlossen wir uns, unseren Christbaum erst mal ins Schildkrötengehege zu pflanzen. Da kann sie auf Dauer zwar auch nicht bleiben, aber vorerst passt sie ganz gut dorthin. Irgendwann wird sie zu groß sein. Sie wird das Gehege beschatten, noch dazu die Bank, die vor der Haustür steht. Dort sitzen wir im Sommer abends gern bei einem Glas Wein und genießen die untergehende Sonne. Das werde wir uns auch von der Fichte nicht nehmen lassen. Letztlich steht sie auch viel zu nah am Nachbargrundstück und darf also schon von Rechts wegen dort nicht wachsen…
…oder eben nur ein paar Jährchen. Bisher hat sie es gerade mal auf 60 Zentimeter gebracht. Das ist für eine Fichte keine Höhe, je nach Art werden die Bäume ja zwischen 20 und 60 Meter groß.
Da bleibt noch etwas Zeit, bevor wir sie wieder ausgraben müssen. Was dann geschieht, steht in den Sternen. Vielleicht wird sie im benachbarten Wald ein neues Zuhause finden, vielleicht findet sich jemand mit Garten, der sie dann haben will. Ich hoffe nur, dass wir das rechtzeitig angehen werden bevor wir den Wurzelballen am Ende nicht mehr ausgegraben bekommen.
Dieses Jahr aber trägt sie erstmals voller Stolz vier rote Christbaumkugeln – ohne Werbeaufdruck natürlich. Die Schildkröten, die es sich im Sommer unter ihren Zweigen gemütlich machen, bekommen davon natürlich nichts zu sehen. Denn sie sind tief unten unter der Erde und überwintern in ihrem Schlafhaus. Und bis die wieder da sind, ist die Weihnachtsdeko längst weggeräumt. Die Fichte allerdings nicht… noch nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wünschen allen Lesern und Freunden von www.testudowelt.de in frohes, entspanntes und friedvolles  Weihnachtsfest. Ebenfalls wünschen wir einen guten Rutsch und ein frohes Neues Jahr.

Unser Wunsch: Bleiben Sie uns auch 2014 treu.

 

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