Tierarzt zufrieden mit Schildkröten-Check im Meeresmuseum

Tierarzt Dr. Dieter Göbel (Mitte) – hier bei der Panzerpflege – brauchte viele helfende Hände bei der Untersuchung der Meeresschildkröten. (Foto: Deutsches Meeresmuseum)

Meeresschildkröte müsste man sein, zumindest im Stralsunder Meeresmuseum. Ein „Zimmer mit Ausblick“, Vollpension und Betreuung rund um die Uhr sind für die gepanzerten Reptilien inklusive. Nun stand der jährliche Gesundheits-Check durch den Rostocker Tierarzt Dr. Dieter Göbel auf dem Programm. Neben Panzerpflege, Ultraschall von Gelenken, Schilddrüse und Halsorganen sowie Untersuchung der Augen, wurden die fünf Tiere auch gewogen und vermessen. Dafür mussten die Schildkröten ihr 350 000-Liter-Aquarium verlassen und mit viel Muskelkraft und gutem Zureden von Tauchern und Aquarianern aus dem Becken gehievt werden. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Die erfreuliche Diagnose des Veterinärs: den Meeresschildkröten geht es prächtig, d. h. sie sind physisch und psychisch in bester Verfassung.
Zuerst ging es der Schildkrötenältesten „an den Panzer“: bei der 48jährigen weiblichen Unechten Karettschildkröte zeigt die Waage stolze 103 kg bei einer Rückenpanzerlänge von ca. 82 cm und einer Panzerbreite von ca. 63 cm. Per Ultraschall wurden sogar etwa 20 bis 30 Eier im so genannten Legedarm entdeckt, die jedoch unbefruchtet waren. Nach der medizinischen Routineuntersuchung folgte schließlich der angenehmere Teil für die geduldige Schildkrötendame. So wurden u. a. eine pflegende Desinfektion auf den Rückenpanzer aufgetragen und die Dehnungsfugen des Bauchpanzers mittels Salbe schön geschmeidig gemacht.
Nachdem die Unechte Karettschildkröte wieder im Aquarium war, wurde eine der zwei weiblichen Suppenschildkröten an den künstlichen Strand bugsiert. Das 1983 geschlüpfte Tier brachte es sogar auf gute 113 Kilogramm und bekam den Vermerk „leicht übergewichtig“. Ein bisschen Winterspeck haben die Meeresschildkröten durch die gute Verpflegung mit Fisch, Kalmar und Salat schon mal schnell „auf den Rippen“. Dafür ist die 30jährige Suppenschildkröte aber auch etwas größer als die erste Patientin – bei einer Rückenpanzerlänge von ca. 89 cm und einer Panzerbreite von knapp 74 cm. Anschließend wiederholte der Tierarzt die Prozedur bei einer weiteren Suppenschildkröte, einer weiblichen Echten Karettschildkröte sowie dem Unechten Karettschildkröten-Männchen. Auch hier sein Fazit: alles prima.
Wer übrigens einmal bei der kommentierten „Raubtierfütterung“ dabei sein möchte, sollte sich Montag, Mittwoch oder Freitag um 13:15 Uhr vor dem Schildkrötenaquarium im Bistrobereich des Meeresmuseums einfinden.

Text: Deutsches Meeresmuseum (DMM)

1 Kommentar


  1. Das liest man ja doch gerne!
    Ich habe ‚hautnah‘ Kontakt zu Meeresschildkröten in Pula/Kroatien gehabt. Dort gibt es im Aquarium eine Meeresschildkrötenauffangstation für verletzte Tiere, mit Wiederauswilderungsprogramm, alles sehr anschaulich dokumentiert. Die Tiere müssen zum Teil recht lang dort gepflegt werden bis sie ihre Verletzungen (Z.B. durch Schiffsschrauben), oft auch zusätzlich Viruserkrankungen überwunden haben. Es war für mich und die Schüler eines Biologie-Leistungskurses großartig, die Tiere aus der Nähe zu erleben. Pula mit Aquarium und Meeresschule ist für Kursfahrten absolut empfehlenswert.

Comments are closed.