Mittelmeer-Müll tötet Wasserschildkröten vor Mallorca

Meeresschildkröten leiden zunehmend unter der Vermüllung der Meere. Fast jede zweite dieser vom Aussterben bedrohten Meerestiere hat Plastikmüll in ihrem Magen, wie zahlreiche Forschungen bewiesen haben.
Auch die drei Spezies, die sich im Mittelmeer an den Küsten vor Mallorca aufhalten, sind davon betroffen. Es handelt sich dabei um die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta – siehe Foto), die bis zu 1,20 m lang und 130 kg schwer werden kann, die grüne Meeresschildkröte, auch Suppenschildkröte (Chelonia mydas) genannt, mit einer Länge von bis zu 1,40 m und einem Gewicht von 140 kg, sowie um den Riesen unter den Meeresschildkröten, die Lederschildkröte.
Die Lederschildkröte (Demochelys coriacea) kann 2,50 m groß und 700 kg schwer werden. Sie kommt nur zum Jagen, sprich zur Nahrungsaufnahme, in das Mittelmeer und hat statt einem Panzer eine dicke Lederhaut. Diese größte Meeresschildkröte kann bis zu 1200 Meter tief tauchen und bis zu 100 kg ihrer Hautnahrungsquelle, nämlich Quallen, pro Tag verschlingen, während die anderen beiden im Mittelmeer vorkommenden Schildkröten zudem noch Krebse, Tintenfische, Seeigel, aber auch Fischeier oder Seegras fressen.

Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht
Nach einer Studie eines Teams der University of Queensland sind bereits sechs der sieben Arten der weltweit im Wasser lebenden Panzertiere vom Aussterben bedroht. Zu diesem Resultat kamen die Forscher nach einer Auswertung von 37 Studien aus den Jahren 1985 bis 2012 und Aufzeichnungen von 1900 bis 2011.
Grund für die erschreckende Entwicklung sind im Meer treibende Massen von Plastikabfall, der von verschiedenen Krötenarten als Nahrung aufgenommen wird. Die Schildkröten, zu deren Hauptnahrung Quallen gehören, verwechseln diese mit Weichkunststoff-Teilen, die eine Vergiftung bewirken, wenn sie über einen langen Zeitraum hinweg gefressen werden. Und genau dies ist bei den Meeresschildkröten der Fall.
Aber nicht nur Plastik führt zur Ausrottung der Tiere. Auch achtlos ins Meer geworfene Seile, Fischerei-Zubehör, wie Schnüre, Netze und Haken sind für die Dezimierung der Reptilien verantwortlich. Besonders gefährdet ist der Bestand der Suppenschildkröte. Gerettet werden können die bereits seit rund 200 Millionen Jahren vorkommenden Tiere nur dadurch, wenn insgesamt weniger Müll und vor allem weniger Plastik im Meer landet.

Gefahr droht auch Mallorcas Landschildkröten
Nicht nur in den Gewässern der größten Baleareninsel, auch an Land tummeln sich Schildkröten. Überall auf Mallorca, außer im Gebirge der Insel, der Serra de Tramuntana, ist unter anderem die Griechische Landschildkröte beheimatet. Mit ihrem gelb und schwarzen Panzer werden sie bis zu 30 cm gross.
Ihren Lebensraum finden sie in der mediterran typischen Vegetation zwischen Kiefern und Olivenbäumen. Gerade hier sind die Schildkröten jedoch besonders gefährdet. Regelmässige Waldbrände, Urbanisierungen, Pestizide und natürlichen Feinde in der Tierwelt, die ihre Gelege plündern und ihre Jungtiere fressen, führen rasant zur Reduzierung des Bestandes. Auch mangelnde Wasserstellen in den heißen Sommermonaten, sowie Überschwemmungen bei anhaltendem Regen, setzen den Tieren zu.

Schildkröten dürfen nicht eingefangen werden
Der Fang von Schildskröten und deren nachfolgende Haltung als Haustier ist illegal und auch auf Mallorca strengstens verboten. Bei der hier heimischenTierart handelt es sich nämlich um eine bedrohte Rasse die im Catálogo Nacional de Especies Amenazadas, der Spanischen Roten Liste für bedrohte Arten verzeichnet ist.
Das Isolieren der Tiere von ihren Artgenossen verhindert die Fortpflanzung und so zwangsläufig ihre Vermehrung. Wer dabei erwischt wird, eine unter Naturschutz stehende Schildkröte mit nach Hause zu nehmen muss mit einer Geldstrafe von bis zu 2.000 Euro rechnen.

Die Meeresschildkröten finden sich alle auf dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen, die den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen kontrolliert. Und dennoch stehen Meeresschildkröten in einigen Ländern, vornehmlich in Asien, immer noch auf dem Speiseplan.

Schildkröten sind Überlebenskünstler
Die Landschildkröten der Insel Mallorca ernähren sich vorwiegend von kleinen Tieren wie Schnecken, Insekten, Würmern, sowie Ost und Gemüse. Der Winterschlaf der Schildkröten dauert in der Regel von November bis März. Oft graben sie sich dann irgendwo ein, bis sie im Frühling wieder zu neuem Leben erwachen. Seit Ende der 80er Jahre wurden in den Naturschutzgebieten Llevant und Mondragó inzwischen etwa 1.000 Schildkröten ausgewildert und deren Populationen überwacht.

Quelle: Mallorcainfos.com

 

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