Steine sammeln – Steine zerstreuen

Mit Steinen für’s Gehege ist das bei mir so eine Sache…

In ferner Zukunft werden sich Geologen vielleicht wundern, was für ein merkwürdiges Steingemisch sich auf engstem Raum irgendwo in einem Garten Oberbayern finden ließ. Denn in meinem Gehege sammelt sich alles Mögliche an Steinen und Gesteinsarten an, vieles davon ist zusammengekauft, vieles aber auch aus diversen Urlauben mitgebracht.
Zunächst einmal ist da der Kies, der Teile der Gehegefläche abdeckt. Das ist ein wildes Gemisch aus Marmor, den ich säckeweise ins Gehege geschüttet habe, als dieser so günstig im Baumarkt zu kaufen war. Das war ein Schnäppchen und darüber war hier schon zu lesen. Dabei habe ich den Marmor mit dem bereits vorhandenen, „schnöden“, bayerischen Kiesel verpaart, den ich aus einer Kiesgrube aus unserer Nachbarschaft geholt habe. Damals habe ich dort eimerweise Kies geholt, als Unterbau unter Frühbeet und Schlafhaus, aber auch, um die Stellen im Gehege, die bei heftigem Regen immer als erstes vermatschen, trocken zu legen. Doch das ist noch lange nicht alles. Zwei Säcke Rosenquarz und einige Säcke gelber Kalkstein „Giallo“ sind auch vor einigen Jahren im Gehege gelandet. Auch das waren Spontankäufe, Schnäppchen aus dem Baustoffhandel, als  ich wegen einer Gehegeerweiterung dringend Gestein brauchte. Alles ist wild gemischt, alles verträgt sich mit- und untereinander. Gut, dass Steine nicht reden und nicht beißen können, und dass sie nicht streitsüchtig sind. Da wir schweren Lehmboden haben, musste ich jede Menge kleine Steine einbringen, Kiesbett für Drainagen, Flächenabdeckungen usw. Steine.
Gekauft habe ich mal hier und mal dort, immer was günstig war und gut aussah. Ich gehöre nicht zu den Puristen, die um jeden Preis eine einheitliche Kalksteinsorte im Gehege haben müssen. Dieses Gemenge bildet sozusagen das Grundgerüst der Gehegebesteinung, sorgt für schnell trockende Oberflächen und hält den Rasenwuchs deutlich zurück. Natürlich besteht dabei mein Gehege nicht nur aus Kiesflächen sondern auch freiem Erdboden. Struktur habe ich mit vielen größeren Gesteinsbrocken von nah und fern geschaffen – Steine, die ich zum Teil im Schweiße meines Angesichts durch die Gegend geschleppt habe.
Da wäre zum Beispiel ein Kalksteinbrocken aus den bayerischen Alpen, den ich auf einer Bergwanderung entdeckt habe. „Der schaut schön aus, passt auch gut ins Gehege, den nehm ich mit“, dachte ich mir und nahm ihn mit. Am Anfang war er noch leicht zu tragen, aber der Weg – wir waren bereits auf dem Rückmarsch zum Parkplatz – zog sich. Der Stein, den ich in den nach ausgiebiger Brotzeit fast leeren Wanderrucksack getan habe, schien von Meter zu Meter schwerer zu werden. Es wäre ein Leichtes gewesen, ihn einfach wieder auszupacken und zurückzulassen. Aber das kam ja gar nicht in Frage. Da bin ich konsequent. Steine schleppen gehört eben auch dazu.
Auch die Steine, die ich in der Nähe von Wiener Neustadt aus einem Wald mitgenommen habe, hatten es gewichtmäßig in sich. Bitte fragen Sie mich nicht, was das für eine Gesteinsart ist, jedenfalls ist es nicht der dort übliche Sandstein sondern eine Quarzart, vielleicht ein Karneol. Die Steine hat irgendwann mal irgendwer dort mal zur Wegausbesserung abgekippt, ich habe ein paar besonders Schöne eingesammelt.
Unscheinbar sind diese Steine, blass rosa-rot schauen sie aus – bis sie nass werden. Dann haben sie plötzlich leuchtende Farben, sehen aus wie ein Stück gemaserter Schinken oder Speck. Da musste verständlicherweise gleich ein ganzer Schwung her, der jetzt im Gehege verteilt ist. Jeder Stein ist etwa doppelt so groß wie eine Faust.  Jeder Einzelne bringt nicht viel auf die Waage, ein Kilo vielleicht, wenn überhaupt. Aber wenn man zwei große Kisten davon zusyammengesucht hat, dann weiß man, was Steine wiegen können.  Jetzt versöhnen sie mich optisch ein wenig, wenn es mal wieder regnet. Das tut der Granit, der ebenfalls in meinem Gehege kiegt, nämlich nicht. Der sieht blass rot aus, eher unscheinbar, aber er stammt aus Sardinien, aus der Gallura. Das ist das Marginata-Gebiet, die Gallura im Nordosten der Insel.
Den Granit mitzubringen, war nicht so leicht. Denn es ist ja nicht so, dass ein Auto mit fünf Personen und Urlaubsgepäck nicht schon voll bis unters Dach wäre. Und wenn ich dann noch ankomme und sage, wir müssen noch Steine mitnehmen, strahlen die Gesichter der Mitreisenden nicht gerade Begeisterung aus. Aber Platz für einen schönen Granit musste einfach zu finden sein. Und so füllt sich nach jedem Urlaub das Gehege Stein um Stein.
Steine sammeln – Steine zerstreuen.
Manchmal mache ich das auch im großen Stil: Nicht so, wie Thorsten Geier oder Ricarda Schramm, die sich die Steine gleich Lkw-weise holen, wovon noch auf dieser Seite berichtet wird. Das ist mir dann doch zu heftig. Aber mit mehreren Eimern im Kofferraum bin ich auch schon für ein paar Tage nach Österreich zu meinen Verwandten gefahren. Der Steine wegen mussten wir unser Reisegepäck etwas einschränken, denn in der Nähe des Neusiedler Sees liegt der berühmte Römersteinbruch. Neben Skulputurengarten und Passions- und Opernfestspielen bietet der eigentliche Steinbruch dem naturinteressierten Spaziergänger nicht nur großartige Ausblicke über den See und die Weinberge sondern auch ein fast mediterranes Biotop. Schildkröten gibt es dort natürlich nicht, aber Kalksandstein in Hülle und Fülle. Und Steine, die dort einfach herumliegen (nein, wir haben sie nicht aus dem Steinbruch mitgehen lassen) landeten gleich eimerweise im Kofferraum unseres Kombis und danach im Schildkrötengehege. Ich gebe zu: Das ist etwas schrullig. Aber mir macht das Spaß. Tragen muss ich die Steine ganz allein, es kann sich also niemand beschweren .
Auch den flachen Stein, den ich vom Lago di Santa Croce, einem Voralpensee im Veneto gefunden habe, habe ich stoisch mitgeschleppt. Zugegeben: Das ist kein schöner Stein. Aber der etwa tellergroße Sandstein ist als Trittplatte wunderbar geeignet – und er hat die Form von Sylt. Nein, eher von Korsika. Das allein war schon Grund genug, den Stein mitzunehmen. Korsika liegt schließlich nicht in Italien – auch nicht als Stein am Ufer des Lago. Ein guter Grund, finden Sie nicht?
Drei weitere schöne Steine fanden im gleichen Urlaub den Weg ins Auto. Mitgenommen habe ich sie aus einem Waldstück in der Nähe des Castello di Caneva (s. Foto oben). Jetzt liegen sie nicht mehr im Friaul sondern in meinem Gehege. Einer davon direkt in der Nähe eines kleinen Lavastücks, einem Steinchen, das mir mein Neffe vom Aetna aus Sizilien mitgebracht hat. Das Kind kennt mich eben.
So ist über die Jahre durch eine kleine Macke ein buntes geologisches Gemisch entstanden – ob das habitatgetreu ist, dass eine Schildkröte auf einem Sandstein sitzt, über einen Quarz stolziert, dabei Kalkstein tangiert und ein Lavabröckchen im Blick hat? Vermutlich nicht. Aber man muss ja nicht alles immer allzu dogmatisch sehen. Stein ist nicht gleich Stein, das ist schon klar, aber an ihrer Funktionalität büßen sie nichts ein – egal, ob sie aus Aschau, Porto Istana oder St. Margarethen stammen.
„So lange ich Steine aus dem Urlaub mitbringe“, so kommentiert es meine Frau, „brauchen wir an einen Urlaub mit dem Flugzeug gar nicht erst zu denken.“ Ansonsten ist es ihr egal, sie muss sie ja nicht schleppen. Den Schildkröten ist das natürlich auch egal, dass ich im Urlaub an sie gedacht und ihnen Mitbringsel für ihr Gehege gesammelt habe. Sie danken es mir nicht, aber das erwarte ich auch gar nicht. Sie trampeln einfach darauf herum oder setzen sich zum Sonnen und Wärmen auf die flachen Steine, im nächsten Jahr vielleicht auch auf „Korsika“.

Steine sammeln – Steine zerstreuen? Kann ich!

Selbstverständlich nicht in Naturparks, Naturschutzgebieten und schon gar nicht in archäologisch relvantem Gelände, Ausgrabungsstätten. Aber das versteht sich ja von selbst. Vielleicht packen Sie ja auch im nächsten Urlaub den Kofferraum voll. Aber achten Sie auf die zugelassene Zulast Ihres PKW.

Und ich wette jetzt schon, dass ich 2014 aus Kroatien auch wieder steinerne Fracht im Gepäck habe. Vielleicht von den Drehorten der Winnetou-Filme? Man weiß es nicht. Noch nicht…

4 Kommentare


  1. das ist ein wirklich toller bericht und ich kenne das auch. ich bringe auch aus jedem urlaub und von überall her steine mit. ich kann auch zu den meisten steinen eine schöne geschichte erzählen. ich weiß genau, was sie bei der steinsuche denken. ich denke das gleiche. =)


  2. Das fängt ja schon im „Kleinen“ an… Was wir schon Steinchen und auch Steinen mit dem Fahrrad nach Hause gekarrt haben.
    Ohne Vorahnung radeln wir los, dank meiner Kinder im Sommer sehr oft an den Rhein. An unserer „Lieblingsstelle“ ist es vom Rand her sehr flach und auch die Strömung lässt es zu, dass man dort auch im Wasser seinen Spaß hat. Dieser Spaß besteht sehr oft darin, dass wir den schönsten Stein suchen. Egal, ob die Schönheit durch die Farbe oder die Form gegeben ist. Da wir uns dann aber meistens nicht für einen entscheiden können, müssen wir halt einfach alle mitnehmen, die in die engere Auswahl gelangt sind.

    Versuche, der „Steinflut“ vorzubeugen enden dann meistens mit einer Tour in den nahe gelegenen Wald, was sich aber auch nicht als besser beweist. Die Alternative zu den Steinen ist hier auch schnell gefunden. Außer Steinen findet sich also auch viel Totholz in und ums Gehege…

    Sehr schöner und nachvollziehbarer Bericht.
    Viele Grüße Viola


  3. hallo ihr verrückten steinesammler, hier ist auch einer, sogar mit frau die auch mitmacht. man kann sich sicher nicht immer vorstellen, mit welcher ausdauer steine ausgesucht, umgedreht und begutachtet werden, plötzlich ist da noch ein schönerer der dann gewichtsmäßig, wegen dem tragen zum Auto geprüft werden muß. auch bei Flugreisen kommen steine mit, wobei wir uns leider an die gewichtsgrenzen halten sollten, aber sich nicht immer tun. auch ausgesuchtes holz ist vor uns nicht sicher, ob nun vom strand oder in den bergen, teilweise hängt es in unserer Wohnung und viele Besucher sind auch begeistert davon, abgesehen von den wenigen die derartige superstücke als „gruscht“ = schwäbisch, ansehen, aber das läßt uns zwei kalt. zuhause werden dann die schätze im Terrarium und auch im garten verteilt und geschaut was wo am besten hinpasst.
    ja, ja ich kenne frau schramm, die bei uns in wttbg schon mergel und jurakies geholt hat, weil der doch schöner ist als der vom handel vor ort, gruß vom waibertal heinz


  4. :o)))))
    Kenne ich sehr gut.
    Ich bin froh, nicht der einzig Wahnsinnige zu sein, der aus dem Urlaub Steine für die Gehege mitbringt! Gott sei Dank haben wir einen Kombi. Wenn die Klamotten auf dem Dach verstaut werden und die Hundekörbe der drei Racker etwas höher eingebaut werden, weil auf Olivenöl und Rotweinflaschen geparkt, soll man gar nicht glauben, was da an Steinen so alles noch dazwischen passt….manchmal auch noch in den Fußraum des Beifahrers… . Schließlich sind es ja nur 15 Stunden Rückfahrt, wenn wir aus der Toskana zurückkehren, beseelt von der Erinnerung, noch ein paar freilebende Testudo hermanni hermanni gesehen zu haben. Meine zweifelsohne deutlich bessere Hälfte wettert bei jedem Stein, den ich bei 35 Grad aus dem Flußbett ziehe….aber irgendwann bemerke ich dann auch den einen oder anderen Brocken im Fußraum, den ich dort ganz bestimmt nicht verstaut habe… Ah, ja… :o)
    So beschäftigt uns unser Hobby eben auch noch im Urlaub und man kann kaum genügend Steine in unsere fetten Lehmböden einbringen.
    In diesem Jahr werde ich wohl zugunsten der Steine auf den Rotwein verzichten…wenn das mal keinen Ärger gibt…;o)
    Carsten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.