Manchmal muss es eben Marmor sein…

Er ist so weiß und bei Sonnenschein so hell, dass man fast nicht hinschauen kann. Der weltberühmte weiße Carrara-Marmor.
Wie Hagelkörner liegen die runden Steine an einigen Stellen in meinem Schildkrötengehege und decken Erde sowie Grasflächen nachhaltig zu. So schaffen sie trockene Stellen, die sich schnell erwärmen.

Aber muss es denn unbedingt weißer Marmor sein? Ist das nicht ein wenig übertrieben, fast snobistisch?

Finden Sie?
Ich auch.
Eigentlich.

Aber AnfangJuni 2013 kamen drei Dinge zusammen, die dazu führten, dass ich meinen Schildkröten im Garten einen Luxus-Untergrund beschert habe.

1. Es hat unentwegt geregnet.
Nach und nach verwandelte sich das Gehege meiner Schildkröten in eine Sumpflandschaft. Der schwere Boden war nicht mehr in der Lage, noch mehr Wasser aufzunehmen. Es bildeten sich erst matschige Stellen, dann Pfützen.
Da wir das Gehege von unten her nicht drainieren können, bleibt nur, es von oben her abzutrocknen, also Kiesschichten aufzuschütten, die zumindest einen Teil des Wassers aufnehmen können und durch die es reltiv schnell hindurchsickern kann. Und das Ganze ohne dass sich überall Matsch und Pfützen bilden.
Natürlich wird dabei nicht das ganze Gehege mit Kies abgedeckt. Das wäre dann doch zu viel des Guten. Aber dort, wo sich das Wasser sammelt und schnell nasse Stellen entstehen, muss endlich was passieren:

 

2. Ich hatte Urlaub
Freie Tage, Urlaub oder Wocnenenden sind immer die perfekte Zeit, diverse Baumaßnahmen im Gehege vorzunehmen. Und es gibt ja immer etwas zu verbessern. Jeder Tierhalter kennt wohl die Erfahrung: Man beobachtet seine Tiere im Gehege, Aquarium oder Terrarium und es dauert nicht lang, da fällt einem auf, was man reparieren, verbessern oder nur aus ästhetischen Gründen umgestalten könnte. Der Schaffensdrang macht natürlich auch vor meinem Schildkrltengehege nicht Halt. Und obwohl es mir gut gefällt und ich glaube, dass sich meine Tiere wohl darin fühlen, weiß ich doch: Es ist nie ganz fertig. Und das wird es auch nie werden.
Bei all dem achte ich natürlich drauf, große und wirklich verändernde gestalterische Maßnahmen zu vermeiden. Schließlich möchte ich ja nicht, dass meine Tiere permanent irritiert darüber sind, dass ihre angestammten Wege und Lieblingsplätze plötzlich „weg“ sind, weil ich immer alles umbaue..

3. Carrara Marmor war im Angebot
Eine nicht ganz unbekannte Baumarktkette bot in dieser Zeit Carrara Mamor in 25 Kilo Säcken an mit einem verlockenden Preis: Keine 6 Euro pro Sack.
Die Entscheidung war schnell gefallen. Statt des Dolomitkalks, den ich an verschiedenen anderen Stellen bereits im Gehege habe, fanden drei Säcke Marmorkies ihren Weg in mein Auto und kurz danach ins Gehege.
Marmor ist ja wie Dolomitkalk ebenfalls ein Carbonatgestein, das aus dem Mineral Calcit besteht. Der Carrara-Marmor ist vor 30 Millionen Jahren entstanden, als sich die Kontinentalplatten von Afrika und Europa aufeinander zu bewegten und zu den apuanischen Alpen aufwölbten.

Dabei wurden die Calcit-Ablagerungen aus abgestorbenen Meeresorganismen unter hohem Druck und sehr hohen Temperaturen zusammengepresst und wandelten sich dadurch zu Marmor.
Die weitaus größten Calcitvorkommen gehen auf Meeresablagerungen zurück. Dabei setzen sich die calcithaltigen Skelette und Schalen unzähliger kleiner Meerestiere wie etwa Muscheln, Korallen am Meeresgrund ab. Chemisch ist Calcit (wie der ähnliche Aragonit < und der Vaterit ) ein Calciumcarbonat, ein Calcium-Salz der Kohlensäure.
Natürlich schaut die Aufschüttung des Marmorkieses anfangs unnatürlich aus, nach Ziergarten und Arrangements. Das ändert sich aber mit der Zeit. Die Steine verteilen sich flächiger im Gehege. Die größeren Pflanzen „hängen“ Zweige und Blätter über den Kies, zwischen den Steinen kommen neue Pflanzen hervor.
Bereits nach wenigen Tagen kommen die ersten Grashalme zwischen den Steinen hervor. Nach und nach werden es immer mehr, nicht so viel, dass ich sie alle ausreißen müsste, aber doch einige.
Auch andere Kräuter finden zwischen den Steinen ihren Weg zum Tageslicht, so dick ist die Schicht ja nicht.
Ästchen, Blätter, andere Steine… nach und nach „sammelt“ sich zwangsläufig auch auf der Marmorschicht alles Mögliche an.
Die Tiere tragen ihren Teil dazu bei, ein wenig helfe ich nach. Nach vier Wochen ist die Fläche nicht mehr ganz so „strahlend weiß“. Irgendwann „verschwimmen“ auch die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Steinen, hier eine Wurzel, da ein größerer Stein, bei Arbeiten im Gehege bleibt es nicht ohnehin nicht aus, dass sich die Marmorsteine weiter verteilen und mischen. Und an einigen Stellen kommt auch wieder die Erde darunter „durch“.
Aber der Regen hinterlässt eben keine Pfützen mehr.
Wer weiß: Wenn es wieder nötig wird, Gehegeteile trocken zu legen, wird es vielleicht beim nächsten Mal wieder eine Ladung Dolomitkalk, vielleicht werden es ein paar Eimer Kies aus der benachbarten Kiesgrube.
Aber dieses Mal musste es eben manchmal Marmor sein.

Text und Fotos: Lutz Prauser

3 Kommentare



  1. Hallo Lutz
    Das sieht prima aus, hab ich teilweise auch so gemacht, was nervt: Die Kröten verteilen ihre Exkremente fast ausschließlich auf den weißen Steinen und das Zeug bekommt man nicht ohne weiteres ab. Da bei der Säuberung dann viele Steine „entsorgt“ werden, ist der natürliche Schwund ganz beträchtlich.
    Gruß Kurt


  2. ich selbst finde kiesel ohne scharfe kanten besser im gehege, als scharfkantigen Jura mergel oder bruch. den gibt es bei uns ja fast vor der Haustür. habe mir schon mal überlegt ob ich mir nicht eine „steintrommel“ zum kantenbrechen von diesem kies baue, denn unser Jura kies ist halt nicht so „grell“ und hat eine schöne gelb-braune farbe. zur zeit habe ich natürlich auch Carrara kiesel im gehege. Heinz

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