SPD positioniert sich gegen Wildtierhaltung – Die DGHT widerspricht

Bei sachkundiger Pflege können Schildkröten in Menschenhand sehr alt werden.

In einem Antrag an den Deutschen Bundestag setzt sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands für ein Ende der Wildtierhaltung in Deutschland ein. Der Import von Reptilien und Amphibien soll laut Drucksache 17/12386 vom 19. Februar 2013 gänzlich verboten werden. Das Positionspapier nutzt diverse Vorwände, um ein Importverbot zu rechtfertigen, wie bspw. eine hochstilisierte Infektionsgefahr durch Exoten.
Fakt dagegen ist, dass nur bei unsachgemäßem Umgang mit Terrarientieren Infektionserreger übertragbar sind. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat dagegen schon im vergangenen Jahr eine entsprechende Aufklärungskampagne initiiert. Befremdlich mutet auch an, dass die Gefahr ausgesetzter Tiere, welche zu einer sogenannten Faunenverfälschung führen kann, für Mitteleuropa erheblich übersteigert dargestellt wird und als vermeintliche Grundlage für ein innergemeinschaftliches Handelsverbot bemüht wird.
Gerade hier weisen Untersuchungen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nach, dass wirbellose Tiere (Spinnen, Insekten, Weichtiere und Wurmarten) den mit Abstand größten Anteil der tierischen Neubürger darstellen, sich z. B. aus der Gruppe von Amphibien und Reptilien nur eine einzige Art in Deutschland etablieren konnte. Aus menschlicher Haltung entwichene Tiere stellen als Faunenverfälscher eine verschwindend geringe Gefahr im Verhältnis zu den selbstständig neu eingewanderten bzw. durch den Warentransport eingeschleppten Arten dar.
Die SPD möchte weiterhin sämtliche Terraristikbörsen in Deutschland verbieten.
Gerade auf Terraristikbörsen bieten viele private Tierhalter und erfolgreiche Züchter dieser Tiergruppen ihre mit Sachkunde vermehrten Nachzuchten an. Diese Tiere sind in der Regel viel gesünder, weniger gestresst und somit unproblematischer zu pflegen als Tiere aus unbekannter Herkunft.
Abgesehen von einem kompletten Bruch mit der Tradition dieser Volkspartei, die sich stets als Anwalt der Freizeitaktivitäten des kleinen Mannes gesehen hat (man denke nur an die Brieftaubenzüchter im Ruhrgebiet), muten diese Forderungen auch juristisch problematisch an:

Terraristik muss auch weiterhin möglich sein.

Die SPD schränkt auf diese Weise das Grundrecht auf freie Selbstbestimmung nachhaltig ein und setzt sich über bestehendes Artenschutz- und Tierschutzrecht hinweg.
Wie dies schon vielfach von sogenannten Tierrechtsverbänden propagiert wurde, versucht sich die SPD nun offenbar auf einem Sektor zu profilieren, auf dem mit fundierten Richtigstellungen und Gegendarstellungen nicht gerechnet wird. Die vollkommen einseitige Darstellung verkennt dabei völlig die positiven Aspekte der Exotenhaltung, wie die erfolgreiche Durchführung von arterhaltenden Nachzuchtprogrammen in Menschenobhut und die Heranführung und Begeisterung von Kindern und Jugendlichen an den Naturschutz. Vielmehr polemisiert und diffamiert die Darstellung die über 6.700 Mitglieder der DGHT, sowie weitere Tausende von Exotenliebhabern zu Tierquälern und -verbrauchern und bemüht irrationale Ängste und Befindlichkeiten gegen diese Tiergruppen in der Bevölkerung.
Peter Buchert, Präsident der DGHT: „Wir fordern alle demokratisch agierenden Kräfte auf, zu einem entschiedenen, scharfen Protest gegen diese willkürlichen, wirklichkeitsfernen und rein auf Stimmenfang ausgerichteten Angriffe auf die Tierhaltung in Europa! Wir fordern die SPD auf, derartige Ziele zu überdenken und sich kritisch mit den positiven Argumenten und Fakten, welche nicht auf Mutmaßungen und Unterstellungen basieren, zu befassen. Unterschätzen Sie nicht die Folgen von Beschränkungen von Millionen Tierhalterinnen und -haltern! Missstände bei der Tierhaltung bzw. auf Börsen allerdings müssen rigoros bekämpft werden!
Für diese Anliegen steht die DGHT mit Rat und Tat zur Seite, bei stumpfen Verbotsforderungen von Parteien oder fanatischen Tierrechtlern sagt sie sehr deutlich: Nein!“

Wenn Sie diese Pressemeldung herunterladen und weiter verteilen wollen, finden Sie hier den Link:PM SPD positioniert sich gegen Wildtierhaltung

Quelle: Text und Bild entstammen einer Pressemeldung der dght. Fotos: Beat Akeret und Lutz Prauser.

6 Kommentare


  1. „Es geht vielmehr darum, sich künftig auf diejenigen Exoten zu beschränken, die bereits heute im Lande sind und nachgezogen werden können.“

    Was den Grundstein der Terraritik auslöschen und für viele „neue“ Arten, bei denen die Erhaltungszuchten gerade anlaufen, das sichere Aussterben bedeuten würde. Somit ist auch dieses Vorgehen der SPD natürlich scharf zu kritisieren. Immerhin gab es inzwischen weiterführende Diskussionen und die SPD scheint erkant zu haben, dass das Thema sehr viel komplexer ist als angenommen und die Wildtierhaltung nicht mal eben schnell abgefrühstückt werden kann.


  2. Hallo Anna,

    >> Wenn ich mir den Antrag durchlese, finde ich den nicht so schlimm wie durch die DGHT dargestellt.

    Auf genau diese Diskrepanz zwischen der Stellungnahme der DGHT und dem eigentlichen Antrag wollte ich hinweisen. Ein generelles Verbot der Reptilienhaltung wird dort nämlich mit keinem Wort gefordert. Es geht vielmehr darum, sich künftig auf diejenigen Exoten zu beschränken, die bereits heute im Lande sind und nachgezogen werden können. Es sollen also bloß keine neuen Naturentnahmen importiert werden dürfen. Lediglich einige für die heimische Fauna ggfs. schädliche Tierarten sollen auch in der Haltung beschränkt werden. Das ist ja auch derzeit schon bei Schnappschildkröten der Fall.

    Allerdings wird schon ein generelles Verbot des Verkaufes von Reptilien über Tierbörsen gefordert. Sie gelten ja als Wildtiere, auch wenn der Ausdruck eigentlich falsch ist. Unsere Nachzuchten sind keine Wildtiere, sondern bislang noch wenig domestizierte Vertreter wildlebender Arten.

    Die Umfrage findest du unter folgendem Link:

    http://www.schildkroetenforum.com/herpetologie-und-terraristik-f27/exotenhaltung-soll-reglementiert-werden-spd-progra-t43054.html#p395497

    Grüßle, Editha


  3. Wenn ich mir den Antrag durchlese, finde ich den nicht so schlimm wie durch die DGHT dargestellt.

    Da steht doch nicht konkret drin dass man die Exotenhaltung verbieten will. Man verlangt nach Regelungen. Das ist doch so auch richtig.

    Tierbörsen sollen auch nicht konkret verboten werden, man verlangt strengere Auflagen für den Tierschutz und das Verbot über den Verkauf von Wildtieren. Jetzt müsste man halt wissen, wie „Wildtier“ hier zu verstehen ist.

    Editha, wo finde ich die Umfrage? Würde mich gerne beteiligen :-)

    Grüße,
    Anna


  4. Hi,

    ich empfinde die Stellungnahme der DGHT als polemisch, in Punkten falsch und daher wenig sachdienlich. Liest man den tatsächlichen Antrag durch, werden vermutlich viele Reptilienhalter mehr Punkte finden, die sie teilen als solche die sie ablehnen:

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/123/1712386.pdf

    Das macht die Stellungnahme der DGHT in meinen Augen kontraproduktiv. Würde tatsächlich eine Mehrheit der Wildtierhalter die meisten Punkte für gut befinden, dann wird die allgemeine Bevökerung überhaupt kein Verstandnis mehr für die Reaktion der DGHT haben.

    Da meines Wissens in der DGHT nicht ermittelt wurde, was Reptilienhalter wirklich denken, habe ich auf http://www.Schildkroetenforum.com eine Umfrage gestartet, in der man abstimmen kann, welche Punkte des SPD-Antrages man teilt und welche man ablehnt. Ich bin gespannt auf das Ergebnis!

    Gruß, Editha


  5. Also viel bleibt dazu nicht zu sagen. Gänzliche Verbote fördern bekanntermaßen nur die Kriminalität. Lieber vernünftig, kontrolliert handeln. Negativbeispiele gibt es in jeder Sparte und ich, als jemand der bereits auf Terrarienbörsen angeboten hat muss sagen, es wird einem sowohl durch Veranstalter als auch durch diverse Behörden ordentlich auf die Finger geschaut. Auch für die Veranstalter bedeuten diese Messen einen nicht unerheblichen finanziellen Gewinn welchen man sicher nicht verlieren möchten durch wenige „schwarze Schafe“.

    Was das Verbot der Haltung angeht. Eins meiner Lieblingsbeispiele ist die San-Francisco Strumpfbandnatter welche ein relativ einfach zu vermehrender, jedoch seltener Pflegling ist. In den USA wurde aufgrund der seltheit die Haltung gänzlich verboten um die Tiere vor entnahmen aus der Natur zu schützen. Die wenigen Zoos in den USA haben die Nachzucht mangels interesse an Nachzuchten eingestellt und was passiert innerhalb weniger Jahre, die Wildpopulation geht nahezu ein und es gibt keine Reserven in den USA. Wer muss einspringen, liefert Tiere an den San-Francisco Zoo (von denen meines wissens schon welche ausgewildert wurden)? Deutsche PRIVATE Züchter! Ich meine sogar aus dem Ruhrgebiet!

    Zu den Börsen muss ich sagen, ein weit verbreitetes Tier wie eine griechische Landschildkröte bekomm ich bei 100 Züchtern bei uns im Umkreis von 20 km. Suche ich jedoch einen bestimmten Königspython, eine seltene UA der Strumpfbandnatter oder oder oder, da bin ich froh, dass es gut geführte Terrarienbörsen gibt bei denen interantionales Publikum unter Aufsicht Nachzuchten und WISSEN austauschen kann.


  6. Gerade heute früh habe ich gelesen, dass die lokale SPD in Duisburg gegen die Schließung des Delfinariums ist. Vielleicht sollte man sich erst einmal überlegen ob man nun für oder gegen Tierschutz in der Partei ist…? Die Schließung wäre doch durchaus angebracht!

    Ich bin Tierschützerin und habe trotzdem griechische Landschildkröten. Das geht. Komisch, oder? Wenn man artgerecht und verantwortungsvoll hält, ist es kein Problem wie ich finde!

    Ich finde aber schon, dass es Handlungsbedarf gibt. Es werden genug Exoten falsch gehalten und müssen ein schlimmes Leben führen. Ich denke jeder von uns kennt die Ausmaße einer ganzjährigen Griechenhaltung im Terrarium ohne Winterschlaf und mit falschem Futter… In den Kleinanzeigen kann man massig Exoten kaufen, bei denen man an den Fotos schon erkennt was sie sonst für ein Leben geführt haben müssen.

    Generelles Haltungsverbot finde ich allerdings total daneben! Dass man den Import stoppt, das wäre doch eine Lösung die denkbar ist. Das würde auch den Schwung an Wasserschildkröten etwas hemmen. Vielleicht wäre auch der Verbot des Verkaufs in Zoohandlungen denkbar? Denn dort werden die Tiere nicht wirklich toll gehalten. Fachkundige Beratung ist auch hier eher Mangelware.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich auch kein Freund von Tierbörsen bin. Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass es nicht nur seriöse Züchter sind, die ihre Tiere da verkaufen. Denen ist es vollkommen schnuppe wer die Tiere kauft. Hauptsache sie sind weg. Ich denke als seriöser Züchter kriegt man auch ohne Börse seine Tiere an einen seriösen Halter. Aber da kann man ja auch andere Erfahrungen gemacht haben.

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