Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 94)

Von Elke Wallrapp

Und wieder einmal haben wir es meiner Mutter zu verdanken, dass wir in diesem Monat eine ganz besondere Schildkrötendarstellung betrachten können.
Als treue Leserin unserer Tageszeitung, der „Taunus Zeitung“, entdeckte sie irgendwann im Jahr 2016 einen Artikel über die Besichtigung des, im Jugendstil gestalteten, Wasserwerks von Königstein im Taunus.


In diesem Zeitungsartikel wurden zwei „in Stein gemeißelte Schildkröten“ erwähnt, die den Stollen schmücken. Fotos gab es leider keine.
Mein Interesse war, wie sollte es auch anders sein, geweckt und ich wollte unbedingt diese Schildkröten sehen, denn Königstein ist nur circa 15 km von Bad Homburg entfernt. Aber irgendwie ergab es sich nicht.
Auch versuchte ich nähere Informationen zu den Schildkröten am Wasserwerk im Billtal zu bekommen – aber auch das verlief ins Leere.
Immer mal wieder suchte ich im Internet und auch mit dem Mountainbike wurde die Gegend von meinem Partner erkundet. Aber die Suche gestaltete sich sehr sehr schwierig
Doch irgendwann glaubte er zu wissen, wo das Wasserwerk mit den geheimnisvollen Schildkröten zu finden ist.
Es dauerte über ein Jahr bis wir an einem sonnigen Oktobersonntag einen Ausflug nach Königstein unternahmen. Fest entschlossen die Schildkröten zu finden und wenn möglich auch zu fotografieren.
Eine größere Wanderung durch das wunderschöne Woogtal, durch ruhige Wohngegenden und eine längere Waldstrecke lag vor uns.
Leider ist das Wasserwerk nicht leicht zugänglich. Der einzige direkte Weg ist privat und die Benutzung für die Öffentlichkeit verboten.
Also mussten wir uns einen Weg quer durch den Wald, hoch und runter, kletternd, fluchend und fast aufgebend, suchen.
Wir waren auch fast davor es zu tun – aber wenn es um Schildkröten geht, kann ich sehr hartnäckig sein und wollte immer noch ein Stück und noch ein Stück, noch um diese Kurve, bis zum nächsten Baum etc. laufen.
Und plötzlich sahen wir es – ein kleines Gebäude, mehr ein aus dem Felsen herausragender Eingang aus Stein, mit dem daneben liegenden „Stoltze Plätzi“ *, eine Ruheoase im Wald mit Sitzbänken zum Ausruhen. Nur dazu hatte ich keine Zeit, denn ich wollte die Schildkröten am Wasserwerk suchen. Das war jedoch nicht so schwierig, wie ich dachte – sie fielen mir sofort ins Auge, denn sie schmücken rechts und links den Eingangsbereich, oberhalb der Tür.
Viel Zeit hatten wir nicht mehr, denn durch das dichte Blattwerk der Bäume und das weniger werdende Tageslicht war es schon etwas dunkel und so musste ich mich mit dem Fotografieren beeilen.
Ich kletterte auf die naheliegenden, mit Moos bewachsenen Felsen und Mauern, um den beiden wunderschön gestalteten Schildkröten ganz nah zu sein.

Die beiden Schildkröten, die den Dachaufsatz mit dem Königsteiner Wappen tragen, sind von steinernen Blättern umgeben. Ihre Köpfe schauen hervor und die Füße mit den langen Krallen sind deutlich zu erkennen. Sie haben etwas geheimnisvolles, ästhetisches, fast erhabenes an sich – sie wirken auf mich, wie Wächter aus einer anderen Zeit.
Bewachen Sie das Wasser, welches sich im Inneren des, in den Felsen gehauenen Stollen, befindet? Oder sind sie ein Hinweis auf die gute Qualität des Königsteiner Wassers, das in einem Artikel von „Ellengard Jung“ (Denkmalpflege Königstein e.V.) „als besonders geeignet für Aquarien“ beschrieben wird? Oder haben sie einen Bezug zu „Dr. Georg Pingler“ (1815-1892), den sogenannten Wasserdoktor, der als Begründer des Kurwesens in Königstein gilt und im Billtal eine Kaltwasseranstalt errichtete?

Viele Informationen konnte ich über diesen, für mich einzigartigen, Eingangsbereich des Königsteiner Wasserwerks (Billtalstollen) nicht herausfinden. Zu entdecken ist die Jahreszahl 1913 an der benachbarten Wasseraufbereitungsanlage. Und öfters werden auch die Jahreszahlen 1904/1905 erwähnt, als die Jahre, in denen der Stollen in den Berg geschlagen wurde.

* das „Stoltze-Plätzi“ – es wurde nach dem berühmten Frankfurter Mundartdichter „Friedrich Stoltze“ (1816-1891) benannt.

Bedanken möchte ich mich bei Herrn Hans Hartwig Wendel (AG Kulturlandschaft Königstein-Kronberg e.V.) für seine freundliche Unterstützung.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

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