Kräuterexkursionen der Landschildkröten-Auffangstation Kitzingen e.V. / Ein Bericht von Sandra Malguth

Abb. 1 Treffpunkt und Einweisung

Kräuterexkursionen der Landschildkröten-Auffangstation Kitzingen e.V. / Ein Bericht von Sandra Malguth

Löwenzahn kennt jeder, vielleicht auch noch Klee, Breit- und Spitzwegerich. Doch damit erschöpft sich oft schon das Wissen, welche Pflanzen Landschildkröten fressen können und sollen und welche nicht. Dabei gibt es nicht nur so viele andere gute Futterpflanzen, die es zu entdecken lohnt. Es geht auch darum, den Speiseplan der Schildkröten unterschiedlich und abwechslungsreich zu gestalten. Aus diesem Grund veranstaltete am 12.05. und 30.06.2012 die Landschildkröten-Auffangstation Kitzingen e.V. zwei geführte Kräuter-Exkursionen mit dem Ziel, Futterpflanzen in der Natur aufzufinden, kennenzulernen und zu bestimmen. Als Exkursionsleiter konnte Richard Arndt-Landbeck gewonnen werden. Gern möchten wir Ihnen ein paar Eindrücke schildern und Ihnen vorschlagen, ähnliche Veranstaltungen zu besuchen oder gar selbst zu organisieren…

Abb. 2 Schon bald wurden die ersten Futter-Pflanzen gefunden

Der Wettergott war uns wohlgesonnen. Und so ging es mit jeweils 15-20 Teilnehmern und Team-Mitgliedern der Auffangstation ins Gelände. Gut vorbereitet und ausgerüstet mit festem Schuhwerk, langen Hosen gegen Kratzer und Zecken, ausreichend Getränken, Sonnenhüten, Kameras, Pflanzen-Bestimmungsbüchern (siehe Literatur-Hinweise) und kleinen Tüten zum Absammeln von Pflanzensamen zogen wir vom Treffpunkt am Ortsausgang von Kitzingen in das Gelände in und an der Klinge. Der 30.06.2012 war ein heißer Sommertag, es herrschten rund 33°C, nicht gerade das idealste Wetter für eine ausgiebige Exkursion, aber immer noch besser als strömender Regen.
Zunächst jedoch begrüßte uns vor dem Start der Exkursionsleiter, Herr Arndt-Landbeck, der sich und seinen Werdegang als langjähriger und versierter Schildkrötenhalter vorstellte und in einer kurzen Einführung auf bestimmte Punkte hinwies (Abb. 1).

Abb. 3 Auf dem Weg ins Gelände

 

 

Zum Beispiel wurde angesprochen:

  • Was brauchen Schildkröten?
  • Was fressen sie?
  • Pflanzenbestimmung ist nur mit guten Bestimmungs-Büchern sinnvoll.
  • Wo und wie sollten Wildkräuter gesammelt werden? – Nicht am Straßenrand, nur von ungedüngten Standorten, Einverständnis des Grundstücksbesitzers, nur einen Teil der vorhandenen Pflanzen mit der Schere abschneiden, nicht mit der Wurzel herausziehen usw..
Abb. 4 Exkursionsleiter Richard Arndt-Landbeck mit den Teilnehmern an einem sehr warmen Südhang

Schon kurz hinter dem Parkplatz entdeckten wir auf einer Wiese bereits auf engstem Raum 15 verschiedene gut geeignete Futterpflanzen (Abb. 2), denen auf dem Weg ins Gelände noch viele weitere folgten (Abb. 3). Jede Pflanze wurde besprochen, in Pflanzen-Familien eingeordnet und nach Blattformen, Blüten und Stängeln bestimmt (Abb. 4, Abb. 5). Dabei sprach Herr Arndt-Landbeck auch die verschiedenen Bodenverhältnisse an, die diese Pflanzen benötigen bzw. bevorzugen.
Auch giftige Pflanzen waren zu finden und wurden den Teilnehmern vorgestellt, da es von großer Bedeutung ist, auch diese zu kennen. Dazu zählten zum Beispiel die Wolfsmilch-Arten.
Daneben war auch Gelegenheit, ein paar Samen in Tütchen zu sammeln, z.B. vom Wiesen-Bocksbart und der Platterbse, sowie leere Schneckenhäuser für die Schildkröten mitzunehmen. Unter anderem haben wir folgende Pflanzen kennengelernt:

Abb. 5…..und im Gelände

Gewöhnlicher Natternkopf, Vogel-Wicke, Wiesen-Salbei, Luzerne, versch. Kletten, Moschus-Malve, Echtes Labkraut, Wilde Karde, Wiesen-Flockenblumen, versch. Glockenblumen, Margerite, Wegerich-Arten, Wilde Möhre, Großer Wiesenknopf, Gemeine Nachtkerze, versch. Königskerzen, allerlei Disteln, Rainfarn (giftig), Acker-Witwenblume, Wiesen-Storchschnabel und noch viele mehr (Abb. 6 – 10).

Auch wenn man als Halter mehr als nur Löwenzahn, Klee und Wegerich kennt, ist es immer wieder überraschend, welche und wie viele Pflanzen es noch gibt, die man mit gutem Gewissen seinen Schildkröten zum Fressen geben oder auch ins Gehege aussäen kann. Man entdekct doch immer wieder etwas Neues und kann auf solchen Exkursionen wunderbar Erfahrungen mit anderen Haltern austauschen. Denn längst nicht alle Tiere  fressen alle Pflanzen. Was in einem Gehege der Renner ist, kann in einem anderen unbeachtet liegen bleiben. Auch bei Schildkröten scheinen die Geschmäcker eben verschieden zu sein.
Eine Fülle von Insekten wie Käfer und Schmetterlinge haben auf dem sonnendurchfluteten Hang ihren Lebensraum und konnten von uns beobachtet werden. Auch eine Blindschleiche kreuzte unseren Weg (Abb. 11).

Abb. 6 Johanniskraut
Abb. 7 Vogel-Wicke
Abb. 8 Moschus-Malve

 

 

 

Nach drei Stunden kamen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück, sprachen noch einmal kurz die aufgefundenen Pflanzen-Familien durch, jeder Teilnehmer durfte sich einen Steckling vom Zimbelkraut (Abb. 12) mitnehmen und sehr zufrieden machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg.
Die beiden Veranstaltungen kamen bei den Teilnehmern sehr gut an, wie begeisterte Kommentare in unserem Gästebuch zeigen. Eine rundum gelungene Sache, die wir vom Team der Auffangstation Kitzingen gerne im nächsten Jahr wiederholen werden.
www.landschildkroeten-auffangstation-kitzingen.de

Literatur:

  • Schramm, R.: Landschildkröten-Futterpflanzen (2010), Tartaruga-Verlag
  • Wegehaupt, W.: Futterpflanzen (2008), Wegehaupt-Verlag
Abb. 9 Wiesen-Flockenblume
Abb. 10 Wilde Karde, Acker-Witwenblume, Echtes Labkraut in einer Wiese
Abb. 11 Auch eine Blindschleiche kreuzte unseren Weg
Abb. 12 Zimbelkraut. Foto Ricarda Schramm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Sandra Malguth
Fotos 1 – 11: Sandra Malguth, Foto 12: Ricarda Schramm. Alle Rechte bei der Autorin bzw. der Fotografin

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