Besondere Gehegepflanzen (11) – Zwerg- und Krüppelkiefern

Auch wenn es zu einem ehernen Prinzip vieler Halter Europäischer Landschildkröten gehört, ihr Gehege so natur- bzw. habitatnah zu gestalten wie möglich, stoßen wir mit diesem Ansatz doch immer wieder an unsere Grenzen. Die Bedingungen des Mittelmeerraumes lassen sich nicht 1:1 auf unsere Breitengrade übertragen, und so sind wir, was die Haltung der Tire angeht, auf allerlei Hilfsmittel angewiesen. Das gilt natürlich nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Pflanzen. Hin und wieder – so scheint es mir – ist es da sinnvoller, auf die eine oder andere mediterrane Pflanzenart zu verzichten und sie durch artverwandte, robustere Arten zu ersetzen.

Krüppelkiefer im Sommer in meinem Gehege.

So gehören Zwergkiefern (Pinus pumila) nun nicht gerade zu den typischen Habitatpflanzen mediterraner Schildkrötenarten.  Ihr usprüngliches Verbreitungsgebiet liegt im Nordosten Sibiriens über die russische Halbinsel Kamtschatka bis nach Japan. Aber gerade dieses Verbreitungsgebiet macht diese kleinwüchsigen Nadelgewächse zu einer interessanten Gehegepflanze für uns. Auch die heimischen Latschen- oder Krüppelkiefern (Pinus mugo) und ihre Unterart, die Kriechföhre (Pinus mugo pumillo) sind keine typischen Habitatpflanzen, man kennt sie eher aus dem Alpenvorland bis hinein ins Hochgebirge. Aber auch diese Art ist als Gehegepflanze bestens geeignet.
Beide Arten haben eine Reihe unschätzbarer Vorteile gegenüber mediterranen Pflanzen, allen voran natürlich ihre Robustheit. Da in unseren Breitengraden Gehege im Winter hin und wieder unter einer dicken Schneedecke liegen, muss sich die Auswahl unserer Gehegepflanzen eben zuallererst an unseren klimatischen Verhältnissen orientieren. Natürlich hat man die Alternative, jedes Jahr auf’s Neue Gehege mit mediterranen Kräutern zu bepflanzen, die unsere Winter nur selten überstehen (z.B. pflanze ich jedes Jahr Rosmarin neu), dennoch sollte schon allein aus finanziellen Erwägungen heraus ein Teil des Bewuchses winterhart sein.
Aus diesem Grund habe ich einige Zwerg- und Krüppelkiefern gekauft. Man bekommt sie für einen relativ geringen Preis in jedem Baumarkt mit Gartenabteilung, Gartencenter oder Friedhofsgärtnerei. Denn gerade als Grabschmuck sind diese Pflanzen sehr beliebt.
Entscheidend war für mich, dass diese Pflanzen – wie bereits erwähnt – den kalten Wintern trotzen und ganzjährig grün sind. Schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Schildkröten aus ihrer Winterstarre erwacht sind, finden sie Pflanzen im Gehege, die Blickachsen unterbrechen und hinter oder unter denen sich die Tiere voreinander  zurückziehen können. Vor allem für meine Weibchen ist das notwendig, denn das Männchen im Gehege beginnt sehr schnell nach der Winterstarre, die Weibchen zu bedrängen. Kiefern bieten (wie die bereits hier vorgestellten Seggen) die Möglichkeit, sich zu verstecken oder zurückzuziehen. Lange bevor ich neue Rosmarinbüsche einpflanzen kann, ohne Angst zu haben, dass ein später Nachtfrost diese schädigt, lange bevor Lavendel und wilder Majoran neu ausgetrieben und ein halbwegs blickdichtes Blattwerk gebildet haben, setzen Kiefern und Seggen erste grüne Akzente.

Winter im Gehege. Die Kiefer wird es überstehen, der dahinter stehende Rosmarin sicher nicht.

Wie der Name es bereits verrät, bleiben Zwergkiefern sehr klein und wachsen langsam. Ihre Wuchshöhe liegt zwischen 50 cm und 2 Metern, letztere erreichen die Pflanzen aber nur, wenn man sie „halbe Ewigkeiten“ wachsen lässt.
Um zu verhindern, dass einem irgendwann die Kiefern über den Kopf wachsen, kann man die neuen Triebe (so genannte Kerzen) im späten Frühjahr kürzen. Empfehlungen über den richtigen Schnitt von Kiefern finden sich in nahezu jedem Gartenratgeber. Neue Kerzen bilden sich dann an den verbliebenen Nadeln aus, an denen sich wiederum neue kurze Äste bilden.
Auch vom Wasser- und Nährstoffhaushalt sind  Zwerg- und Krüppelkiefern ideale Gehegepflanzen. Sie bevorzugen sonnige Plätze, benötigen wenig Gießwasser, idealerweise einen leicht feuchten Boden, wie es bei uns eigentlich normal ist. An trockenen, heißen Sommertagen gieße ich abends die  Kiefern (wie auch die anderen Gehegepflanzen) regelmäßig und zwar von oben, so dass sie vollständig nass werden.  Damit spüle ich den Staub von den Nadeln, was wiederum für die Schildkröten einen gewissen Vorteil hat: Meine Tiere kriechen oft und gern unter die Pflanzen und unter ihnen hindurch, natürlich auch unter den mediterranen Kräutern und den Nadelgewächsen. Dadurch werden die Schildkröten-Panzer automatisch in geringen Mengen mit den ätherischen Öle der Blätter und der Nadeln gepflegt.
Beide Kiefernarten fühlen sich auch auf nährstoffarmen Böden wohl, das müssen sie auch, denn in meinem Gehege wird grundsätzlich nicht gedüngt. Den schweren Lehmboden versuche ich, mit viel Kalk abzumagern. Auch die regelmäßige Gehegekalkung kommt den Pflanzen sehr gelegen.
Krüppelkiefern wachsen ebenfalls sehr langsam, zudem sehr dicht. Sie werden etwa 80 cm hoch, gehen dafür umso mehr in die Breite, aber auch hier hilft ein  kräftiger Schnitt.
Konfieren und koniferenartige Gehölze gehören durchaus zu den typischen Habitatpflanzen, wenn sie auch nicht zu den typischen Macchia-Pflanzen gehören, sind sie doch überall im Mittelmeerraum im Verbreitungsgebiet der Landschildkröten zu finden.

Breitrandschildkröte in einem sardischen Kiefernwald

Gerade die nach verheerenden Waldbränden sehr sorgsam wieder aufgeforsteten Kiefernwälder im Limbara-Gebirge auf Sardinien bieten heute zahlreichen Breitrandschildkröten einen wertvollen und geschützten Lebensraum.
Dies lässt sich natürlich auch nicht im eigenen Gehege nachbauen. Aber meiner ganz persönlichen Meinung nach passen kleinwüchse Kieferngehölze perfekt in ein Schildkrötengehege – auch wenn die von mir gewählten Arten ihre ursprüngliche Heimat in Sibirien oder im Voralpenland haben.

Text und Bilder: Lutz Prauser

1 Kommentar


  1. ich habe einen teil auch dicht mit wegwarte bepflanzt, dies wird von meinen kleinen THH als versteck genützt und die blätter werden ja auch gerne gefressen. die tiere legen hier richtige gänge an und zusätzlich dienen „firstziegel“ zwischen den pflanzen als unterschlupf. sicher nicht für breitrandschildkröten so besonders geeignet, da diese wegen der größe und des gewichts schnell alles niederwalzen, heinz nather

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