Eine Lanze für die Segge (7) – eine besondere Gehegepflanze

Die Japanische Segge im feuchten Gehegewinkel

Es ist schon einigermaßen paradox. Kaum ein Forum, in dem nicht intensiv dazu geraten wird, das Schildkrötengehege möglichst zu entgrasen. Auf der anderen Seite, dann an dieser Stelle zu empfehlen, bewusst, Gras einzupflanzen, klingt wie ein Widerspruch – oder eben ein schlechter Rat.

Nun ist Gras nicht gleich Gras. Während es aus bekannten Gründen tatsächlich sinnvoll ist, das Schildkrötengehege von den heimischen (Garten)gräsern, dem Zier- oder Bolzplatzrasen zu befreien, möchte ich an dieser Stelle auf Ziergräser hinweisen, die durchaus als Gehegepflanzen in Frage kommen.

Nun gibt es Puristen unter den Schildkrötenhaltern, in deren Gehege (laut Selbstauskunft) grundsätzlich nur Pflanzen eingesetzt werden, die dem natürlichen Habitat der Landschildkröten entsprechen. Doch geht dieses Konzept nach meiner Erfahrung nicht zu hunert Prozent auf. Nicht mal der Löwenzahn hier entspricht der Art, wie er im mediterranem Raum vorkommt, und so ist es bei vielen nordalpinen Arten. Andersherum überstehen viele mediterrane Arten die Klimabedingungen kaum, es ist zu nass, zu kalt und vor allem birgt der Frost im Winter große Gefahr. Kaum ein Halter, dem nicht z.B. schon Rosmarinbüsche oder Salbei im Gehege erforen ist.

Japanische Segge zwischen Frauenmantel (links) und Wildem Majoran (rechts)

Um Akzente im Gehege zu setzen bietet sich die grünweiße Japan-Segge (Carex oshimensis) an. Die Pflanze ist winterhart, übersteht auch längere Frostperioden (z.B. die zwei Wochen unter -10C° im Winter 2012) problemlos und ist damit gegenüber vielen Mittelmeerpflanzen im Vorteil. Zudem bleibt sie bis weit in den Herbst, viele Blätter sogar den ganzen Winter über grün. Damit bietet sie sowohl im Herbst als auch im zeitigen Frühjahr Volumen im Gehege und setzt grüne Akzente, während viele Pflanzen erst im Frühjahr ihr neues Laub ausbilden müssen oder gar erst neu eingesetzt werden und wachsen müssen.

Ihre weiteren Vorteile: Sie ist günstig in nahezu jedem Baumarkt zu erwerben und bleibt im Wuchs relativ klein. Sie erreicht eine Wuchshöhe von etwa 30cm und eignet sich hervorragend als Sperrriegel für Sichtachsen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich (meine) Schildkröten sehr gern unter den überhängenden Blättern im Sommer einen schattigen Platz suchen, aber sich auch gern im Schutz der Blätter eingraben. Wenn – was immer wieder vorkommt – eine Schildkröte mal am Abend nicht von allein den Schlafplatz gefunden hat, dann finde ich sie fast immer unter den Blättern der Japan-Segge. Auch wenn es keine Habitatpflanze ist, lassen sich mit diesen extrem  robusten Gräsern habitatähnliche Situationen schaffen – nur eben mit dem Unterschied, dass die Segge weder im Sommer verdorrt noch im Winter erfriert.

Die Japan-Segge breitet sich mittelstark aus, es besteht nicht die Gefahr, dass sie das Gehege überwuchert, allerdings sollte man den Gehegebereich im Auge behalten, wie die Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau empfiehlt. Es gibt die Art in verschiedenen Zuchtformen. „Evergold“ oder „Everest“ heißen die Farbvarianten.

Bevorzugtes Versteck unter der Segge. Triebspitzen der Jungpflanzen vorne links.

Da die Segge relativ viel Wasser benötigt, entzieht sie dem Boden viel Feuchtigkeit. Sie bevorzugt sonnige Plätze und hält auch längere Hitzeperioden mit wenig Gießwasser gut aus. Ich habe allerdings bewusst ein Exemplar in einem eher feuchten und dunkleren Bereich des Geheges gesetzt, der erst mittags in der Sonne liegt, ein Bereich, der für mediterrane Pflanzen fast gar nicht geeignet ist, in dem weder die Kräuter wie Thymian, Rosmarin oder Salbei gedeihen, noch Sedumarten oder die mediterranen Süßgräser wie zum Beispiel Blauschwingel. Der Empfehlung des Gärtners zum Trotz, dass die Segge generell durchlässige Böden  benötigt, habe ich eine Pflanze in unseren schweren Lehmboden gesetzt. Auch hier wächst die Segge seit Jahren – nicht sehr schnell und nicht sehr ausbreitend, was aber von mir auch so gewünscht ist.

Gräser und feuchte Stellen im Schildkrötenhabitat auf Sardinien.
Pflegeintensiv sind die Pflanzen nicht. Es reicht, vertrocknete oder abgestorbene Gräser herauszuzupfen – und nicht mal das muss man tun. Europäische Landschildkröten fressen die Blätter nicht, zumindest habe ich es noch nie beobachtet und auch noch nie Fraßspuren an den Blättern entdeckt. Wenn die Pflanze zu ausladend wird, dann reicht es, sie kräftig zurückzuschneiden. Die Pflanze übersteht das meiner Erfahrung nach sehr gut. Triebspitzen neuer Jungpflanzen kann man stehen lassen, sollte sie aber dann entfernen, wenn die Segge eventuell doch zu viel Fläche beansprucht. Aus dieen Triebspitzen, die man sehr einfach ausgraben kann, lassen sich auch ohne große Mühen weitere Pflanzen nachziehen.
Erwähnt werden müsste allerdings, dass sich unter der Segge auch wunderbare Rückzugsmöglichkeiten für Nacktschnecken bilden. Zwar zieht die Pflanzen keine Schnecken an und wird auch nicht von ihr gefressen, aber das feuchte kühle Millieu ist für Schneckenvor allem an Sonnentagen als Versteck ideal. Was gewisse Nachteile, aber auch Vorteile hat. So nämlich lassen sich – wenn ich die Blätter hochhebe – relativ schnell immer wieder mal Schnecken im Gehege finden und entfernen. Auch hier gilt: Man muss nur wissen, wo man suchen muss.

 

Text und Fotos: Lutz Prauser

 

2 Kommentare


  1. Schöner Bericht und in der Tat eine unkomplzierte Pflanze.
    Für die Habitatpuristen empfehle ixh die Stipagräser. Volle Sonne, extrem trockener Standort. Ein Gras aus der Steppe. Zwar kann ich mit ihr Struktur ins Gehege bekommen, nur viel Schatten bietet sie nicht. Aber im Habitat ist der ja auch schwer zu finden.


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