Spezialsubstrat für Schildkröten – Statement von Floragard

Am 25. März berichteten wir, dass die Firma Floragard ein Spezialsubstrat für Schildkrötenhalter
entwickelt hat, das nun in Produktion geht und demnächst im Handel erhältlich sein wird. Es gab einige Rückfragen aber auch kritische Kommentare, die von der Firma Floragard sehr aufmerksam registriert wurden.

Heute erreicht uns ein Statement von Thomas Büter, Koordination Vertrieb, Floragard, das wir an dieser Stelle veröffentlichen:

Bei der Entwicklung des Produktes war es uns wichtig, die Vorzüge des bekannten Floraton 3 zu erhalten, Nachteile zu eliminieren und das Substrat besser auf die Bedürfnisse der Tiere anzupassen.
Das neue Schildkröten-Substrat ist ein Gemisch aus überwiegend dunklem Humintorf sowie Weisstorf. Die mittlere Struktur gibt dem Substrat die nötige Lockerheit und Speicherfähigkeit. Zudem enthält das Substrat 15 kg Bentonit pro cbm. Bentonit ist ein natürlicher Zuschlagsstoff, der die Speicherfähigkeit des Torfes unterstützt, zudem die Feuchtigkeit länger halten kann und somit vor dem Austrocknen des Substates schützt. Das Wesentlichste ist jedoch, dass das Schildkröten-Substrat keinen Dünger enthält und somit zu 100 % natürlich ist. Eine große Herausforderung war der pH-Wert. Durch das Schwarz- /Weißtorfverhältnis, sowie die Zugabe von Kalk wird der pH-Wert des neuen Substrates bei 6,9 liegen.
Wir von Floragard garantieren, dass das neue Schildkröten-Substrat völlig frei von chemischen Zusatz- und Hilfsstoffen ist.

Thomas Büter, Leiter Vertrieb. Bild: Floragard

Torf und Torfabbau stehen immer wieder in der Kritik und ich möchte an dieser Stelle kurz zu diesem Thema Stellung nehmen.
Um 1900 waren der jetzige Landkreis Emsland und das Saterland nicht erschlossen. Es gab weder Karten noch hatte man Kenntnisse darüber, ob und wo dort Menschen lebten. Das Gebiet bestand überwiegend aus Mooren. Kaiser Wilhelm beschloss, dieses Gebiet für die Menschen zu erschließen, die Moore trocken zu legen, damit diese Flächen für die Landwirtschaft zur Verfügung stehen.
Durch das Entwässern der Moore waren diese für immer zerstört. Ein Schließen der Entwässerungsgräben ist möglich, würde aber die Moore nicht retten.
Durch strenge Auflagen, die für den Torfabbau bestehen, werden heute diese Flächen wieder renaturiert, die Flächen geflutet, die Entwässerungsgräben geschlossen. Neue Moore und Naturschutzgebiete entstehen. Über den Link www.niz-goldenstedt.de erfahren Sie mehr zum Thema Renaturierung. Ein Ausflug in dieses Gebiet lohnt sich. Man kann hier sehen, wie die Abbauflächen renaturiert wurden.
Intakte Moore stehen unter Naturschutz und stehen für den Torfabbau schon lange nicht mehr zur Verfügung.
Das Moor wächst sehr langsam, ca. 1 cm pro Jahr. Aber weltweit wächst mehr Torf nach, als abgebaut wird.
Ein weiteres Problem gibt es zu lösen, wenn wir alle auf Torf verzichten wollen. Es gibt heute keinen Rohstoff, der in diesen Mengen zur Verfügung steht und die positiven Eigenschaften des Torfes ersetzen kann.
Rindenmulch, Rindenhumus und Holzfaser gehen heute überwiegend in die energetische Nutzung und dies wird durch den Atomausstieg sicherlich noch forciert. Kompost steht ebenfalls nicht in ausreichender Menge zur Verfügung und bietet zudem nur bedingt diese Eigenschaften.
Kokosfasern und Kokosmehl sind zwar verfügbar, jedoch nicht in den benötigten Mengen. Wobei hier die Frage zu klären ist, ob es richtig ist, aus diesen Gebieten Rohstoffe zu importierten und diese um die halbe Welt zu transportieren.
Ich selbst lebe in dieser Region, sehe die Naturschutzgebiete, in denen sich schon lange Tiere heimisch fühlen.

Thomas Büter, Koordination Vertrieb, Floragard

Darüber hinaus hat Floragard mittlerweile erste Kontakte geknüpft, um Bezugsquellen für Österreich zu erschließen. Anfragen über Bezugsmöglichkeiten ins Ausland können direkt an Floragard gerichtet werden.
Wahrscheinlich ab Ende kommender Woche wird das Substrat über www.floragardversand.de verfügbar sein.

2 Kommentare


  1. Es wird immer Leute geben, die fanatische Umweltschützer sind, und vermutlich ist das auch gut so, damit die Gleichgültigkeit der anderen ein Gegengewicht hat. Ich bin selbst auch dafür, dass man auf die Umwelt Rücksicht nimmt, so gut es in dieser technisierten Zivilisation eben möglich ist.

    Dass aber nun den relativ wenigen Schildkrötenhaltern, die ein solches Substrat verwenden wollen, massive Schuldgefühle eingeredet werden, halte ich dennoch für fragwürdig.

    Ich selbst war als unerfahrener Schildkrötenhalter sehr, sehr froh darüber, dass es das neue Schildkrötensubstrat von Floragard gibt. Ich hatte länger nach einem geeigneten Substrat gesucht, was nicht ganz einfach war. Die Untergründe des natürlichen Habitats von Schildkröten gibt es hier nun mal nicht.

    In meiner Region gibt es nur schwere Lehmböden, die für Schildkröten völlig ungeeignet sind. Düngerfreie Erde kann man in keiner Gärtnerei kaufen. Auch Anzuchterde enthält geringe Mengen Dünger. Maulwurfhügel sind in urbanen Gegenden auch nicht gerade leicht zu finden, und wie soll man diese Erde dann in größeren Mengen abtransportieren? Mit der Schubkarre? Ist es überhaupt legal, Substrate von Wiesen oder öffentlichen Grünflächen mitzunehmen? Vermutlich nicht.

    Also habe ich mir 350l Floragard Schildkrötensubstrat bestellt, ohne Schuldgefühle.
    Bei mir befindet sich das Substrat etwa 40cm tief im gesamten Frühbeet und in der Überwinterungsbox. Der Rest ist in einem Bereich des Aussengeheges. Diese Erde ist ganz wunderbar locker, leicht, feucht und griffig. Es ist einfach, das Substrat von Kotresten zu reinigen, weil es sich leicht mit der Harke durchkämmen lässt. Meine Schildkröte gräbt sich gern in dieser Erde ein und kommt offensichtlich gesund wieder daraus hervor.

    Ich kann dieses Produkt jederzeit jedem Schildkrötenhalter wärmstens und uneingeschränkt empfehlen.

    Nina M.


  2. Aus der Sicht von Floragrad kann ich verstehen, dass neue Märkte erobert werden sollen. Das nehme ich keinem Hersteller/Verkäufer übel. Es sind wir als Gesellschaft und Konsumenten, die die Verantwortung zeigen müssen. Ich versuche deshalb auch nicht Herrn Büter von Floragrad zu überzeugen, mit dem was ich im folgenden schreibe, sondern diejenigen meiner Hobbyfreunde, die ihre Tiere gerne so naturnah wie möglich halten wollen und die sich auch für den Schutz anderer Lebensformen verantwortlich fühlen.

    Als Gegenargument zu der von Floragard erwähnten, angeblichen Unbedenklichkeit des Torf-Abbaus setze ich diese Statements des NABU. Dort hört sich das nämlich ganz anders an:

    http://www.nabu.de/nabu/nh/2009/2/10866.html
    http://niedersachsen.nabu.de/themen/rohstoffabbau/13195.html
    http://niedersachsen.nabu.de/themen/rohstoffabbau/13153.html
    http://www.nabu-federsee.de/index.php?page=80

    Und dabei geht es teilweise sogar um Pflanzen, die natürlicherweise in Moorgebieten vorkommen, z.B. Azaleen. Für sie ist Torf natürlich und daher vermutlich das beste, was man ihnen bieten kann. Aber dennoch darf dafür nicht die Umwelt zerstört werden, noch viel weniger für eine Kleintierstreu, bei der es um bloße Haltungs-Erleichterung für den Schildkrötenfreund geht, nicht mal um eine Verbesserung für seine Tiere.

    Landschildkröten kommen nämlich nicht in Torfmooren vor. Das ist auch jedem Landschildkrötenhalter vollkommen bewusst, sondern auf einem sandigen, meistens sogar sehr steinigen Untergrund. Nicht umsonst bringen viele Schotter in ihre Gehege und nicht Torf.

    http://www.graeca-home.de/WebFotos/GraecaTGGEssaouira%201.jpg

    Nur solch ein Boden ermöglicht eine NATÜRLICHE Haltung. Das gilt selbstverständlich auch für Schlüpflingsterrarien, Legehügel und Co! Torf ist dagegen so ziemlich in allem das Gegenteil von dem oben gezeigten Untergrund. Da hilft auch nicht das Aufkalken, um den pH-Wert anzuheben und das Zufügen von geschätzten 5 % Tonmineralien. Landschildkröten brauchen keine Torfsubstrate, sonst hätten sie in ihren Biotopen sehr schlechte Karten!

    Der einzige Vorteil dieses neu vorgestellten Substrates gegenüber Erde liegt in seinem geringen Gewicht. Aber für diesen kleinen Vorteil (für unsere Rücken…) dürfen wir Schildkrötenfreunde uns nicht an der weiteren Zerstörung der Torfmoore beteiligen und gleichzeitig auch noch ein für unsere Tiere nur bedingt geeignetes Produkt erwerben. Wir haben mit Erde aus dem Garten ein besseres, weil natürlicheres, und noch dazu kostenloses Produkt zur Verfügung, nutzen wir es!

    Löst euch von dem Gedanken, dass ihr etwas besseres für eure Schildkrötenhaltung kaufen müsst, als das was ihr im Garten vorfindet. Das ist beim Substrat genauso wenig möglich wie beim Wildkräuter-Futter!

    Gruß, Editha K.

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