Gras ist böse – ist das so? (Teil 2)

Teil 1 hier.

Da die meisten Gehegebauer wohl ein Stück vom Garten nutzen, das zuvor Wiese war, ist das Gras auch da. Das war bei mir genau das Gleiche. Es ist also sinnvoll, bei der Anlage neuer Gehege oder bei der Erweiterung bestehender Gehege die Grasnarbe zu entfernen, also die oberste Schicht, die etwa 10 bis 15 cm dick ist. Die Grasnarbe bietet allerdings einen guten Schutz gegen Erosion des Bodens, sie ist zugleich Lebensraum für zig Organismen, Insekten, Würmern, Asseln bis zu Mikroorganismen. Ihre Entfernung ist also ein zweischneidiges Schwert. Zudem ist in aller Regel der Kampf gegen das Gras damit allerdings nicht gewonnen. Gras kommt durch Selbstaussaat schnell wieder zurück.

Ich persönlich frage mich: Warum muss ich jeden Grasbüschel ausreißen? Jeden Grashalm niedermähen? Wozu?

Meine persönliche Konsequenz:
Ich muss das nicht, ich will das nicht, ich mach das nicht. Weil ich es nicht kann. Weil es ein aussichtsloses Unterfangen ist. Gras ist nicht böse.

Allerdings kommt es mir darauf an, das Gras in Grenzen zu halten – vollständig entfernen kann ich es nicht. Es säht sich sowieso wieder aus. Entscheidend ist für mich, wie die Bodenstruktur in den Gehegen insgesamt ist. Und nicht nur die Struktur des Bodens sondern des gesamten Geheges. Wichtig ist, dass die Böden schnell abtrocknen. Sowohl, an der Oberfläche, als auch in die Tiefe gehend, was heißt, dass der schwere Lehmboden unserer Region das Wasser nicht nur aufnimmt und lange speichert, sondern auch nach unten abführt. Angesichts der Starkregen und der Gefahr einer Gehegeüberflutung ist es besonders wichtig, nicht nur Abläufe zu schaffen sondern auch schnell abtrocknende Bereiche. Homogene Grasflächen gehören nicht dazu.

An besonders sensiblen Stellen, an denen sich schnell Pfützen bilden, bilden Kiesschichten in unseren Gehegen eine Drainage. Die Oberfläche des Geheges setzt sich aus freien Erdflächen, Bewuchs und steinigen Flächen zusammen. Und überall kommt immer wieder etwas Gras zum Vorschein.

Wird es zu viel, schneide oder reiße ich es büschelweise raus. Ansonsten kann es bleiben, wo es ist. Denn wie gesagt: Der Kampf, das Gras vollständig aus den Gehegen zu bekommen, ist so aussichts- wie sinnlos. Durch das Ausbringen von Kies und Schotter ist der Graswuchs allerdings erheblich zurückgegangen, manche Büschel scheinen mir auch längst nicht mehr so fest verwurzelt im Erdreich zu sein wie an anderen Stellen. Sie lassen sich relativ leicht mitsamt Wurzel herausreißen. Und wenn nicht, dann setzt es zwei drei Schnitte mit dem elektrischen Rasenkantenschneider und das Gras ist abrasiert.

 

Ja, es kommt wieder. Soll es. Ich verzweifle nicht daran. Und meine Schildkröten ganz offensichtlich auch nicht.

Gras kann also in meinen Gehegen, bei denen ich mich an den natürlichen Lebensräumen orientiere, bleiben, allerdings nur in Maßen, denn es wird bei weitem nicht so braun ist wie in den Mittelmeerländern, von Rekordsommern wie 2018 einmal abgesehen.

Eigentlich wird es den Sommer über gar nicht braun. Dazu regnet es im Großraum München einfach zu oft. Ende In diesem Jahr zum Beispiel gab es im Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli Dutzende schwerer Gewitter mit Starkregen, zum Teil mit Hagel und Überschwemmungen in Folge – also jeden zweiten Tag.

So verheerende Schäden wie in Nordthein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder im südöstlichen Teil Bayerns hatten wir nicht, aber auch im nahegelegenen Landshut stand die komplette Altstadt über Wasser.

In den Gehegen kommt bei dem vielen Regen das im ersten Teil bereits erwähnte Problem zum Tragen: Der Boden trocknet sehr langsam ab, er ist zu lange zu feucht und zu kalt. Gleichzeitig „explodieren“ die Pflanzen zu regelrechten Dickichten. Von Dürre und vertrocknetem, braunen Gras keine Spur.

Spätestens jetzt ist ein Eingreifen zwingend notwendig. Büsche müssten ausgeschnitten bzw. gekürzt werden, Grasflächen ausgedünnt, große Büschel entfernt werden, damit Sonnenlicht und Wärme die Erde und damit auch die Tiere schnell erreichen. Da sind dann schnell mehrere Säcke Biomüll voll, die zum Wertstoffhof gebracht werden müssen.
Gleichzeitig wird es unter Umständen auch wieder nötig, an einigen Stellen eine neue Kiesschicht auszubringen.

Fazit:

Wenn Sie im Netz lesen, das Gras müsse weg, dann ist das zwar prinzipiell nicht falsch, aber eben auch nicht richtig, zumindest meiner Meinung nach. Nicht jeder Büschel, nicht jeder Halm muss radikal entfernt werden. Erst, wenn es wirklich zu viel wird.
Gras ist nicht per se böse – lassen Sie sich da bloß nichts einreden.

Text und alle Bilder: Lutz Prauser. Alle Rechte beim Autor.

1 Kommentar


  1. Ich habe sehr schmunzeln müssen beim lesen, genauso wie beschrieben halte ich es mit dem rupfen con Ackerwinde und Giersch im Garten–)
    Einfach mal bewusst werden lassen dass man sowieso keine Chance hat, den Wuchs in Grenzen halten und ab und an mal gründlich durchzupfen. Da lebt man doch gleich entspannter MIT dem Unkraut als sinnlos dagegen anzukämpfen

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