Sukkulenten & Xerophyten im Schildkrötengehege (Teil 1)

Ungewöhnliche Gehegepflanzen – Anregungen und Tipps

Womit beschäftigen sich Halter europäischer Landschildkröten im Winter, wenn sie auf Schildkröten-Entzug sind?
…Richtig, sie planen neue Freigehege, Veränderungen oder Erweiterungen, um ihren gepanzerten Lieblingen im kommenden Frühjahr den Aufenthalt noch angenehmer zu gestalten. Die Planungen werden dann im Frühjahr in die Tat umgesetzt. Dazu gehören auch immer neue Gehegepflanzen.
Deshalb beginnen wir hier mit einer Reihe von Artikeln, in denen weniger die
bereits altbekannten und häufig verwendeten Pflanzen aufgelistet werden sollen. Vielmehr wollen wir hier Anregungen geben durch Portraits weniger bekannter Arten, abweichender Wuchs-Formen oder Züchtungen und seltenerer Wildpflanzen, ergänzt durch Tipps und Erfahrungen zur Kultivierung und Verwendung.
Die folgenden Artikel erscheinen in der Kategorie: „Ungewöhnliche Gehegepflanzen“, jeweils am 30. eines Monats.
Wir starten hier mit einem Beitrag von Sascha Weißbeck: „Sukkulenten und Xerophyten im Schildkrötengehege“, den wir wegen seines Umfangs in mehrere Teile zerlegt haben und schrittweise veröffentlichen. Für die Bereitstellung von Text und Fotos danken wir dem Autor vielmals.
Sollten Sie selbst Erfahrungen mit eher außergewöhnlichen Pflanzen für Freigehege gemacht haben, so freuen wir uns über jeden Hinweis, Fotos und Berichte, die Sie uns zukommen lassen, um sie hier weiterzugeben.

Ricarda Schramm

Abb. 1 Yucca rostrata f. viridis mit Y. filamentosa ‚Elegantissima‘.

Sukkulenten & Xerophyten im Schildkrötengehege / Von Sascha Weißbeck

Agaven, Kakteen sowie Yuccas zählen heute in den meisten Ländern Süd-Europas schon zum gewohnten Landschaftsbild. Bei diesen Pflanzen handelt es sich jedoch um so genannte Neophyten, d. h. Pflanzen, die aus der neuen Welt eingeschleppt wurden, zur dauerhaften Veränderung der heimischen Flora (Florenverfälschung) beigetragen und sich somit zwangsläufig auch im Habitat verschiedener Schildkröten-Arten ausgebreitet haben.
Abb. 2 Der Wüstengarten des Autors im Jahre 2011

Unter Schildkrötenliebhabern ist allerdings eher weniger bekannt, dass es unter diesen Pflanzen einige sehr exotisch wirkende Arten, Sorten und Formen gibt, die auch mit dem eher mäßigen bis kalten Klima Mittel-Europas gut bis sehr gut zurechtkommen. Je nach Standort benötigen einige Pflanzen in Deutschland über die nassen und kalten Monate keinen bis einen minimalen Winter- bzw. Nässeschutz. Des Weiteren wird die Vielfalt jener Pflanzen, die hierzulande im Freiland kultiviert werden können, meist noch unterschätzt. Doch gerade der Bereich der Exotengärtnerei befindet sich seit den letzten 5-10 Jahren im Umbruch und von Jahr zu Jahr geraten diese Pflanzen immer mehr in das Visier der Gartenbesitzer, Hobbygärtner, Exotengärtner und letztendlich auch in das Visier der Schildkrötenliebhaber.
Gartencenter und Spezialgärtnereien u. v. a. haben sich relativ schnell auf diesen Trend eingestellt, so dass viele der noch vor ca. 5 Jahren sehr schwer zu beziehenden und sehr teure Pflanzen heute recht leicht für recht wenig Geld bezogen werden können.
Leider wird dem Käufer heute noch bei dem Kauf solcher Pflanzen viel zu oft ein falsches Wissen bezüglich der Kultivierung der speziellen Art, Sorte oder Form mitgeliefert, so dass es schnell zu einer Enttäuschung kommen kann.
Aus diesem Grund sollen die nachfolgenden Pflanzenportraits, die nur einen sehr kleinen Auszug der existierenden Pflanzen-Arten, -Sorten und -Formen darstellen, den interessierten Schildkrötenliebhabern eine kleine Hilfestellung bieten, die ihre Freilandanlagen mit Agaven, Kakteen und/oder Yuccas bepflanzen möchten.

Eventuell benötigen neu gepflanzte Jungpflanzen im Schildkrötengehege etwas Schutz zum Anwachsen, da zwar Yuccas und Agaven nicht direkt zu den Futterpflanzen zählen, ab und zu von den Schildkröten aber dennoch auch einmal angeknabbert werden.

Yucca

Yucca filamentosa, auch als Palmlilie oder Gartenyucca bekannt, zählt, wohl durch ihre Robustheit, zu den bekanntesten nicht stammbildende Arten in unseren Breiten. Hier sollen einige besonders schöne Sorten und bunte Zuchtformen erwähnt werden, die beachtliche Unterschiede in Habitus und Blüte aufweisen. Die meisten Formen dieser Yucca-Art sind in Deutschland bis unter -30 °C winterhart.

Yucca filamentosa ‚Elegantissima‘

Diese ist eine recht alte und vor allem sehr schöne Yucca-Sorte, deren Herkunft leider durch den Verlust der dokumentierten Pflanzen verloren gegangen ist. Die Blätter dieser Yucca-Sorte sind dunkel-grün, schmal und recht steif, meist aufrecht stehend. Ihre Schönheit zeichnet sich besonders durch die vielen gekringelten weißen Randfäden aus, die sich an den Blattränder befinden .

Abb. 3 Yucca filamentosa ‚Elegantissima‘ nach dem Rückschnitt im Frühjahr.

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 150-200 cm hoch
Blütenfarbe: Weiß bis grünlich-weiß
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30°C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. ½ bis 1 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

Yucca filamentosa ‚Glockenriese‘

Eine alte Förster-Sorte, deren Blätter im Alter sehr breit und lang (bis zu 160 cm Länge) werden können. Das Highlight dieser Sorte ist der Blütenstand, der je nach Kulturbedingungen, eine Höhe bis zu 300-500 cm erreichen kann.

Abb. 4 Ein ca. 350 cm hoher Blütenstand der Yucca filamentosa ‚Glockenriese‘.

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 300-500 cm hoch
Blütenfarbe: Weiß bis cremefarben
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30 °C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. 2 bis 4 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

 

 

Yucca filamentosa ‚Rosemarie‘

Eine recht alte und vor allem sehr schöne Yucca-Sorte, deren Herkunft nicht geklärt ist. Die Blätter dieser Yucca-Sorte sind grün bis hellgrün, schmal und meist aufrecht stehend. Ihre Schönheit zeichnet sich besonders durch die Blütenfarbe sowie die vielen weißen Randfäden aus, die sich an den Blattränder befinden.

Abb. 5 Yucca filamentosa ‚Rosemarie‘ vor der Blüte.

 

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 130-180 cm hoch
Blütenfarbe: Cremefarben mit rosa bis violetter Farbzeichnung
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30 °C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. ½  bis 2 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

Yucca filamentosa ‚Hairy‘

Abb. 6 Yucca filamentosa ‚Hairy‘ mit beginnender Blüte.

Eine Sorte aus den USA, die erst seit einigen Jahren auf dem Markt ist. Ihre sehr steifen und recht breiten, fast stahlblauen Blätter fallen durch ihre Farbe und die sehr vielen weißen Randfäden selbst einem Pflanzen-Laien ins Auge.

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 130-180 cm hoch
Blütenfarbe: Weiß bis cremefarben
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30 °C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. ½  bis 2 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

Yucca filamentosa ‚Golden Sword‘

Abb. 7 Yucca filamentosa ‚Golden Sword‘ strahlt besonders über die Herbst- und Wintermonate.

Die Yucca filamentosa ‚Golden Sword‘ zählt wohl zu den ältesten und bekanntesten bunten Yucca-Sorten. Die Farbe und Form der aufrecht wachsenden Blätter gaben dieser Yucca-Sorte ihren Namen. Über die kalten Wintermonate rollen sich die bunten Blätter meist zum Schutz vor tiefen Temperaturen zusammen.

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 120-180 cm hoch
Blütenfarbe: Weiß bis cremefarben
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30 °C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. ½  bis 2 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

Yucca filamentosa ‚Color Guard‘

Abb. 8 Yucca filamentosa ‚Color Guard‘ in voller Blüte.

Hierbei handelt es sich um eine aus Japan stammende Yucca-Sorte, deren Blätter im Gegensatz zu denen von Y. filamentosa ‘Golden Sword’ in der Mitte etwas breiter und insgesamt länger sind. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Blattstellungen der Pflanzen, diese neigen sich mehr zum Boden, des Weiteren ist der Blütenstand dieser Yucca-Sorte weitestgehend  chlorophyllfrei.

Wachstum: Nach der Blüte horstbildend, zuvor meist solitär wachsend
Stammbildend: Nein
Blütenstand: Der Blütenstand wird ca. 130-180 cm hoch
Blütenfarbe: Weiß bis cremefarben
Blütezeit: April-Juli
Schutzmaßnahmen: Sind nicht nötig
Wintertauglichkeit: Bis unter -30 °C frosthart
Platzansprüche: Platzanspruch je nach Belieben¹, jedoch min. ½  bis 2 m².
Kulturansprüche: Recht anspruchslos, verträgt halbschattige sowie sonnige Standorte, fette bis magere Böden und ist kaum nässeempfindlich. Im Frühjahr sollten bei trockenem Wetter die meist am Boden liegenden und evtl. verpilzten Blätter zurück geschnitten werden.

 

Fußnote

¹ Platzanspruch je nach Belieben bedeutet, dass die Yucca durch Rhizomrückschnitt, das Abstechen von Ausläuferpflanzen oder durch eine Rhizomsperre auf einer beliebigen Größe gehalten werden kann.

Literaturtipps

Faszination Bunt – Die Welt der panaschierten Yuccas – NTV Verlag

500 winterharte Sukkulenten und Kakteen – Ulmer Verlag

Bezugsquellen

Kakteengarten

Chiemgau-Kaktus

Autor

Sascha Weißbeck
E-Mail: saschaweissbeck@freenet.de

Text und Bilder: Sascha Weißbeck. Alle Rechte beim Autor

 

Teil 2, der sich weiteren Yucca-Arten widmen wird, erscheint in Kürze.

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