Das Frühjahr steht vor der Tür – Zeit für ein paar Tipps für die Wildkräuter-Kultur

Viele Schildkröten-Halter säen inzwischen in ihren Gehegen Wildkräuter als Futterpflanzen für ihre Pfleglinge aus, die entsprechenden Samen findet man in spezialisierten Shops im Internet.

Allerdings wird immer wieder von zu geringem Keimungs-Erfolg oder kümmernden Jungpflanzen berichtet. Viele dieser Probleme entstehen aus Unkenntnis über die Bedürfnisse der Wildpflanzen, über deren Keimverhalten oder durch mangelhafte Beschreibungen beim Erwerb der Samen.

Deshalb soll dieser Artikel etwas zum besseren Verständnis beitragen – denn Wildkräuter und deren Samen haben andere Bedürfnisse als Kulturpflanzen.

Betrachten wir zunächst einmal Wildwiesen in der Natur:

Wildwiese

Wildwiesen mit hoher Artenvielfalt gedeihen in der Natur nur dort, wo der Mensch möglichst wenig eingreift, nicht gedüngt und höchstens ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird.

Auf einer solchen Magerwiese wachsen bis über 100 Pflanzen-Arten, dagegen findet man in einer gedüngten Fettweise nur ca. 25 verschiedene Arten.

Keine Wildwiese gleicht der anderen, sie werden in über 300 verschiedene Wiesentypen eingeteilt, abhängig von Bodenbeschaffenheit, Lage, Klima usw..

Auch an demselben Standort verändert sich die Artenzusammensetzung von Jahr zu Jahr.

Wie kann im Gehege eine Wildwiese angelegt werden?

Grundsätzlich sollten Wildkräutersamen nicht in bestehende Wiesen oder Grasflächen eingesät werden, auch nicht nach vorherigem Aufrauen der Oberfläche. Denn dadurch erfolgt ein vermehrter Graswuchs, der das Keimen und Wachsen der Wildkräuter hemmt.

Folgende Möglichkeiten zur Vorbereitung der Fläche haben sich bewährt:

1. Die gesamte Rasenfläche durch Umgraben oder Fräsen entfernen und die Wurzeln möglichst völlig herauslesen.

2. An eher dünn mit Gras bewachsenen Stellen dieses ganz entfernen und Inseln anlegen. Diese „Inseln“ sollten möglichst eine Größe von mindestens 1m² haben. Ein unregelmäßiger, kurviger Rand sorgt für mehr Umfang, dort können sich die Wildkräuter im Idealfall mit der Zeit in die Umgebung ausbreiten.

Einige der Inseln sollten immer wieder im Herbst gefräst und alljährlich neu eingesät werden, um die Arten-Vielfalt zu erhalten.

3. Alternativ können die Samen in Schalen und Kästen vorgezogen und dann die Jungpflanzen an Ort und Stelle ausgepflanzt werden.

Bereits ab Anfang Februar können Wildkräuter-Samen in spezieller Aussaaterde in Kästen und Schalen ausgesät und im Haus auf der Fensterbank vorgezogen werden.

Hier kann man durch Abdecken mit Frischhaltefolie oder dünn mit feuchtem Vermiculit die für die Keimung notwendige Feuchtigkeit erhalten. Dabei ist aber Staunässe zu vermeiden.

Standort- und Aussaat-Ansprüche der Wildkräuter berücksichtigen:

Wie bereits weiter oben erwähnt, gedeihen artenreiche Wildwiesen nur auf mageren, nährstoffarmen und möglichst ph-neutralen bis leicht basischen (Kalk-)Böden. Im Bedarfsfall sollten deshalb die vorgesehenen Böden durch Einbringen von Sand oder Schotter abgemagert und zu saure Böden mit Kalk neutralisiert werden.

Wichtig ist, je nach Standort, Sonnenscheindauer und Feuchtigkeit entsprechend geeignete Pflanzenarten auszuwählen, damit diese optimal gedeihen können.

Die Aussaatmenge beträgt etwa 1-2 g/m². Da viele der wilden Samen sehr fein sind, hat sich die Mischung mit einem Saathelfer zur besseren Dosierung bewährt, damit die Saat nicht zu dick ausgebracht wird. Hierzu wird z. B. feiner Quarzsand, Vermiculit oder ein spezieller Saathelfer auf Getreidebasis verwendet. Dabei hält das Vermiculit auch noch sehr gut die Feuchtigkeit, die zur Keimung benötigt wird.

Die Wildpflanzen-Samen werden nicht, wie bei Kulturpflanzen üblich, 0,5 bis 1 cm unter die Erde gebracht, sondern entweder nur offenliegend auf der angerauten Erde angedrückt oder höchstens bis Samendicke dünn mit lockerer Erde bestreut und dann leicht festgedrückt, denn die meisten dieser wilden Pflanzen sind Lichtkeimer.

Nach der Aussaat gut anfeuchten und 5-6 Wochen feucht halten, nicht austrocknen lassen. Beim Gießen darauf achten, dass nicht zu heftig gewässert wird, damit die Samen nicht wegschwemmen. Eventuell nur mit einer Blumenspritze bis zur Keimung befeuchten.

Keimung:

Ein weiterer Unterschied zwischen Samen von Wildkräutern und von Kulturpflanzen besteht darin, dass nicht alle „Wilden“ schnell innerhalb weniger Tage keimen.

Sämlinge

Viele einjährige Wildpflanzen keimen meist rasch und ohne Probleme und blühen im ersten Jahr. Die meisten der Wildkräuter sind jedoch mehrjährig oder ausdauernd. Diese benötigen oft zur Keimung Wochen oder Monate, andere erscheinen erst nach dem Winter, im nächsten Frühjahr (Kühlkeimer). Eine Blüte wird hier oft erst nach Jahren gebildet.

Grundsätzlich keimen Wildpflanzen meist viel unregelmäßiger, mit unterschiedlicher Keimdauer bei derselben Art, und mit einer niedrigeren Keimrate (oft nur 40-60%) als ihre kultivierten Verwandten. Dies ist biologisch sinnvoll, es dient dazu sicherzustellen, dass noch Samen zur späteren Keimung zur Verfügung stehen, auch wenn die ersten Keimlinge auf Grund ungünstiger Witterungsverhältnisse sich nicht entwickeln konnten.

Deshalb nicht zu schnell die Hoffnung aufgeben und enttäuscht die Erde aus Schalen und Kästen entsorgen, sondern weiter feucht halten.

Es braucht Geduld – bis eine stabile, artenreiche Wildwiese entsteht, vergehen oft 3-5 Jahre.

Mähen:

Wiesen müssen gemäht werden, sonst verarmen sie und das Gras gewinnt immer mehr die Oberhand.

Die erste Mahd erfolgt erst im Jahr nach der Aussaat. Der beste Zeitpunkt ist nach dem Abblühen der Margeriten und der Einjährigen, wie Klatschmohn und Kornblumen, etwa Juni/Juli, nicht später jedoch als August, damit die nachfolgenden Stauden nicht unterdrückt werden. In den Folgejahren dann im Juli/Anfang August. Wenn nötig kann eine zweite Mahd kurz vor dem ersten Frost erfolgen.

Ausgesprochene Magerwiesen benötigen nur eine einmalige Mahd.

Wichtig: Das Heu zunächst ein paar Tage bis eine Woche liegen lassen, damit die Samen noch ausfallen können, danach sollte es entfernt werden, damit weitere Pflanzen nicht an der Entwicklung gehindert werden.

Auch das unterschiedliche Keimverhalten der einzelnen Wildpflanzen-Arten muss berücksichtigt werden:

Normalkeimer (NK)  ►  keimen in der Regel schnell und problemlos innerhalb weniger Tage bei Temperaturen von 15 – 20°C. Können vom Frühjahr, wenn der Boden überwiegend frostfrei ist, bis in den Spätherbst gesät werden (III/IV bis VIII/IX).

Beispiele: Acker-Senf, Gänse-Distel, Klatsch-Mohn, Knoblauchsrauke

Diese Normalkeimer kann man auch in Schalen und Kästen aussäen und danach ins Freiland aussetzen.

Kühlkeimer  (KK)   ►  das sind Wildpflanzen, deren Samen einen Kältereiz brauchen, um eine Keimhemmung zu überwinden (Stratifikation). Dadurch wird verhindert, dass die Samen bereits versehentlich im Herbst keimen.

Die Samen müssen auf feuchter Aussaaterde im Freiland oder in feuchtem Sand im Kühlschrank für 4 – 6 Wochen bei 5°C gelagert werden. Danach keimen sie bei Temperaturen von 10 – 15°C.

Aussaatzeit für diese Samen ist idealerweise das zeitige Frühjahr (III bis IV).

Beispiele: Echter Eibisch, Rote Lichtnelke, Mauretanische Malve, Moschus-Malve, Wilde Möhre

Kaltkeimer (KaK)   ►  veraltete Bezeichnung auch Frostkeimer, ein eher seltener Keimtyp. Diese Samen benötigen 3 unterschiedliche Keimphasen zur Stratifikation (Überwindung der Samenruhe durch Kälte): Zunächst eine wärmere Keimphase im Spätherbst bei 10 – 15°C, danach eine kalte Phase im Winter und am Ende nochmals eine wärmere Phase bei 10 – 15°C. Auch hier kann man versuchen die 2. Phase durch Kühlschranklagerung zu simulieren, was aber bei KaK nicht immer zum Erfolg führt.

Erst in der letzten Phase beginnt die eigentliche Keimung, dennoch sollte während der gesamten Zeit auf ausreichend feuchte Erde geachtet werden. Meist sind diese KaK auch gleichzeitig DK.

Beispiele: Bärlauch, Frauenmantel, Klappertopf, Kletten-Labkraut, Wiesen-Storchschnabel

Dunkelkeimer (DK)   ►  sind oft Pflanzen mit großen Samen. Sie werden bei der Aussaat mit etwa dem Doppelten der Samendicke an Erde bedeckt.

Beispiele: Gemeine Ochsenzunge, Gemüse-Malve, Kapuzinerkresse, Mauretanische Malve, Moschus-Malve, Platterbse, Stockrose, Wildes Stiefmütterchen

Lichtkeimer (LK)   ►  diese Samen brauchen neben der richtigen Temperatur, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit auch Licht, um zu keimen. Deshalb werden sie nur auf leicht aufgeraute Erde gesät und angedrückt oder allerhöchstens mit feiner Erde in Samendicke bedeckt.

Beispiele: Die allermeisten Wildpflanzen sind Lichtkeimer.

Bleibt nur noch, Ihnen viel Erfolg und Freude beim Aussäen und Kultivieren Ihrer Wildwiese zu wünschen.

Guten Appetit

 Text und Fotos: Ricarda Schramm. Alle Rechte bei der Autorin

Literatur und Quellen:

SCHRAMM, R. (2010): Landschildkröten-Futterpflanzen. Tartaruga-Verlag, Niddatal
www.tartaruga-verlag.de

Wikipedia

 

Bezugsquellen:

Samen:

www.schildkroeten-wildkraeuter.de

www.sunshine-seeds.de

 

 

 

1 Kommentar


  1. Mal wieder ein sehr informativer Beitrag. Den werden wir sicher sehr oft in den Gruppen bei FB posten.
    Danke.

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