Auszug aus dem aktuellen Newsletter der Münchner Reptilienauffangstation:

Auch wenn der aktuelle Newsletter relativ wenig zum Thema Schildkröten meldet, finden Sie ihn in weiten Strecken hier platziert. Wir sind der Meinung, dass es nicht nur einige allgemein wichtige Informationen sind und Denkanstöße sind, die hier zur Sprache kommen. Wir möchten auch die Arbeit der Station unterstützen und für breitere Öffentlichkeit sorgen:

…Wie immer im Sommer kommen vermehrt (ausgerissene) Fundtiere. Hierbei geht die Anzahl definitiv ausgesetzter Reptilien (in Karton, Eimer oder Säcken gefunden) anscheinend etwas zurück. Dennoch sind solche Einzelfälle immer sehr problematisch…
Fundtiere werden mindestens 28 Tage verwahrt und dann, sollte sich kein Besitzer melden, weiter vermittelt, sofern dem nicht Artenschutzbestimmungen entgegenstehen. Es ist enorm wichtig, dass bei Fundtieren auf die strikte Quarantänehaltung großen Wert gelegt wird, sie tiermedizinisch versorgt werden können und zentral dem Eigentümer zugänglich gemacht werden, so dass dieser eine Chance hat sein Tier wieder zu bekommen. So werden bei uns ca. 50% der Landschildkröten wieder abgeholt. Leider ist die Quote bei den anderen Reptilien wesentlich geringer. Auch hier muss zum wiederholten Male darauf hingewiesen werden, dass viele der Fundtiere an den Folgen unsachgemäßer Haltung und Fütterung leiden, akut oder chronisch erkrankt sind oder teils erhebliche Verletzungen aufweisen. All diese Komplexe stellen behandlungsbedürftige Zustände dar und eine tiermedizinische Notwendigkeit, ebenso wie die routinemäßigen Quarantänemaßnahmen.
Die Vermittlungen liefen erfreulicherweise mit 70 weitergegebenen Tieren auf Hochtouren, darunter drei Regenbogenboas, einige Bartagamen und viele Landschildkröten. Dennoch suchen wir noch dringend Übernehmer von männlichen Griechischen Landschildkröten, männlichen Bartagamen, männlichen Asiatische Wasseragamen und Riesenschlangen…
Das beginnende Sommerloch der Presse, wurde gleich mal von einem nicht vorhandenen Krokodil in einem Badesee gestopft. Alle Appelle an die Presse eine „etwaige, vermeintliche Sichtung eines Tiere mit schuppigem Schwanz“ als Ente abzutun, bzw. eher als Biber, Waller oder sonstigen großen Fisch, halfen nichts. So wurden bei Sat1, N24, BR2, Radio Charivari usw. Mitarbeiter der Station immer wieder befragt. Es wurden dennoch tagtäglich größer angelegte Suchaktionen gestartet, die schlussendlich, wie erwartet, nicht zum Erfolg führten. Als dann 2 Wochen später eine kleine Bartagame in der Nähe des Sees gefunden wurde, war das Rätsel „Angeblich gelöst“… Entgegen anderslautender Meldungen kam die Fundbartagame übrigens nicht zu uns, sondern wurde privat untergebracht. Leider wird auch hier noch immer die Kompetenz der Ansprechpartner in Auffangstationen und wissenschaftlichen Einrichtungen unseres Erachtens zu wenig genutzt, wodurch zwar sicherlich sommerlochfüllende Berichte zustande kommen, jedoch einerseits unnötig Gelder und Ressourcen eingesetzt werden und andererseits ein leider reißerisches Bild in der Öffentlichkeit geschaffen wird, das weder der Sache, noch den Tieren oder dem Tierschutz dienlich ist…

Studenten der „Bayerischen Akademie für Fernsehen“ konnten ihre Abschlussarbeit in der Auffangstation drehen. Es ist uns immer ein Anliegen, sowohl Studierende der Tiermedizin, als auch anderer Fachbereiche soweit als möglich zu unterstützen. Wir suchen z.B. auch Studierende, die uns in Bereichen, wie Marketing, BWL, Pressearbeit usw. unterstützen können…

Zu guter Letzt noch die Vorstellung eines besonders dramatischen und traurigen Falles.
Am 22.07.2012 wurde gegen 11 Uhr am Inndamm, in Wasserburg a. Inn eine kleine Echse gefunden. Die Polizeiinspektion Wasserburg am Inn, die zunächst mit dem Fall betraut war, teilte uns mit, dass es aus Personalmangelgründen nicht dafür sorgen könne, dass das Tier zu uns gebracht werde, daher mussten wir das Fundtier, welches nach Angaben auch der Finderin augenscheinlich erheblich verletzt war, vor Ort abholen. Leider hat die Auffangstation grundsätzlich weder die personellen, noch finanziellen Mittel und Kapazitäten, aufgefundene, ggf. verletzte Tiere an den Fundorten abzuholen. Der zeitliche, personelle und auch finanzielle Aufwand einer solchen Abholung ist erheblich und kann eigentlich von uns nicht geleistet werden, sofern kein Kostenträger, zumindest für die Anfahrt greifbar ist. Dennoch haben wir in diesem Fall eines verletzten Fundtieres, dieses vor Ort abgeholt.
In der Auffangstation wurde festgestellt, dass die rechte Vordergliedmaße im Oberarm, eventuell durch einen Biss, amputiert wurde. Knochen und Muskulatur waren freiliegend, der Knochenstumpf des Oberarmes ragte aus der offenen, stark geschwollenen und infizierten, nicht mehr frischen Wunde heraus und das Tier hatte sichtbar starke Schmerzen. Zudem konnten großflächige, den gesamten Gesichtsschädel des kleinen Tieres betreffende Verletzungen an Stirn, den Augen und am Nacken festgestellt werden, bei denen die Kopfschwarte und das darunterliegende Gewebe teils bis auf den Schädelknochen abgetragen war… Es bestand also ein dringender akuter Handlungsbedarf, sowohl was die Schmerztherapie als auch eine antiphlogistische und antibiotische Medikation anging.
Nach wenigen Tagen intensiver Therapie, konnte dann der Oberarm chirurgisch versorgt werden, wobei der freiliegende, absterbende Knochen abgetragen werden musste, um einen Wundverschluss und eine sekundäre Wundheilung zu ermöglichen.
Die kleine Agame frisst nun wieder selbstständig, genießt die Sonnenbäder und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass er sich dann mit drei Beinen und ohne Schmerzen weiter durchs Leben schlagen kann.
Es muss allerdings weiterhin täglich eine aufwändige und strikte Wundtoilette vorgenommen, die Wunden lokal wie systemisch therapiert werden und eine Schmerzmedikatiion ist nach wie vor erforderlich.
Die Kosten belaufen sich bis zum heutigen Tag bereits auf über 600 Euro.
Leider weigert sich die zuständige Ordnungsbehörde der Stadt Wasserburg die Kosten zu tragen. Hierzu ist eine Gemeinde jedoch bei Fundtieren – genau wie bei Hunden und Katzen – gesetzlich verpflichtet. Wir werden dies juristisch zu klären versuchen, sind aber nicht sehr guter Hoffnung, dass dies positiv ausgehen wird. Somit suchen wir dringend nach Genesungspaten, die einen Teil der Kosten übernehmen wollen.
Es kann und darf auch bei Reptilien nicht mit anderem Maß gemessen werden, als dies bei den klassischen Heimtieren der Fall ist. Auch hier ist eine adäquate tierärztliche Versorgung zwingend erforderlich und darf weder unterlassen, noch halbherzig oder aus Kostenersparnisgründen laienhaft bzw. nur marginal erfolgen! Dies wäre aus ethischen, wie moralischen Gesichtspunkten nicht nachzuvollziehen. Schmerzen und Leiden werden auch von diesen Tieren ebenso und absolut vergleichbar wie bei jedem „höheren Wirbeltier“ wahrgenommen und sind analog zu diesen zwingend zu versorgen. Es dürfen Hilfeleistungen nicht unterbleiben! Die Leidensfähigkeit darf nicht an der zoologischen Stellung festgemacht werden oder gar anhand des „Wertes“ des Tieres bemessen werden!

Kontakt:
Auffangstation für Reptilien, München e.V.
Kaulbachstr. 37
80539 München
info@reptilienauffangstation.de

Quelle: http://www.reptilienauffangstation.de/index.html Über die Website kann der Newsletter in voller Länge gelesen und abonniert werden.

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