Unverhofft kommt oft – überraschender Zuchterfolg von Prachterdschildkröten

Von Petra Loeper

Prachterdschildröten sind
ziemliche Ferkel.

25.03.2012:  Heute entdeckte ich völlig unerwartet Nachwuchs bei meinem Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröten-Männchen (Rhinoclemmys pulcherrima manni). Es lebt in dem Terrarium, welches zuvor von den Guatemala-Prachterdschildkröten (Rhinoclemmys pulcherrima incisa) bewohnt wurde.
Zuerst fand ich einen toten Schlüpfling, hab Rotz und Wasser geheult – und dann, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, noch drei weitere (lebende) Schlüpflinge. Ich war total begeistert, auch wenn sie nicht so optimal geformt aussahen. Mit Nachwuchs hatte ich nicht mehr gerechnet, denn mein manni-Weibchen verstarb im vergangenen Jahr. Sollte sie also doch noch vorher im Terrarium Eier abgelegt haben? Voller Freude schrieb ich gleich vielen Schildkrötenfreunde eine Mail, die ich allerdings gleich am nächsten Tag korrigieren musste.

26.03.2012: Es sind gar keine manni-Schlüpflinge, sondern Schlüpflinge der R.p. incisa! Ich hatte völlig vergessen, dass ich – nachdem das manni-Weibchen verstorben war – das verbliebene Männchen in das oberere Terrarium umgesiedelt hatte und das incisa-Pärchen ins untere. Also sind die Eier nicht von meinem verstorbenen Weibchen gelegt worden, sondern von dem noch lebenden incisa-Weibchen!! Das schmälert natürlich nicht die Freude über den unverhofften Nachwuchs im Terrarium.

Plötzlich waren es…
drei Tiere mehr…
die einen neugierig aus der Erde heraus anschauen.

 

 

 

 

Ich besitze zwei Terrarien, die jeweils eine Grundfläche von 150×60 cm haben und etwa 60 cm hoch sind. Es handelt sich um Selbstbauten aus OSB-Platten. Diese habe ich mit schwarzer Teichfolie ausgeschlagen, so dass sie wasserdicht sind. Als Bodengrund verwende ich Kokoshumus (Trockenziegel, die man im Zoohandel kaufen kann und dann mit Wasser aufweicht). Der Bodengrund ist etwa 15-20 cm hoch, damit die Schildkröten sich auch gut eingraben können, wenn sie es wollen. Das Raumklima ist dem Regenwald nachempfunden, es herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit von 80 % und mehr und hohe Temperaturen von 27-31° C.
Um die hohen Temperaturen zu gewährleisten, verwende ich eine Wärmelampe (Infrarotlicht). Außerden noch eine weitere Lampe, die UV-Strahlung abgibt. Ich verwende hierbei aber nur eine Repti-Glo 10.0, weil die Tiere keine Sonnenanbeter sind, wie andere Schildkröten, sondern sie leben ja eher versteckt im natürlichen Regenwald.
Für die Luftfeuchtigkeit sorgt zum einen immer die relativ gute Durchfeuchtung des Bodengrundes. Zum anderen versprühe ich regelmäßig lauwarmes Wasser in den Terrarien. Dies ersetzt derzeit einen Nebler, der vorher verwendet wurde. Geplant ist, irgendwann an Stelle der Handbesprühung auf eine Beregnungsanlage umzusteigen. Ohnehin sind weitere Umbauten geplant, die bei der nicht ganz einfachen Haltung und Lebensweise der Prachterdschildkröten aber gut durchdacht sein wollen.
Daneben steht den Tieren auch noch eine große Badeschale im Terrarium zur Verfügung. Das Wasser wird täglich erneuert, denn die Schildkröten sind echte Erdferkel. Erst schaufeln sie sich Erde auf den Panzer und dann geht’s  ab ins Wasser. Genau aus diesem Grund muss eine Anlage mit einem integrierten großen Wasserbecken so geplant werden, dass man dieses auch ohne Probleme wieder säubern kann.

Willkommen, kleines Prachtstück!

Auch die Bepflanzung stellt in den Terrarien eine Herausforderung dar, denn diese Schildkröten sind echte Dampfwalzen und trampeln alles platt oder fressen es auf. Auch hier stehen in absehbarer Zeit Veränderungen an.
Wie man auf meiner Homepage sehen kann, sind die Kleinen momentan in einer extra Box im Terrarium des Zuchtpaares untergebracht. So habe ich sie derzeit noch am besten im Blick.

12.04.2012 Entgegen meiner Annahme, dass die Panzer nicht optimal geformt seien, habe ich nun festgestellt, dass sie sich noch weiter „entfaltet“ haben und nun völlig normal aussehen.
Futtertechnisch werden meine Tiere wie folgt versorgt: Speziell im Winter greife ich auf Tütensalatmischung zurück, die bei ihnen besonders beliebt ist. Feldsalat wird total verschmäht, Rucola oder Romana-Salat wird hin und wieder genommen. Ebenso wie etwas Obst (Erdschildkröten dürfen nämlich in Maßen mal an Früchten naschen) und für die Eiweiß-Versorgung werden Heimchen gegeben, die ich einfach ins Terrarium entlasse. Die Schildkröten fangen sie selbst und die Heimchen vermehren sich eigenständig sehr gut unter diesen Bedingungen.
Im Sommer gibt’s Wildkräuter von draußen: Löwenzahn, Ackerwinde, Spitz- und Breitwegerich … was eben so zu finden ist. Eierschalen zur Kalziumversorgung befinden sich zur freien Verfügung im Terrarium.

Alle drei Nachzuchten.

19.04.2012: Die Kleinen sind nun offiziell ins große Terrarium zu ihren Elterntieren umgezogen. Ich habe sie aus der kleinen Box herausgenommen und nun dürfen sie das große Terrarium erkunden. Ich habe ihnen extra zwei kleine Schalen hineingstellt, in denen sie baden und trinken können. Allerdings muss ich hier noch viel häufiger das Wasser wechseln, weil auch die großen Schildkröten dort Schmutz einbringen. Ich fülle derzeit mehrmals am Tag das Wasser nach.

Auf dass die Kleinen nun wachsen und gedeihen mögen!

Text und Bilder: Petra Loeper

 

4 Kommentare


  1. Hallo Sebastian … also bezüglich des Fressens: Die hatten alle definitiv keinen Dottersack mehr und die Bauchdecke war auch bei allen geschlossen. Die hatten auch von Anfang an Löwenzahn usw. zur Verfügung, so dass sie fressen konnten, wann immer sie wollten … deswegen kann ich gar nicht mal sagen, dann und dann haben sie angefangen zu fressen …

    Gruß Petra


  2. Hallo Petra,

    schön zu hören, dass es deinen gut geht und dass sie prächtig gedeihen :-)

    Ich habe meine Kleine jetzt auch erstmal separiert im gleichen Terrarium untergebracht. Ich biete ihr jeden Tag Eisbergsalat, ein wenig Obst und rote Mückenlarven an. Einen Wasserteil hat sie auch, der unter einer Wärmelampe steht. Temperatur rund 30° und hohe Luftfeuchte. Vor drei Tagen hat sie den Dottersack verloren und der Brustpanzer ist zu. Jetzt hoffe ich mal, dass sie bald anfängt zu fressen…
    Weisst du noch, wie lange es bei dir gedauert hat, dass sie selbstständig zu fressen angefangen zu haben?

    Gruß Sebastian


  3. Hallo Sebastian … ich habe bezüglich des Fressens eigentlich gar nichts Besonderes gemacht … sie haben irgendwann angefangen zu fressen … inzwischen sind sie schon richtig groß. Aber sie wachsen auch ganz unterschiedlich. Die Kleinste ist nach wie vor die Kleinste und die, die am Anfang die Größte war, ist inzwischen ein richtiger „Brummer“ …

    Ich gehe also auch bei Dir davon aus, dass die kleine Kröte irgendwann eigenständig anfängt zu fressen .. ich hatte die Kleinen anfangs ja innerhalb des Terrariums separiert, damit ich besser verfolgen konnte, ob alles ok ist …

    Viel Erfolg bei der Aufzucht …

    Gruß Petra


  4. Hallo,
    herzlichenGlückwunsch zu dem Nachwuchs, sehr schön zu lesen. Das gleiche ist mir vor drei Tagen passiert, habe in meinem Terrarium mit Pracht Erdschildkröten auch ein kleines Krötchen gefunden. Nur bei mir frisst sie nichts, ich biete verschiedene Salatsorten (Eisbergsalat, Feldsalat und ein bisschen Banane zum Fressen an. Auch werden immer frische Mückenlarven angeboten, Wasserschale ist aúch vorhanden, Temp. auch bei ca. 30°C, Feuchtigigkeit auch bei 80%. Wie hast du deine Tiere zum Fressen gebracht?
    Gruß Sebastian

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