Wenn aus einem Gehege ein Teich wird

Von Barbara Hentschke

Seit 1999 halte ich Schildkröten in Wuppertal. Seit 2007 ganzjährig draußen im Gehege mit beheizbarem Gewächshaus. Mein Gehege ist rund 100 qm groß und leicht abschüssig zur Gehegeeinfriedung, eine gemörtelte Steinmauer.
Ich fühlte mich immer so sicher. Liegen wir doch auf dem höchsten Punkt von Wuppertal. Auch 2018 während einer durch Starkregen ausgelösten Flutkatastrophe sind wir ohne Schaden davon gekommen, während unten im Tal Land unter war. Ich dachte, gut dass ich vor so einem Wassereinbruch verschont bleiben werden. Wir wohnen ja hoch genug.

Falsch gedacht.

Am späten Nachmittag des 14. Juli 2021 hat es uns erwischt, den ganzen Tag Starkregen und es wurde immer schlimmer. Bei einem Gang ins Gewächshaus sah ich, dass sich das Grundwasser schon nach oben drückte.
Noch war alles im grünen Bereich. Ich habe Steinplatten verlegt, damit die Tier nicht im feuchten und mittlerweile leicht schlammigen Bodengrund sitzen müssen.
Am Abend gegen 19.00 Uhr war dann Schicht im Schacht. Das Gehege stand unter Wasser und gegen 19.30 Uhr fehlten noch genau 2 cm dann wäre das Wasser durch die Eingänge ins Gewächshaus gelaufen. Jetzt mussten wir schnell handeln. Die „ideale“ Gehegeeinfriedung war der Knackpunkt. Das Wasser konnte nicht abließen.


Mein Mann hat die Gehegeeinfriedung unterbrochen, damit das Wasser ablaufen kann. Zusätzlich hat er Drainagen vor den Eingängen gegraben, damit das Wasser dort in Richtung der unterbrochenen Gehegeeinfriedung abfließen konnte. Anfangs war die Regenmenge größer als die Wassermenge die abfloss. Der Abstand des Wassers zu den Eingängen war gegen 20.00 Uhr auf 1 cm geschrumpft. Vorsichtshalber habe ich in der Garage schon eine Notunterkunft für meine Schildkröten hergerichtet. Jetzt half nur noch hoffen und beten, dass der Starkregen nachlässt.

Wie durch ein Wunder erreichte das Wasser dann doch nicht die Eingänge. Der Regen wurde tatsächlich weniger, der Wasserpegel sank langsam aber stetig. In der Nacht habe ich im Stundentakt das Gewächshaus kontrolliert, immer in der Sorge, dass ich die Tiere evakuieren muss.

Morgens dann Entwarnung, dass Wasser war abgeflossen und das Gehege kein Teich mehr. Um 6.00 Uhr in der Frühe habe ich das Gehege aufgeräumt. Steinplatten hatte ich ja schon abends im Gewächshaus verleg. Das Gewächshaus war heute morgen immer noch sehr nass, aber bewohnbar, sodass die Tiere dort verbleiben können.

Mein Fazit aus dieser Geschichte:

Egal, wie sicher man sich fühlt, man muss Vorsorge treffen, dass das Gehege nicht geflutet werden kann. Nächste Woche fahren für für 2 Wochen in Urlaub. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn so eine Flut während unserer Abwesenheit passiert wäre. Unsere Kinder wären mit so einer Situation total überfordert gewesen. Ob das Wasser so hoch gestiegen wäre, dass meine Schildkröten ertrunken wären? Ich bin mir nicht sicher. Deshalb haben die Öffnung der Einfriedung jetzt so gelassen, damit künftig dort das Wasser abfließen kann. Hier wird noch nachgearbeitet, aber ein Überfluten des Geheges dürfte jetzt nicht mehr vorkommen.

Trotz dieser unschönen Erfahrung sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Unser Haus wurde verschont. „Nur“ das Gehege stand unter Wasser. Die Bilder und Filme, die ich aus Wuppertal gesehen habe, zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe. Land unter im Tal. Und nicht nur dort.
Vorsichtshalber wurde in einigen Gebieten der Strom abgeschaltet, die Menschen sitzen da seit Stunden ohne Strom. Viele Menschen habe ihr Zuhause, ihr Hab und Gut verloren und sitzen jetzt in Turnhallen und harren der Dinge. Es sind so viele Menschen gestorben. Das macht mich sehr traurig.

Wir hatten großes Glück und ich bin dafür unendlich dankbar. Meine Schildkröten hatten auch Glück, waren wir doch da und konnten eingreifen. Und ich habe Glück, dass mein Mann bei Starkregen draußen alles dafür getan hat, um meine Schildkröten vor einer Evakuierung zu retten.

An dieser Stelle möchte ich es einfach mal Danke sagen. An meinen Mann und an alle Männer und Frauen, die ihren Partnern uneingeschränkt zur Seite stehen und helfen. Das ist nicht selbstverständlich, das ist großes Glück.

Bis ganz bald, Eure Barbara

Text und alle Bilder: Barbara Hentschke. Alle Rechte bei der Autorin

1 Kommentar


  1. Was für ein Glück 🙏🏻

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