Buchvorstellung: Ralf Czybulinski „Ein Rest Lebensraum“

Unbestritten hat sich in den vergangenen Jahren viel getan im Bereich der artgerechten und naturnahen Haltung von Schildkröten in Menschenhand.
Die Ursachen liegen darin, dass sich die Erfahrung und das Wissen der Halter deutlich erweitert haben. Nicht zuletzt haben aber der jahrelange Austausch und die Weitergabe von Wissen dazu geführt, dass sich die Haltungsbedingungen zumindest bei denjenigen deutlich verbessert haben, die sich mit der Thematik intensiv auseinandersetzen.
Zum A&O gehört es, nicht nur geeignete Bücher zu lesen, sondern auch das Wissen erfahrener Halter anzuzapfen und von deren Erfahrungen zu profitieren.
Darüber hinaus ist der Blick in die Ursprungshabitate schärfer geworden: Wie leben die Tiere dort, welche Bedingungen haben sie und wie kann man möglichst viel davon in der eigenen Haltung umsetzen?
Erfreulich viele Schildkrötenhalter stehen zur Verfügung, um ihre eigenen Erfahrungen, sowie ihre Eindrücke und Beobachtungen in den Ursprungshabitaten anderen Schildkrötenfreunden mitzuteilen. Dies geschieht über Vorträge, regelmäßige Treffen und über Publikationen. Letzteres ist besonders wertvoll, ein Buch lässt sich immer wieder zur Hand nehmen.
Ralf Czybulinski gehört zu den langjährigen und versierten Schildkrötenhaltern. Über viele Jahre hat er Griechische Landschildkröten gepflegt, bevor er sich vor drei Jahren von seinem Bestand trennte und in die Pflege südamerikanischer Köhlerschildkröten eingestiegen ist. Diesen Sommer hat der Bottroper im Eigenverlag zwei kleine Bücher publiziert, die wir Ihnen gern vorstellen möchten.

1. Ein Rest Lebensraum
Viele Schildkrötenhalter nutzen die Ferien und verbringen ihre Urlaube im Mittelmeerraum, besuchen Habitate und gehen dort auf Schildkrötensuche. Die Beobachtung der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum ist nicht immer möglich. Wenige Habitate, in denen sich heute Schildkröten finden lassen, sind primäre Lebensräume. Allzu oft sind diese Ursprungshabitate zerstört und die Schildkröten müssen notgedrungen mit sekundären Lebensräumen zurecht kommen. So darf man nicht vergessen, dass die dort beobachteten Lebensbedingungen den Schildkröten zwar “passen”, aber nicht zwingend optimal sind.
Alle zwei Jahre fährt Ralf Czybulinski nach Griechenland in die Nähe von Platamonas am Olymp. Während die anderen Mitglieder seiner Familie zwar die Schildkrötenbegeisterung toleriert, vergnügen sie sich aber lieber bei Sommer, Sonne, Strand und Meer. Derweil erwandert Ralf Czybulinski einen kleinen Hügel in der Nähe des Hotels – das Resthabitat einer Gruppe Breitrandschildkröten und Griechischer Landschildkröten. Schon diese Erfahrung, die Ralf Czybulinski beiläufig erwähnt, dürfte vielen Haltern bekannt sein. So mancher Schildkrötenfreund verrichtet seine Streifzüge durch die Habitate allein, froh, diese Zeit nur für sich und die Schildkröten zu haben, und dankbar, dass ihm seine Familie diese Freiräume gewährt..
In seinem Buch “Ein Rest Lebensraum” erzählt Ralf Czybulinski von diesen Streifzügen, die er in ein kleines, stark bedrohtes Paradies unternimmt. Die Landschaft ist längst von Straßen zerschnitten, die Autobahn, die gerade gebaut wird, rückt näher und näher. Aber noch gibt es einen Hügel, den er wieder und wieder besucht, um dort Schildkröten zu sehen.
An einem verregneten Sommertag in Bottrop träumt sich Czybulinski zurück in den gerade vergangenen Urlaub. Die Erinnerungen gleiten nach Süden und dort zurück in den Urlaub auf den Hügel von Platamonas. Und der Leser des Buches wandert förmlich mit.
Jeder, der einmal in einem Schildkrötenhabitat gewesen ist, kennt das, was Czybulinski schildert: Die ganz besondere Atmosphäre, die Gerüche der Sträucher, das Zirpen der Insekten, die schweißtreibende Hitze, der schweifende Blick und bei jeder Bewegung von ein paar vertrockneten Zweigen die Hoffnung, eine Schildkröte zu entdecken. Czybulinski erzählt von der Begeisterung bei jedem Tier, das er gefunden hat, von den vielen Fotos, die er geschossen hat, und manchmal kommt es ihm vor, als hätte er noch nie im Leben eine Schildkröte fotografiert. Auch diese Erfahrung teilt er mit allen Schildkrötenfreunden, die in der Natur unterwegs sind. Schnell sind ein paar hundert Bilder von Griechischen Landschildkröten und Breitrandschildkröten gemacht. Viele davon zeigt er auch in seinem Buch.
Ein Rest Lebensraum ist sehr persönliches Buch, weniger ein Ratgeber oder ein Sachbuch, wie denn nun die Schildkröten im Habitat leben. Es sind sehr unmittelbare, ungefilterte Eindrücke, Gedanken, Überlegungen und Empfindungen, die der Autor zu Papier gebracht hat. Das, was ihm durch den Kopf geht, wenn er allein den Gipfel des Hügels erwandert und sich dort auf die Suche macht, findet sich in diesem Bericht wider. Und es dürfte in etwa dem entsprechen, was auch andere Schildkrötenfreunde empfinden, wenn sie in den Habitaten unterwegs sind. Doch in diese kleine Liebeserklärung an einen Hügel und seine Bewohner mischt sich die Sorge, wie lange es dieses Paradies noch geben wird. Dennoch verzichtet Czybulinski auf flammende Appelle, Habitate zu erhalten, auf die altbekannten Anklagen gegen Tourismus, Industrie und Wirtschaft. Das macht das Lesen seines Buches umso angenehmer: “Es ist keine kritische Reportage über die Vernichtung des natürlichen Lebensraumes. Vielmehr geht es mir darum, die Schönheit der Tiere in den Vordergrund zu stellen.” gibt der Autor Auskunft.

Seinen Lesern gibt Ralf Czybulinski nicht nur Ratschläge mit für das richtige Verhalten im Habitat, er ermahnt sie gleichzeitig, sich immer wieder bewusst zu sein, wie man sich in der Natur – gleichgültig, ob geschützt oder nicht – zu benehmen hat. Viele dieser Empfehlungen scheinen dringend notwendig. Und er geht selbst – wie er schildert – mit gutem Beispiel voran. Er beschränkt sich darauf, Tiere vom Weg aus zu beobachten und zu fotografieren. Kein Tier wird hochgehoben, um es für ein Foto besonders zu arrangieren, kein Tier wird umgedreht, gewogen, gemessen, kartiert oder gar die Körpertemperatur gemessen, wie es viele Schildkrötenhalter auf ihren Exkursionen immer wieder tun, um dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Lediglich bei Tieren mit Zeckenbefall hat er die Parasiten entfernt. Diese selbst auferlegten Verhaltensregeln führen dazu, dass nicht alle der abgebildeten 43 Fotos kleine meisterhafte Schildkröten- oder Landschaftsportraits sind. Da ist auch das eine oder andere Tiersuchbild dabei. Aber gerade das macht die Ehrlichkeit des Projekts aus: Czybulinski zeigt die Schildkröten genauso, wie er sie als Wanderer auf dem Hügel gesehen hat, manchmal nur aus der Ferne, nicht immer von ihrer Schokoladenseite, manchmal von Gräsern und Zweigen verdeckt – eben nicht künstlich in ein Szenario hinein arrangiert und professionell ausgeleuchtet.

Hier eine Leseprobe:

Leseprobe1

”Die geschriebenen Worte sollen lediglich die Liebe zum Geschöpf Schildkröte vermitteln und meine Beobachtungen, sowie meine Erfahrungen für jeden verständlich offenbaren…” lässt Ralf Czybulinski die Leser auf seiner Website wissen. Damit ist eigentlich alles gesagt.

Bestellbar ist das Buch über die Internetseite des Autors zum Preis von € 13,75. Der Preis ist für ein so kleines Buch nicht gerade günstig, ist aber durch die Herstellungskosten im Eigenverlag nachvollziehbar und gerechtfertigt. Ein Rest Lebensraum für Schildkrötenfreunde ist aber auch ein kleiner (gedanklicher) Kurzurlaub in die Schildkrötenhabitate, den man auch mehrfach antreten kann, wenn man das Buch immer wieder mal zur Hand nimmt. Besonders in dieser Jahreszeit, wenn Halter europäischer Landschildkröten ihre Pfleglinge schmerzlich vermissen, weil sie in der Winterstarre sind, hilft ein solcher „Kurzurlaub“ über die Schildkröten-lose Zeit hinweg.

Das Buch “Die Pflege und Haltung von Köhlerschildkröten” stellen wir Ihnen separat in einigen Tagen vor.

6 Kommentare


  1. Auch die zweite Auflage ist fast vergriffen. Die letzten Exemplare gibt es nun für 9,99,– Euro. Danach wird das erfolgreiche Projekt eingstellt…

    Freundliche Grüße, Ralf


  2. Hallo,
    das Buch ist ab sofort wieder erhältlich. Der Rechtschreibfehler ist beseitigt worden.

    Die zweite Auflage ist nun nicht mehr limitiert. Ich danke allen Beteiligten für Ihre Mithilfe und der Testudowelt für diese positiv dargstellte Buchvorstellung.

    Allen eine besinnliche Adventszeit.

    MfG, Ralf


  3. Hallo,

    seit heute mittag ist die erste Auflage von „Ein Rest Lebensraum“ offiziell vergriffen. Heute wechselte das letzte Exemplar den Besitzer. Ob und wann eventuell eine zweite Auflage produziert wird klärt sich in den kommenden Tagen. Ich danke allen Bestellern und Lesern für die außerordentlich positive Krtik – Vielen Dank !!!

    Schönes Wochenende und freundliche Grüße, Ralf Czybulinski



  4. Hallo Frau Huse,

    ich hoffe, der Rest des Buches hat Ihre Erwartungen erfüllt?!?

    Ich möchte mich auf diesem Wege aber auch bei Lutz Prauser bedanken, der diese Buchvorstellung geschrieben hat.

    Allen Lesern danke ich für Ihr Vertrauen in meine Person, das Sie durch die Bestellung des Buches mir entgegen gebracht haben.

    So und nun genieße ich das Wochenende mit meinen Schildkröten zuhause. Die nächsten Tage soll es warm werden.
    In diesem Sinne freundliche Grüße, Ralf Czybulinski


  5. hallo und guten morgen…habe gestern ihr buch bestellt und heute morgen die bestätigung erhalten…die leseprobe, die ich verschlungen habe, ist toll…man kann sich so richtig in die umgebung einfinden und es so sehen, als wäre man an ort und stelle… ich denke das der rest des buches weiterhin so interessant bleibt… das mit der toten schildkröte ist zwar sehr traurig, aber es gehört nun leider mal dazu…möchte nicht wissen, wieviele überfahren oder auf andere art und weise getötet werden, von denen man nichts weiß und nichts geschrieben wird…nun freue ich mich erstmal auf ihr buch und übersende ihnen ganz liebe grüße…ulrike…

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