Kein Verbot der Wildtierhaltung!

Klartext: Kein Verbot für Wildtierhaltung
Ein Weckruf von Lutz Prauser

Gifttierhaltung ist sowieso fast überall verboten.

Seit Jahren beziehen die verschiedensten Tierschutzorganisationen in Deutschland massiv Front gegen die Haltung von Wildtieren durch Privatpersonen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und auf ihre Seite zu ziehen. Die Mechanismen dabei laufen bestens, denn sie bedienen sich medienwirksam der Verunsicherung und der Angst(*):

– Sehr medienwirksam wird immer wieder vor der Gefahr vor Salmonellen-Übertragung durch Reptilien gewarnt. Das Thema Salmonellen eignet sich besonders gut, Ängste und Sorgen in der Bevölkerung zu schüren. Die diffuse Angst führt dazu, Reptilienhalter als potentielle Salmonellenverbreiter zu diffamieren, von denen eine Gefährdung für die Öffentlichkeit ausgeht.
Dabei ist das Gefahrpotenzial bei einem verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren verschwindend gering.

– Ebenfalls sehr medienwirksam agitieren diese Gruppen gegen den Betrieb von Reptilienbörsen – und das in vielen Kommunen sehr erfolgreich. Hauptargument ist die Tierquälerei beim Angebot auf den Börsen. Als weiteres Argument folgt umgehend, dass Tiere an unerfahrene Halter abgegeben werden und von diesen Tieren ein für die Öffentlichkeit erhebliches Gefahrenpotential ausgeht. Die Diskussionen sind hinlänglich bekannt, das Mittel funktioniert.
Tätowierte und gepiercte Freaks werden als Käufer von Riesenschlangen, Vogelspinnen und Skorpionen vorgeführt. Menschen, deren Äußeres per se einigen Mitmenschen als bedrohlich erscheint, werden gezielt in den Vordergrund gestellt. Das weckt beim Durchschnittsbürger eine weitere diffuse Angst.

– Ausgesetzte und entlaufene Tiere sind das gefundene Fressen für die Boulevard-Medien: Da werden Supermärkte tagelang geschlossen, weil eine giftige Spinne zwischen den Bananen herumgekrabbelt ist, Feuerwehreinheiten losgeschickt, weil eine Schlange in einem Lichtschacht liegt und tagelang Gewächshäuser in Botanischen Gärten von Tieren entvölkert, weil verantwortungslose Halter ihre Schildkröten, Barsche, Stabheuschrecken etc. entsorgt haben. Auch hier funktioniert das „pars per toto“: Der Einzelne steht für das Ganze, die schwarzen Schafe verunglimpfen alle Halter. 500 vor die Tür gestellte Kaninchen, die ein Tierheim nach Ostern bevölkern, sind kaum noch eine Meldung wert. 50 beschlagnahmte Kornnattern in einem Privathaushalt hingegen schon. Schuld für diese Bedrohung des geregelten Lebensablaufs sind natürlich wieder die Reptilienhalter.

Jetzt soll die gesamte Wildtierhaltung verboten werden.
Ein Wildtierhaltungsverbot träfe auch die Aquaristik.

Der Wind, der allen Reptilienhaltern entgegen bläst, ist rauer geworden. Dabei sind sie nur das erste der ausgemachten Zielobjekte (s. dazu Beitrag von Ricarda Schramm in dieser Ausgabe). Mit der Forderung des deutschen Tierschutzbundes, ein generelles Haltungsverbot für Exoten gesetzlich zu verankern, ist die Katze aus dem Sack.
Eine Forderung allein macht noch kein Gesetz. Diese werden in Deutschland von den Abgeordneten der Parlamente beschlossen. Allerdings sind Politiker bekanntlich sehr sensibel für allgemein akzeptierte, mehrheitsfähige Forderungen, die ihnen Image bringen und wenig kosten. Auch wenn der Tierschutz angesichts der aktuellen politischen Probleme sicherlich unter „ferner liefen“ rangiert, darf man sich nicht täuschen…
Wenn es so ausschaut, als würde sich eine Mehrheit mit den Forderungen des Tierschutzbundes einverstanden erklären, kann ein Gesetzesentwurf schnell vorgelegt und umgesetzt werden; schon darum, damit die Politiker zeigen können, sie handelten schnell und kommen den Wünschen der Bürger nach; oder damit hier kein weiterer Handlungsbedarf besteht. Das Thema ist dann abgearbeitet.
Und während die Exotenhalter sich zum Teil in Schockstarre befinden oder biedermännisch abwinken, das beträfe sie ja gar nicht und das sei auch gar nicht umsetzbar, schleppen die Tierschutzbündler und ihre Gesinnungsgenossen ein Brandfass nach dem anderen in unsere Häuser. Und wir selbst werden ihnen am Ende noch das Streichholz reichen.
Dass gerade die Reptilien-, Amphibien-, Spinnen- und Skorpionhalter als Buhmänner herhalten müssen, verwundert nicht. Diese Tierarten (alles Wildtiere) haben nun mal die geringste Akzeptanz in der Bevölkerung, im Gegenteil: Sie haben – Schildkröten einmal außen vorgelassen – das größte Ekelpotenzial.

Schildkrötenhaltung könnte auch verboten werden.

Gleichzeitig ist die Gruppe der Terrarianer die kleinste, und zu allem Überfluss, diejenige, die vielleicht neben den Haltern von Kampfhunden am wenigsten den bürgerlichen Klischees entspricht – auch hier die Schildkrötenhalter einmal außen vor gelassen. Wenn schon nicht mit offener Ablehnung, dann muss der Wildtierhalter doch mit viel Unverständnis rechnen („Das muss doch nun wirklich nicht sein…“, „Man kann sich ja auch mal einschränken“, „Wozu muss der denn diese Viecher auch noch…“). Das kennen alle, die neben den allgemein akzeptierten Schildkröten noch ein paar andere Reptilien im Haus haben.
In den einschlägigen Foren wird der Vorstoß des Tierschutzbundes, uns die Haltung von Wildtieren zu verbieten, mehr oder weniger intensiv diskutiert – leider oft gepaart mit einer gewissen Hilflosigkeit oder „Vogel Strauß“-Attitüde.
Mag sein, dass es nicht so schlimm kommen wird. Mag sein, dass ein solches Gesetz an der Praktikabilität scheitert, wohin schließlich mit den Tieren, und was ist mit dem Wirtschaftsfaktor? Dennoch bereiten der Deutsche Tierschutzbund, ProWildlife, Peta, die Deutsche Tierhilfe und viele andere den Boden dafür vor – und das mit bemerkenswert geringem Widerstand der Betroffenen.
Nach wie vor spenden Exotenhalter, denen ein solches Gesetz die Haltung ihrer Tiere verbieten würde, Geld an Vereine, die ihnen eines ihrer liebsten Hobbies nehmen wollen. Wie absurd. Käme jemand auf die Idee, einer Organisation, die das Autofahren verbieten oder zumindest radikal einschränken möchte, Geld zu spenden, wenn er selbst ein Auto hat? Mitnichten. Der Vergleich hinkt nicht mal, denn er weist auf, was öffentliche Wahrnehmung bedeutet. Im Gegensatz zu den Tierhaltern ist die Autofahrerlobby riesig. Aber der Ruf nach umfangreichen Fahrverboten kommt immer wieder mal – allerdings ohne nennenswerte öffentliche Wahrnehmung.
Und genau hier liegt das Problem:
Es geht um die breitenwirksame öffentliche Wahrnehmung der Wildtierhalter. Sie zu diffamieren ist sehr einfach: Die schwarzen Schafe vorzuführen, Börsen anzuprangern, durch falsche Haltung todkranke Tiere, ausgesetzte (vor allem „gefährliche“ oder eklige) Tiere durch die Medien zu treiben… alles kein Problem. Ein dankbares Fressen für den „Boulevard“, denn in anderen Medien kommt das Thema kaum vor. (**)
Wildtierhalter können nicht darauf hoffen, dass die Gleichgültigkeit der breiten Bevölkerung anhalten wird. Zu wenige, die selbst Wildtiere halten, sehen sich hier überhaupt in der Kritik. Oder fühlt sich der nette verbeamtete Herr in den Mittfünfzigern aus der Eigentumswohnung unten links mit seinem Aquarium und seinen tropischen Welsen bedroht?
Die alte Dame mit ihren Nymphensittichen?
Die Familie, die sich gerade Weißbauchigel gekauft hat?
Nicht mal das Gros der Schildkrötenhalter fühlt sich als Zielscheibe. Was also kann uns da schon passieren? Welch Kurzsichtigkeit.

Schildkröten sind nun mal Wildtiere und sie sind Reptilien.
Ein Gesetz, dass die Haltung von Wildtieren untersagt, träfe uns alle. Und selbst wenn es auf Reptilien und Amphibien beschränkt bliebe, hingen wir mit am Fliegenfänger.
Wachen wir endlich auf und zeigen wir, dass Wildtierhalter ganz normale Menschen sind.
Der Wildtierhalter ist nicht nur der gepiercte, durchtätowierte Typ, den gibt es auch. Aber der Wildtierhalter ist auch die nette, grundanständige Familie nebenan. Und da wohnen – hallo Herr Abgeordneter – immerhin vier Wählerstimmen…

Text und Bilder: Lutz Prauser

(*) Nicht selten werden dazu spezielle Presse- und Marketingagenturen beauftragt, deren Honorare über zuvor gesammelte Spendengelder finanziert werden.

Die letzte Alternative?

Man mag sich fragen, wie oft es persönliche Verbindungen zwischen Organisationen und den Agenturbetreibern gibt, wie seriös die Aufträge vergeben werden und wie korrekt die Honorarforderungen sind. Aber das ist ein anderes Thema.

(**) Hier geht es nicht um Medienschelte, die lokalen und regionalen Nachrichten (Zeitungen, Radio, Fernsehe, Online) werden aufs Trefflichste mit diesen Themen versorgt, die nun mal wesentlich höheres Konsumenteninteresse verursachen, als ein positiver Bericht über Normalhaltungszustände. Der ausgebüchste Python interessiert die Leser, die sich wohlig schauernd auf diese Artikel stürzen, nun mal mehr, als hinter Glas gehaltene Frösche.

2 Kommentare


  1. Ich bin gegen die Einführung eines Verbots der Wildtierhaltung.
    Die Beschäfftigung mit Tieren, wie sie in der Natur vorkommen, ist eine Beschäfftigung mit der Schöpfung. Sie erfordert viel Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewußtsein. Hälterungsfehler werden sofort mit Unwohlsein oder schlimmerem quittiet. Es spricht also doch alles dafür, dass soviele gesunde und prächtige Exoten in deutschen Haushalten leben. Für wieviele alte Menschen ist das Haustier, egal ob domsetiziert oder wild, der letzte treue Kumpel der einem zur Seite steht.


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