Sepsis und Überwinterung – Teil 1

Im Mai startete Kurt Schaller – angeregt durch mehrere Diskussionen in Schildkrötenforen – eine Umfrage. Diesen Aufruf konnten Sie auf unserer Seite lesen. Vielleicht haben Sie auch an der Umfrage teilgenommen.  Ziel sollte es sein, der Antwort auf die Frage auf die Spur zu kommen, ob bei bestimmten Überwinterungsmethoden häufiger Erkrankungen auftreten. An diese Frage anschließen wird sich die Überlegung, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schildkrötenerkrankungen (z.B. Sepsis) und der Art der Vorbereitung und Durchführung der Winterstarrre gibt.
Kurt Schaller hat uns nun die Ergebnisse der Umfrage zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen hier nur die Zusammenfassung, bieten Ihnen aber gern an, sich den ersten Teil seiner Auswertungen – und später die weiteren Teile – herunterzuladen. Das vollständige Dokument finden Sie also unter dem unten angegebenen Link.

Von Kurt Schaller

Teil 1 Sepsis und Überwinterung
Zusammenfassung
Für die, die sich nur für die vorläufigen Ergebnisse interessieren, ohne in die die Tiefe der Zahlen einsteigen zu wollen, schreibe ich meine Schlussfolgerungen an den Anfang. Bei klarer Sachlage kann jeder die Zahlen im Folgenden überprüfen, bei Schlussfolgerungen die mir logisch erscheinen, schreibe ich von „mein Fazit“.

  1. Insgesamt wurden 262 vollständig ausgefüllte Fragebögen (Frb) und 72 unvollständige Frb abgegeben.
  2. Gesamt 334 Antworten. Da jeweils einige Fragen auch bei den unvollständig beantworteten Fragen bewertet werden konnten, gibt es immer wieder Abweichungen bei Summen oder Prozentzahlen.
  3. Bezüglich der Überwinterungsmethode konnten 297 Datensätze bewertet werden, dies entspricht 88,92%.
  4. Insgesamt wurde 39-mal eine Sepsis genannt, dies entspricht einem Prozentsatz 9,58%, bezogen auf die Anzahl der Fragebögen, bezogen auf die Gesamtzahl der Schildkröten sind das 0,95%.
  5. Es überwinterten im Kühlschrank 56.99%; im Freiland/FB/GW 24,63%; im Erdkeller/Garage Schuppen 24,63%; im Haus 1,84%; sonstige 1,10%.
  6. Bei Überwinterung im Kühlschrank wurde 22-mal eine Sepsis angegeben, entspricht 1,36% aller erfassten Tiere bei dieser Überwinterungsmethode; im Freiland/FB/GW 8 mal, entspricht 0,92%; im Erdkeller/Garage Schuppen 9 mal, entspricht o,88%; im Haus 0.
  7. Insgesamt verstarben 4 Schildkröten an der Sepsis, 1 davon wurde behandelt, bei den 3 übrigen wurde keine Behandlung durchgeführt.
  8. 2 der verstorbenen Tiere überwinterten im Kühlschrank, jeweils 1 im Freiland/GW/FB und 1 im Erdkeller.
  9. 22 mal wurde die Sepsis mit Antibiotika und anderen Maßnahmen behandelt.
  10. Insgesamt wurde nur 2-mal der Erreger bestimmt, NIE wurde die Antibiotikagabe dadurch verzögert.
  11. Die Sepsis wurde im Durchschnitt nach 8 und 12 Wochen bemerkt, wobei das Min bei 2 und das Max bei 20 Wochen lag.
  12. Es fällt auf, dass die Sepsistiere vermehrt im Haus und Terrarium/Übergangsgehege vorbereitet wurden!
  13. Die Dauer der Bestrahlung in der Vorbereitung hat keinen Einfluss auf die Entstehung einer Sepsis, auch ob überhaupt noch Wärme und Licht angeboten wurde, scheint keinen Einfluss zu haben.
  14. Bei den Gesunden wurde das Baden nur in 30% durchgeführt, 50 % der Sepsistiere wurden vor der Starre gebadet.
  15. Die Sepsistiere haben das Fressen im Durchschnitt 12,3 Tagen nach Beginn der Vorbereitung auf die Starre eingestellt, wenn ihnen noch Futter angeboten wurde. Dies war in 80% der Fall.
  16. Die Frage der Darmentleerung und Blasenentleerung kann leider nicht signifikant beantwortet werden. Die Tendenz ist aber, dass eine zu starke Entleerung eher nachteilig ist.
  17.  Sehr auffällig ist die Länge der Vorbereitung bei den Sepsistieren. Immerhin brauchten 32 % über 4 Wochen, bis sie überführt wurden, während dies bei den Gesunden nur knapp 10% waren.
  18. Bei den gesunden Tieren wurde 6-mal eine Verletzung gesehen, von offener Wunde bis Pilzbefall einer Panzernekrose. Bei den Sepsistieren wurde keine Wunde bemerkt. Die sollte aber nicht dazu verleiten, zu behaupten, Wunden hätten keinen Einfluss auf die Entstehung einer Sepsis, eigentlich ist eine Wunde mit einer lokalen Entzündung prädestiniert eine Sepsis auszulösen. Umso erstaunlicher ist dieses Ergebnis.
Welcome back… Foto: L. Prauser

Mein Fazit
Die Unterschiede zwischen den Überwinterungs-Methoden sind nicht sicher signifikant. Ich will im Moment nur einen Überblick erstellen, die statistische Prüfung werde ich zu gegebener Zeit durchführen.
Fakt ist, dass bei allen Überwinterungsmethoden sowohl eine Sepsis als auch eine andere Erkrankung auftreten kann.

Mein vorläufiges Fazit
Das Auftreten einer Sepsis in der Winterstarre muss sofort behandelt werden, vornehmlich mit Antibiotika und weiteren Maßnahmen, abhängig vom Zustand des Tieres. Die meisten nicht behandelten Tiere sind verstorben.
Das Überleben ist nicht abhängig von der Überwinterungsmethode, sondern von der Behandlung.
Um eine Sepsis rechtzeitig zu erkennen, sollte spätesten nach 8 Wochen eine Kontrolle erfolgen, wenn möglich bei allen Überwinterungsmethoden.
Die Kühlschranküberwinterung ist bei der frühzeitigen Erkennung einer Sepsis den anderen Methoden überlegen, weil eine Kontrolle deutlich einfacher durchgeführt werden kann.
Das Überleben hängt vom Schweregrad der Sepsis ab.

Mein Fazit
Übermäßiges Baden vor der Starre ist eher schädlich, Futter sollte bis zum Beginn der Starre angeboten werden, Licht und Wärme haben keinen Einfluss auf eine Sepsisentstehung, sollten aber auf alle Fälle gegeben werden. Die Dauer der Vorbereitung sollte 4 Wochen nicht überschreiten.

Hier finden Sie das vollständige Dokument zum Herunterladen:

Umfrageauswertung-V2

Ein zweiter Teil, der die Auswertung fortsetzt, ist in Vorbereitung.

Hinweis:

Die Rechte dieser Umfrage und Auswertung liegen komplett beim Autor  Kurt Schaller, jegliche Veröffentlichung, auch in Auszügen bedarf der vorherigen Genehmigung, durch den Autor.

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