Vom niedlichen Haustier zur Wegwerfware

Wohin nur mit den vielen ausgesetzten Schildkröten?
Wie in jedem Jahr hat die Auffangstation für Reptilien, München erneut 25 Schmuckschildkröten aus dem Botanischen Garten München übernommen. Seit Jahren werden im Orchideenhaus des Botanischen Gartens Schmuckschildkröten ausgesetzt. Dort leben ca. 40 dieser farbenprächtigen Schildkröten in einem sehr schönen Biotop. Doch mehr Tiere können in diesem Teich keinesfalls gehalten werden, somit werden alljährlich alle Schildkröten, die im Jahresverlauf im vermeintlichen Paradies ausgesetzt wurden, abgefischt und in die Reptilienauffangstation verbracht.
Die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen hat sich über Jahre hinweg entwickelt, nachdem die Problematik, der steigenden Zahl der Schmuckschildkröten im Botanischen Garten nicht mehr von diesem alleine gelöst werden konnte. Die Reptilienauffangstation übernimmt seither jährlich im Herbst die überzähligen „neu aufgetauchten“ Schmuckschildkröten. Ebenso berät sie die sehr engagierten Mitarbeiter des Botanischen Gartens in Sachen tier- und verhaltensgerechter Unterbringung der Schmuckschildkröten und versorgt verletzte Tiere.
Die 25 Schmuckschildkröten, die im Laufe dieses Jahres im Botanischen Garten ausgesetzt wurden, werden nun in der Auffangstation für Reptilien untersucht, behandelt und vorübergehend gepflegt. Leider stellt sich die nachhaltige Vermittlung der Schildkröten immer problematischer dar, da für die recht groß und alt werdenden Reptilien nur schwer adäquate Pflegeplätze zu finden sind. Dies führt unweigerlich zu Problemen in der Unterbringung der Schildkröten in der Auffangstation. Im Jahr 2011 hat sie bisher 276 Schmuckschildkröten aufnehmen müssen. Meist handelt es sich um Fundtiere und ausgesetzte Tiere, aber auch private Abgaben und beschlagnahmte Tiere werden in der Auffangstation untergebracht. Die Kapazitäten sind seit Jahren kontinuierlich an der Auslastungsgrenze. Leider besteht keine Möglichkeit in den Anlagen in der Kaulbachstraße weitere Erweiterungen für die Massen an Schmuckschildkröten zu schaffen.
Die wichtigste Ursache für die vielen ausgesetzten Schmuckschildkröten ist sicherlich in der einfachen und günstigen Anschaffung in Zoogeschäften und sogar Baumärkten zu finden. Die niedlichen, putzigen, ständig hungrigen, farbenfrohen, jungen Schildkröten werden sehr häufig, ohne sich näher mit der Thematik befasst zu haben, gekauft. Schon nach wenigen Monaten bis Jahren wachsen die einstmals niedlichen, Zwei-Euro-Stück-kleinen Schildkrötenbabys zu Esstellergröße heran, verlieren ihre hübsche Jugendfärbung und brauchen ein mindestens zwei Meter großes Aquarium. Eine echte Herausforderung in einer Etagenwohnung! Die verlockende Möglichkeit, die Schildkröte dann in das vermeintliche Paradies im Botanischen Garten, in Teiche und Wasserläufe oder anderen Parkanlagen in die scheinbare Freiheit zu entsorgen, ist groß. Dies ist ein bequemer Trugschluss und mag vielleicht für den Sommer gelten, in den kalten Jahreszeiten stirbt allerdings ein hoher Prozentsatz der ausgesetzten Schildkröten. Nur einige wenige werden eingefangen und in die Auffangstation(en) gebracht.
Es muss in den nächsten Jahren unbedingt eine Lösung gefunden werden, sowohl um den ausgesetzten Tieren unnötiges Leid zu ersparen, als auch weitere Möglichkeiten, die Tiere adäquat zu versorgen und weiterhin tierschutzgerecht unterzubringen, zu schaffen.

Weitere und detailliertere Informationen zur Thematik finden Sie auf der Homepage: www.reptilienauffangstation.de

Text: Pressemeldung der Reptilieauffangstation München

 

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