Gehege jetzt bepflanzen

Bergflockenblume: Im Herbst im Vorjahr im Gartencenter „verramscht“

Für viele Europäische Landschildkröten ist jetzt die Zeit gekommen, sich in der Erde zu verkriechen. Vor allem im Süden Deutschlands unter Einfluss der Föhnwetterlage haben viele Tiere noch die letzten fast sommerlich warmen Oktobertage genutzt, aber in vielen anderen Gegenden sind die ersten Tiere schon tief eingegraben und haben mit der Winterstarre bekonnen.
Für die Halter beginnt jetzt die Zeit, das Gehege „auf Vordermann“ zu bringen, also gärtnerisch und gestalterisch tätig zu werden. Die Zeit ist gut, denn man kann ugestört im Gehege arbeiten, ohne Gefahr zu laufen, aus Versehen auf eine Schildskröte zu treten.
Und dann stellt sich die Frage: Herbst oder Frühjahr – wann ist eigentlich die optimale Pflanzzeit für Bäume und Sträucher? Das lässt sich nicht so einfach und schon gar nicht pauschal beantworten. Mehrere Faktoren bestimmen, wann die Pflanzzeit optimal ist.

  • Sind die Pflanzen „wurzelnackt“ oder besitzen sie einen Topf- oder Erdballen?
  • Sind es sommergrüne Gehölze wie z.B. Hibiskus, die im Winter das Laub abwerfen oder sind es immergrüne Pflanzen?
  • Sind die Pflanzen winterhart?

Solange das Erdreich nicht gefroren ist, kann man die meisten Bäume und Sträucher den ganzen Winter über pflanzen, also von Oktober bis März. Ob sich die Pflanzzeit in die Frühlings- und Sommermonate ausdehnen lässt, hängt vor allem von der „Verpackung“ der Wurzeln ab: Wurzelnackte Gehölze und Rosen sollten bis spätestens im März gepflanzt werden. Dann können die Wurzeln noch vor Beginn der Hauptwachstumszeit ins Erdreich einwachsen. Pflanzen mit Erd- oder Torfballen lassen sich unter Umständen bis in den Sommer hinein pflanzen. Ausführlicher werden wir uns mit der Frühjahrspflanzung in ein paar Monaten beschäftigen.
Daher hier ein paar Antegungen zur Herbstbepflanzung: Vor allem für wurzelnackte Bäume und Sträucher hat die Pflanzung im Herbst erhebliche Vorteile. In den meisten Gartencentern und Baumärkten werden Rosen, sommergrüne Blütensträucher oder Heckenpflanzen sowie kleine Bäume im Herbst besonders günstig angeboten. Die Ware muss raus, bevor der Winter kommt. Viele Pflanzen werden regelrecht „verramscht“, damit die Freigelände vor dem ersten Frost leer sind. Gerade in dieser Zeit, also jetzt, lässt sich manches Schnäppchen machen. Von unansehnlichem Wuchs, verblühten Blüten oder welken Blättern sollte man sich beim Pflanzenkauf nicht abschrecken lassen. Die Pflanzen „kommen im nächsten Jahr ja wieder“. Außerdem geht es bei der Gehegepflanzung ja nicht darum, besonders schöne und wohlgewachsene Pflanzen einzusetzen – ein Schildkrötengehege ist ja kein englischer Ziergarten. Gerade jetzt lassen sich auch Stauden und Gehölze für wenig Geld erwerben, die man wunderbar ins Gehege setzen kann: Bergflockenblumen, Frauenmantel, Fingerkraut und viele mehr.
Gut zu wissen: Viele der Pflanzen wurden schon lange vor Verkauf gerodet und bis zum Verkaufstermin in Kühlhäusern oder sogenannten Einschlägen gelagert, bevor sie in die Verkaufsstellen gelangten. Da die mehrmonatige Lagerung den Pflanzen nicht besonders gut bekommt, kauft man wurzelnackte Rosen und Gehölze im Herbst am besten direkt beim „Erzeuger“, also in Gärtnereien oder Baumschulen. So hat man die Garantie, dass die Pflanzen frisch sind, anders als in Gartencentern oder Baumärkten. Das betrifft allerdings nur wurzelnackte Pflanzen, die dort eher selten angeboten werden.

Nadelgehölze fürs Gehege, sind jetzt oftmals günstig zu bekommen

Eine Herbstpflanzung ist für alle wurzelnackten Pflanzen grundsätzlich sinnvoll, denn bis zum Frühjahr sind sie dann gut eingewachsen und treiben besser aus als ihre wurzelnackten Artgenossen, die erst im Frühjahr gesetzt wurden. Denn diese müssen sich ja zunächst auf ihr Wurzelwachstum „konzentrieren“.
Nadelgehölze und frostharte immergrüne Laubgehölze mit Erd- oder Wurzelballen sollten Sie spätestens jetzt pflanzen. Die Pflanzen verdunsten im Gegensatz zu den sommergrünen Gehölzen auch im Winter Wasser und müssen deshalb gut eingewurzelt sein, bevor der Boden gefriert. Allerdings darf für diese Pflanzen der Boden nicht zu stark ausgetrocknet sein. Zur Not muss nachgewässert werden.
Bitte denken Sie daran: Feste Wurzeln versorgen die Pflanzen ja nicht nur mit Nahrung sondern sorgen auch für den festen Halt. Das ist um so wichtiger, wenn die rabiaten Gehegebewohner im Frühjahr und Sommer unterwegs sind. Schildkröten sind ja nicht gerade zimperlich, wenn plötzlich irgendeine Staude oder eine kleine Kiefer dort steht, wo sie bisher immer entlang gelaufen ist.
Vor dem Pflanzen sollte der Boden tiefgründig gelockert und von Gräsern befreit sein. Stauden werden so in die Erde gesetzt, dass ihre Wachstumsknospe auf Erdniveau liegt oder dass die Oberkante des Erdballens nur knapp mit Erde bedeckt ist. Anschließend wird das Loch aufgefüllt und die Erde mit den Händen rund um die Pflanze fest angedrückt. Vor allem bei Gehölzen muss das Pflanzloch groß genug ausgehoben werden.

…wir sehen uns im Frühjahr wieder.

Als Faustregel gilt: Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß sein wie der Durchmesser des Wurzelballens. Nachdem es zu einem Drittel mit Pflanzerde und ggf. Kompost gefüllt ist, wird die Pflanze eingesetzt. Die Erde wird nachgefüllt und vorsichtig fest getreten oder mit der Hand fest gedrückt. Tipp: Einen kleinen Erdwall von etwa 10 Zentimeter Höhe um die Pflanze modellieren und so einen Gießrand schaffen, dann läuft das Wasser nicht zu weit ab.
Direkt nach der Pflanzung müssen  Stauden und Gehölze gut angegossen werden. Auch in den Folgetagen darf die Erde nicht vollständig austrocknen. Hierbei geht es gar nicht so sehr darum, dass die Pflanze sich mit Wasser versorgen kann. Viel wichtiger ist, dass die Erdpartikel möglichst dicht an die vielen Feinwurzeln  herangespült werden und diese Halt in der Erde finden können.

Ein weiteres spannendes Thema der Herbstbepflanzung stellen die Kaltkeimer (früher oft als Frostkeimer bezeichnet) dar. Ein Beitrag dazu ist in Vorbereitung und wird in Kürze erscheinen.

Text und Fotos: Lutz Prauser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.