Natürliches Kalkgestein

Velebit, Kalkgebirge in Dalmatien

In den natürlichen Verbreitungsgebieten, die unsere Schildkröten bewohnen, trifft man immer auf Kalkgebirge, an deren Rand auf steinige Areale mit Kalkstein-Ansammlungen, Kalkschotter und kalkhaltiger Erde. Die dort wachsenden Pflanzen, die das Futter der Schildkröten bilden, nehmen diesen Kalk bereits auf.
Bei dem Bau und der Gestaltung von Schildkröten-Freigehegen sollte deshalb auch ein besonderes Augenmerk auf das Einbringen solcher Elemente gerichtet werden.
Was ist das für ein Kalkstein? Wie unterscheidet er sich von anderen Kalkarten? Wie ist er entstanden?
Wenn man bedenkt, dass es sogar innerhalb der Geologie eine eigene Fachrichtung, die Karbonatsedimentologie, gibt, die sich ausschließlich mit der Entstehung und den Eigenschaften der unterschiedlichen Kalksteintypen befasst, so erscheint es vermessen, wenn man als Nicht-Geologe versucht, Licht in das Grau der Kalksteine zu bringen und eine halbwegs verständliche Zusammenfassung zu erstellen.

Ich werde es dennoch versuchen.

Als Kalkstein werden Sedimentgesteine bezeichnet, die überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO3) bestehen, in Form von zwei Kristallisationsformen, Calcit und Aragonit.

Velebit

Der größte Teil aller Kalkgesteine ist durch Ablagerungen von Lebewesen entstanden. Es gibt aber auch chemisch ausgefällte Kalksteine. Hierzu zählt zum Beispiel Travertin, dabei wird Calciumcarbonat an Algen und Wasserpflanzen ausgefällt und abgelagert. Diese Entstehung kann man in Kroatien sehr schön sehen zum Beispiel an den Plitvicer Seen und den Krka-Wasserfällen.
Ich werde mich hier auf biogene Kalksteine beschränken. Aber auch diese doch eigentlich, so sollte man annehmen, auf ähnliche Weise entstandenen Kalksteine unterscheiden sich in vielen Parametern: In der Entstehung, den Eigenschaften, der Farbe, Festigkeit und Haltbarkeit, um nur einige zu nennen.

Felsige Ausläufer des Velebit

Zusammensetzung:

Neben den beiden Kristallisationsformen von Calciumcarbonat kommen in Kalkstein auch andere Minerale in verschieden großen Anteilen vor. Zum Beispiel Tonminerale, Dolomit (CaMg(CO3)2), Quarz, Gips und andere.
Überwiegt der Dolomitanteil, so wird der Kalkstein Dolomit genannt, bei einem relativ hohen Tonmineral-Anteil wird er als Mergel bezeichnet, mit organischen Bestandteilen als bituminöser Kalk oder sogar als Stinkkalk , wenn er noch Schwefelwasserstoff enthält
Durch Kieselskelette können im Kalkgestein während der gesteinsbildenden Prozesse auch Quarzkristalle entstehen, die ganze Adern bilden. Während der Verkarstung wird der Kalkstein gelöst und die Quarzadern können in Form von „Fachwerkgittern“ erhaben zu sehen sein.

Entstehung von Travertin, Krka-Wasserfälle

Entstehung:

Biogener Kalk entstand durch Ablagerung aus Teilen von Mikroorganismen, Korallen, Schnecken, Muscheln, Schwämmen, Kopffüßern usw. oder auch Kalkabscheidungen von Algen und Bakterien in urzeitlichen Gewässern.
Durch Bestandteile von Mikroorganismen entstehen sehr feine, mikrokristalline und eher dichte Kalksteine, hierzu zählt auch die Kreide. Diese Kalkablagerungen bilden oft eine große Masse, werden deshalb auch als Massenkalke bezeichnet. Darin können sich auch Bänder finden, die Makrofossilien enthalten.
Überwiegen in der Ablagerung insgesamt die Makrofossilien, so spricht man von Fossilkalken. Fossilkalke sind nicht so dicht wie die aus Mikroorganismen entstandenen, sie enthalten oft Poren und Hohlräume. Sie werden meist nach den Haupt-Gesteinsbildnern benannt, zum Beispiel Brachiopodenkalk, Molluskenkalk, Foraminiferenkalk, Muschelschill usw., dabei überwiegen die Korallenkalke.
Korallenkalke sind per se bereits sehr feste Kalksteine, die anderen Arten durchlaufen erste eine Verfestigung, bevor sie in heutiger Zeit als feste Kalkgesteine vorliegen.
Poröse Fossilkalke sind Speichergesteine für Erdöl und Erdgas. Die wichtigsten Erdöllagerstätten befinden sich in Riffkalkgesteinen, die im Jura und in der Kreide entstanden.
Durch Umwelteinflüsse wie besonders saure Regenfälle wird das Carbonat des Kalksteins wieder gelöst, es kommt zur Verkarstung der Kalkgebirge.

Farbe:

Die normalerweise graue bis grau-gelbe Farbe der Kalksteine kann durch Beimengungen anderer Mineralien verändert sein, zum Beispiel entstehen durch Eisenverbindungen rote Farben, bituminöse Kalke können dunkelgrau bis schwarz gefärbt sein.

Zeitalter:

Bereits im Erdaltertum (Paläozoikum), 541 – 252 Mio Jahre vor heute, begann die Entwicklung von kleinen Organismen mit Kalkschalen, es setzen bereits Riffbildungen ein. Unter anderem wurde im Devon (419 – 382 Mio Jahre) ein Massensterben verzeichnet, das zu größeren Kalkablagerungen führte. Hier entstanden zum Beispiel die dichten Massenkalke der Eifel und des Sauerlands
Am Ende des Paläozoikums kam es durch eine ungeklärte Katastrophe zu einem Massenaussterben der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten, was zu einer anschließenden Entwicklung ganz neuer Lebensformen führte.
Im nachfolgenden Erdmittelalter (Mesozoikum), 252 – 66 Mio Jahre, entstanden ebenfalls Kalkgesteine, durch Riffgesellschaften in flachen Meeresbereichen so genannter Wettersteinkalk und durch Ablagerungen von Makrofossilien in tieferen Wasserschichten Fossilkalke, Tone und Mergel. Das Mesozoikum wird untergliedert in Trias, Jura und Kreide, letztere führten auch zu den Bezeichnungen Jurakalk und Kreide.
Der Beginn des Jura ist durch das Auftreten einer bestimmten Ammonitenart festgelegt, die Ammoniten waren zum Ende des Trias praktisch ausgestorben.

Steinige Landschaft in Dalmatien mit Legesteinmauern

Am Ende der Kreide kam es zu dem bekannten Massenaussterben, dem auch die Dinosaurier zum Opfer fielen.
Übrigens: Auch die ersten Vorfahren unserer heutigen Schildkröten entwickelten sich am Anfang des Mesozoikums.

Vorkommen:

Kalksteinvorkommen, die im Devon entstanden, finden sich zum Beispiel als Massenkalke im Rheinischen Schiefergebirge und dessen Ausläufern. Weitere Kalksteinvorkommen finden sich in Mitteleuropa zum Beispiel in Mittel- und Süddeutschland (Muschel- und Jurakalk), im Schweizer und Französischen Jura (Jurakalk) und in den Alpen.
Jurakalk-Vorkommen finden sich ebenfalls in der Schwäbischen und Fränkischen Alb, im Altmühltal und an der Ostküste der Adria.

Typischer Lebensraum der Dalmatinischen Landschildkröte

Womit nun geklärt wäre, dass in den Habitaten von zumindest Testudo hermanni Jurakalkgebirge und –gesteine zu finden sind.
Darauf werde ich noch etwas genauer in nachfolgenden Artikeln eingehen

Text und Fotos: Ricarda Schramm. Alle Rechte bei der Autorin

 

 

 

Quellen:

Wikipedia

Google

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.