Untermieter im Schildkrötengehege – Die Erdkröte (Bufo bufo)

„Fundstück“ im Befüllungsschacht unseres Gastanks

Jeder kennt sie (sollte man meinen), kaum einer mag sie, was sich in den letzten 20 Jahren zum Glück etwas geändert hat. Viele ekeln sich vor ihr, was sehr schade ist: Die Erdkröte (Bufo bufo).
Als ich vor ein paar Tagen eine Erdkröte aus einem Schacht genommen und fotografiert habe, war ich erstaunt, dass ich nach Veröffentlichung des Bildes im Netz tatsächlich gefragt wurde, um was für eine Tierart es sich da handelt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Landschildkröten halten, also über einen Garten verfüghen (sollten), und eine Erdkröte nicht erkennen. Denn die größte heimische Amphibienart gehört zu den wetweit am weitesten verbreiteten Amphibienarten:  Außer in Irland, Island, im hohen Norden Skandinaviens und auf diversen Mittelmeerinseln kommt sie überall in Europa vor. Und sie ist nicht gerade selten.
Krötenfangzäune werden jedes Jahr errichtet, über Krötenhilfs- und Rettungsaktionen ist nahezu jedes Frühjahr in den Zeitungen zu lesen. Denn die Erdkröten sind es, die zwischen Sommer und Winterlebensräumen hin und her wandern, in großen Scharen zu ihrem Laichgewässer zurückkehren und dabei oftmals Straßen überqueren müssen. Da hätte ich erwartet: Die Erdkröte, die Amphibie des Jahres 2012, kennt jeder.
Dass wir sie hier in unserer Reihe Untermieter im Schildkrötengehege vorstellen, hat einen ganz einfachen Grund. Immer wieder finde ich Erdkröten in unserem Garten und hin und wieder auch welche im Schildkrötengehege. Und nicht nur dort. Vor ein paar Jahren hatten es sich einige Kröten in unserer Überwinterungsgrube gemütlich gemacht und haben dort gemeinsam mit den Europäischen Landschildkröten die kalte Jahreszeit verbracht. Bitte schön: Wenn sie sich dort wohlfühlen, dann sollen sie.
Generell stören sich Erdkröten und Schildkröten nicht, dass eine Schildkröte mal einen Froschlurch „anfällt“, ist zwar schon berichtet worden, aber das sind sicher ausgesprochene Einzelfälle.  Eine andere Frage ist eine mögliche Gefährdung der Schildkröten durch das Ranavirus, auch in Deutschland sind infizierte Amphibien gefunden worden.  Ob eine Infektion möglich oder sogar wahrscheinlich ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich ist das aber kein Grund, Amphibien aus meinem Garten zu vertreiben oder sogar zu töten. Letzteres ist ohnehin aus tier- und artenschutzgesetzlichen Gründen verboten.
Erdkröten, die etwa 10 cm groß werden, und Schildkröten laufen sich in ihren natürlichen Lebensräumen eher selten über den Weg. Das hat zwei Gründe. Zum einen gehört die Erdkröte zu den dämmerungsaktiven Tieren.  Tagsüber verstecken sie sich unter Totholz, Laub,  Steinen oder in Erdlöchern, die sie zum Teil selbst gegraben haben. In der Phase, in der Schildkröten aktiv sind, bleiben die kräftigen und eher plumpen Erdkröten in ihren Verstecken, und wenn sich die Schildkröten zurückgezogen haben, dann erst schlägt ihre Stunde. Dann gehen sie auf Beutezug, jagen Spinnen, Würmer, Schnecken Asseln und Insekten. Dabei entwickeln sie erstaunliche Geschwindigkeiten. Daher sind sie in meinem Garten grundsätzlich gern gesehen.

Goldeneye
Fundstück in unserem Garten

Auf der anderen Seite besiedeln Erdkröten am liebsten Wälder und halboffene Landschaften wie Wiesen, Streuobstwiesen, Weiden und Hecken. Sie mögen es gern feucht und relativ kühl, man findet sie aber auch in trockeneren Habitaten wie Sandgruben, allerdigs meiden sie dort die besonders warmen Stellen. Und genau das ist der zweite Grund, warum Erdkröten und Schildkröten sich eher selten begegnen. Während es den Landschildkröten bei uns nicht warm genug sein kann, bleiben die Kröten lieber im feuchten, schattigeren und kühleren Lebensraum. Anders herum gesagt: So schön es ist, Erdkröten im Schildkrötengehege zu finden, sind sie doch ein Hinweis darauf, dass es im Gehege klimatisch nicht ganz passt: Es ist tendenziell zu feucht und zu kalt und man sollte sich Gedanken machen, wie man sein Gehege optimieren kann.
Die hier abgebildeten Erdkröten habe ich in unserem Garten fotografiert, eines der Tiere hockte tief im Schacht unseres Flüssigkeitstanks und wäre dort vermutlich nicht von allein wieder herausgekommen. Also habe ich es herausgenommen und zwischen zwei Steine gesetzt, natürlich nicht, ohne es vorher mit dem Handy schnell ein paar mal zu fotografieren.
Das andere Tier saß vor einigen Jahren eines Nachts direkt vor unserer Haustür und hat meine Tochter fast zu Tode erschreckt. Ich habe sie damals wegen ihrer für Erdkröten so typischen goldenen Augen Goldeneye getauft und einen Blogeintrag über diese wunderbare Begegnung und eine ausgiebige Foto-Session geschrieben (falls Sie den lesen wollen, klicken Sie bitte hier und für den zweiten Teil hier).
Viele weitere Informationen über Erdkröten vor allem über die Paarung und das Laichverhalten finden Sie auf der Internetseite www.amphibienschutz.de.

Haben auch Sie interessante, wildlebende Untermieter in Ihren Schildkrötengehegen? Haben Sie Fotos mit Beschreibung oder Text? Dann schreiben Sie uns, wir berichten gerne für unsere Leser darüber.

Kontaktieren Sie uns gern über E-Mail testudowelt (at) web.de. Auch wenn Sie uns nur Bilder schicken möchten und keinen Text dazu verfassen können oder möchten, stellen wir gern Ihre Untermieter im Gehege vor.

Text und Fotos: Lutz Prauser

1 Kommentar


  1. Hallo,

    oh, das ist ja toll. Wir haben seit neuestem auch eine Kröte, die immer abends und nachts vor unserer Haustür sitzt. Allerdings ist sie nie im Gehege, sondern kommt eher aus der Richtung einer Hecke und hüpft nachts (warum auch immer) zu uns.

    Seitdem ist abends immer Vorsicht geboten, damit niemand auf das schöne Tierchen tritt :-)

    Liebe Grüße
    Anna

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