Untermieter im Schildkrötengehege – Die Waldeidechse Zootoca (Lacerta) vivipara

Dort wo Schildkröten leben, ist auch Raum für andere Tiere.
Naturnah gestaltete Schildkrötengehege sind kleine Biotope, die auch für viele andere Tierarten geeigneten Lebensraum bieten und gerne angenommen werden. Unter anderem leben in meinen Freigehegen Waldeidechsen Zootoca vivipara, die ich hier einmal vorstellen möchte.

In einem Sonnenfleck am Morgen

Die Waldeidechse, auch Berg-, Wiesen- oder Mooreidechse genannt, gehört unter den Reptilien zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae). Sie ist von recht schlanker, kurzbeiniger Statur und wird bis zu 18 cm lang, wobei mehr als die Hälfte der Länge auf den Schwanz entfällt. Im Gegensatz zu Zaun- und Mauereidechse hat die Waldeidechse einen relativ kleinen, flachen Kopf, bei Weibchen noch kürzer als bei Männchen. Die Grundfärbung ist braun-grau mit sehr variabler hellerer Fleckzeichnung auf dem Rücken.

Auf Kalkschotter
Treffpunkt auf einem Stein

Wie schon der Name – vivipara – sagt, bringen die Weibchen der Waldeidechse lebende Junge zur Welt. Das heißt, eigentlich müsste es ovovivipar heißen. Denn zunächst befinden sich die Jungtiere im Mutterleib sehr wohl in einer Eihaut und haben einen Dottersack, im Gegensatz zur echten Viviparie, bei der die Embryos mit dem mütterlichen Organismus verbunden sind und darüber ernährt werden. Die Eier werden von den Weibchen der Waldeidechse allerdings nicht außerhalb abgelegt, sondern im Mutterleib ausgebrütet und die 2-12 Jungtiere werden fertig ausgebildet geboren. Die Jungtiere sind bei der Geburt 30-40 mm groß und zunächst sehr dunkel, fast schwarz gefärbt.

Hochschwangeres Weibchen
Jungtier

Durch die Ovoviviparie können Waldeidechsen eher auch kühlere Lebensräume besiedeln als zum Beispiel die eierlegende Zauneidechse. Abgesehen von einigen Meeresschildkröten besiedelt sie das größte Verbreitungsgebiet aller Reptilienarten. Die unterschiedlichen von der Waldeidechse bewohnten Lebensräume haben bestimmte essentielle Merkmale:

 

1. Geschlossene, deckungsreiche Vegetation
2. Baumstümpfe oder größere Steine als Sonnenplätze
3. Einzelne Büsche oder Bäume als Strukturelemente
4. Steinhaufen oder Totholz als Verstecke
5. Kleine Ritzen und Fugen, Erdlöcher als Winterquartier
6. Ausreichende Feuchtigkeit

Genauso oder so ähnlich könnte man auch unsere Schildkrötengehege beschreiben. Deshalb sind sie so ideal als Lebensraum für Eidechsen.

In der Häutung
Relativ dunkles Tier

Haben auch Sie interessante, wildlebende  Untermieter in Ihren Schildkrötengehegen? Haben Sie Fotos mit Beschreibung oder Text? Dann schreiben Sie uns, wir berichten gerne für unsere Leser darüber.

Kontaktieren Sie uns gern über E-Mail testudowelt (at) web.de. Auch wenn Sie uns nur Bilder schicken möchten und keinen Text dazu verfassen können oder möchten, stellen wir gern Ihre Untermieter im Gehege vor.

Text und Fotos: Ricarda Schramm. Alle Rechte bei der Autorin

6 Kommentare


  1. Ich hatte heute in einer Wasserschale eine junge schwarze Eidechse gesehen und raus geholt! In einen nassen dicht blättrigen Blumentopf gesetzt und Blätter darauf gelegt !

    jetzt weiß ich nicht ob das falsch oder richtig wahr ,was hätte ich tun können ?


  2. Achso: Ja, wir haben Untermieter im Gehege: Nacktschnecken, aber die sind ja nicht wirklich außergewöhnlich :-)


  3. Oh, toll!

    Wir hatten letztens eine Eidechse im Flur. Ich war überzeugt meine Katze hat sie reingebracht, denn ich habe zuvor noch nie eine Eidechse in der Nähe unseres Hauses gesehen.

    Aber das könnte natürlich eine Erklärung sein, denn die Eidechse war absolut unbeschadet (was gegen die Katze spricht ;) ) und unser Schildkrötenfrühbeet ist nahe unserer Haustür. Ich werde es weiter beobachten, vielleicht wohnt ja wirklich so ein schönes Tier mit in unserem Beet :)

    Liebe Grüße und danke für die tollen Bilder!
    Anna


  4. hallo,
    nein leider nicht.
    gruss thorsten


  5. Hallo Thorsten,

    das hört sich auch toll an. Hast du Fotos für einen kurzen Bericht für uns? Wäre toll.

    Gruß

    Ricarda


  6. Toller Bericht. In meinem Freilandgehege fühlen sich die Ringelnattern so wohl, dass sie regelmäßig ihre Eier dort ablegen, Voriges Jahr konnte ich sogar die juvenilen Ringelnattern im Gehege sehen. Da weiß man doch, man machts irgendwie richtig.

    Gruß

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