Todesfalle Plastikmüll

Eine Lederschildkröte auf offener See. Foto: Image courtesy of Canadian Sea Turtle Network

ScienceDaily — Lederschildkröten gehören zu den Reptilienarten, die flächenmäßig am weitesten über die Erde verbreitet sind. Allerdings sind sie mittlerweile von dem Aussterben bedroht, nicht unerheblich durch die Sorglosigkeit der Menschen. Ein Professor der kanadischen Universität Dalhousie weist auf die Gefahr durch Plastik für diese bedrohte Art hin. Sie hat das Aussterben der Dinosaurier überlebt, sie ist ein Abkömmling einer der ältesten Stammbäume der Geschichte, ihre Wurzeln reichen über 100 Millionen Jahre zurück:
Wir haben den Zusammenhang erkannt welche Gefährdung Plastik für das Leben im Meer darstellt; Müll, den wir Menschen direkt oder indirekt in den Ozean einbringen, aber haben wir die Botschaft klar verstanden?
Nicht klar genug, wie Mike James von der Universität Dalhousie und Co-Autor eines Artikels im Marine Pollution Bulletin ausführt. „Wir wollten sehen, ob die Nahrungsaufnahme von Plastikmüll bei Lederschildkröten tatsächlich so groß ist, oder ob übertrieben wird“, erläutert Dr. James, Fachbiologe für Fischerei und Meereskunde und Professor an der Abteilung für Biologie der Dalhousie University.
„Es war eine riesige Anstrengung, weltweit die Ergebnisse der Tier-Sektionen des vergangenen Jahrhunderts durchzuschauen”, erklärt Dr. James. „Nachdem wir 371 Sektionen seit 1968 ausgewertet haben, entdeckten wir, dass über ein Drittel der Tiere Plastikmüll gefressen hatte.“
Da Quallen zu den bevorzugten Futtertieren der Lederschildkröten gehören, ist die Annahme weit verbreitet, dass die Tiere den im Meer treibenden Plastikmüll mit Quallen verwechseln. Da sowohl Quallen als auch dieser Schmutz sich an den gleichen Stellen im Meer sammeln, in denen auch in hohem Grad Wasserbewegungen stattfinden und Futter zu finden ist, ist die Gefahr, dass Lederschildkröten gerade in diesen Bereichen Nahrung suchen und dabei Plastik fressen, besonders groß. Sobald ein Tier Plastik gefressen hat, machen tausende kleiner Dornen entlang ihrer Zunge und der Speiseröhre es nahezu unmöglich, den Kunststoff wieder hochzuwürgen.
Der Plastikmüll kann zu einer teilweisen oder auch vollständigen Blockierung des Magen-Darmtrakts führen – mit dem Ergebnis einer deutlichen Verringerung der Wirksamkeit der Verdauungsenzyme, erheblichem Mehraufwand im Energiehaushalt der Tiere, mit Folgen für die Fortpflanzung aber auch bis hin zum Hungertod.
„Das Fressen von Plastik bedeutet nicht unbedingt, dass das Tier sterben muss. Aber es ist ein eindeutiges gesundheitliches Risiko für die Schildkröten“, so Dr. James.
Seit er ein Kind war, ist Dr. James von Reptilien fasziniert, hat ein lebenslanges Interesse an Schildkröten entwickelt, von ihrer Aufzucht als Kind bis zu seiner Doktorarbeit und nun als Biologe und Naturschützer. Dabei, so sagt er, gibt es einfache Wege, diese fortschreitende Bedrohung zu beenden. „Frustrierend, aber zugleich hoffnungsvoll ist, dass die Menschheit ganz einfach anfangen könnte, Lösungen ins Auge zu fassen, die nicht einmal große Änderungen ihres Lebensstils verlangen würden“, so Dr. James. „Es ist so einfach, Verpackungen zu reduzieren und sich in Richtung alternativer, biologisch abbaubarer und recyclingfähiger Materialien zu bewegen.“
Lederschildkröten werden weltweit als bedrohte Tierart eingestuft. Die wahre Größe ihrer Population ist nicht genau bekannt, da nur ausgewachsene weibliche Tiere an die Küsten tropischer Regionen zum Eierlegen kommen. Während des Sommers und Herbstes weisen die Gewässer vor Kanadas Küste die größte Dichte der auf Nahrungssuche befindlichen Tiere im Nord Atlantik auf.
© Mrosovsky et al. Leatherback turtles: The menace of plastic. Marine Pollution Bulletin, 2009; 58 (2): 287 – übernommen aus den Presseinformationen der Universität Dalhousie.

Übersetzung: Lutz Prauser

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