Schildkrötenschmuggler in Frankfurt verurteilt – Eine Meldung und ein paar Anmerkungen zur journalistischen Genauigkeit

Sternschildkröte. TW-Archivbild

Wie der hessische Radiosender FFH auf seiner Internetseite berichtet, wurde ein Fotograf, der mehrere Jahre mit vom Aussterben bedrohten Schildkröten gehandelt hat, zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.  Der Mann hatte mehrere Jahre in Namibia gelebt. In dem afrikanischen Land griff er laut Anklage seit 2004 immer wieder die Sternschildkröten in freier Wildbahn auf und schickte sie mit Kurieren nach Deutschland. Für 30 Schildkröten kassierte der Mann laut Gericht mehr als 40 000 Euro.Verwunderlich an der Meldung ist allerdings, dass der Mann in Namibia Sternschildkröten (Geochelone elegans) aufgegriffen haben soll. Deren Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Pakistan über Indien nach Sri Lanka. Vermutlich liegt hier eine erste journalistische Ungenauigkeit vor. Die Erklärungen können vielfältig sein. Eventuell hat ein Gerichtsreporter, der die Verhandlung besucht hat, nicht genau aufgepasst, falsch mitgeschrieben. Vielleicht hat der Pressedienst des Gerichts in der Meldung, die er an die Presse vor Ort rausgegeben hat, die falsche Art genannt. Dass es in der Verhandlung von Anfang an um falsche Arten ging, scheint dagegen unwahrscheinlich.  Da der Mann laut Meldung Wildfänge geschmuggelt haben soll, kann man wohl auch ausschließen, dass Namibia lediglich Drehscheibe der Tiere war. Sollte es aber doch während der Verhandlung tatsächlich um Sternschildkröten gegangen sein und sich das Gericht in der Art vertan haben, wäre das um so peinlicher, dann aber verständlich, dass die berichterstattende Presse dies falsch gemeldet hat .

Screenshot der aktuellen Meldung auf der Seite von Radio FFH

Auf alle Fälle ist es aber besonders bescheiden, dass der Sender die Meldung mit einem Foto einer Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) illustriert. Natürlich ist es legitim, Meldungen dieser Art mit Archivbildern oder aus Bildagenturen zugekauftem Material zu illustrieren. Das haben wir an dieser Stelle auch getan. Dennoch zeugt es nicht gerade von journalistisch sorgfältiger Arbeit, einen Beitrag über den Schmuggel von Landschildkröten, die in der Wildnis gefangen werden, ausgerechnet mit einem Bild einer Meeresschildkröte zu illustrieren. Schildkröte ist nun mal nicht gleich Schildkröte. Mit einem Minimum an Nachdenken hätte aber jedem Redakteur auffallen können, dass Land- und Meeresschildkröten sich mächtig unterscheiden. Meeresschildkröten lassen sich – abgesehen von Schlüpflingen am Strand – auch nicht so ohne weiteres in freier Wildbahn absammeln. Und für den illegalen Verkauf von Meeresschildkröten kann es in Deutschland allein durch die Haltungsvoraussetzungen (riesige Meerwasseraquarien) einfach keinen großen Absatzmarkt geben. Das allein hätte einem der gesunde  Menschenverstand sagen können, da muss man weder Biologe oder Schildkrötenexperte sein.

Afrikanische Schnabelbrustkröte. TW-Archivbild

Das Ganze ist natürlich nur eine unbedeutende Randmeldung im großen Medienwald, erreicht nur wenige Leser, und auch von denen wird nur ein geringer Teil merken, dass da was nicht passt. Und noch weniger Leute werden sich daran stören. Das Entscheidende der Meldung ist, dass Schildkrötenschmuggel auffliegt, Schmuggler vor Gericht gestellt und bestraft werden. Mag sein, dass es dafür im Prinzip völlig egal ist, um welche Tierart es sich genau handelt. Da Pressemeldungen aber auch immer gern für Stimmungsmache gegen Wildtier- und Reptilienhaltung im Besonderen hergenommen werden, darf man sich etwas mehr Genauigkeit wünschen. Sonst heißt es am Ende noch, dass die Terrarianer in Deutschland eine entscheidene Schuld daran tragen, dass die Lederschildkröten vom Assterben bedroht sind.

Pantherschildkröten. TW-Archivbild.

Um welche Art es nun tatsächlich ging, ließe sich nur durch Recherche bei Gericht in Erfahrung bringen. Die Palette reicht von Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) bis hin zu Schnabelbrustschildkröten (Chersina angulata) und Südlichen Höcker-Landschildkröten (Psammobates tentorius). Um diese wird es dann wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegangen sein. Die nun sind wirklich vom Aussterben bedroht.
Es gibt aufgrund der Seltenheit leider einen großen Markt für illegale Tiere, was auch den enormen Verkaufspreis für die Tiere erklärt.      Text und Fotos: Lutz Prauser

Vielen Dank an Hans Dieter Philippen und an Tizian Kram für zwei wichtige Korrekturhinweise und ergänzende Anmerkungen. Gern haben wir diese Hinweise aufgenommen und umgehend in den aktuellen Beitrag eingearbeitet.

Südliche Höcker-Landschildkröte in einer Darstellung der Londoner Zoologischen Gesellschaft 1886.

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