Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 89)

In den letzten Monaten haben wir uns viele interessante Schildkrötendarstellungen in Deutschland angeschaut. So langsam wird es mal wieder Zeit einen Blick in andere Regionen zu werfen.

So werden wir in diesem Monat mit einem unserer beliebtesten Urlaubsziele, nämlich Spanien, beginnen.

Vor langer Zeit erzählte mir mein französischer Schildkrötenfreund von einem Brunnen mit einer Schildkrötendarstellung in Sevilla. Ich war schon öfters in Sevilla, hatte aber nie genug Zeit den Brunnen zu besichtigen. Ich kannte den „Fuente de las Ranas“ im „Parque de María Luisa“ nur von Abbildungen.

Durch unsere Recherchen entdeckten wir, dass es zwei weitere, sehr ähnliche Brunnen gibt. Der eine befindet sich in Mexiko City und der andere in Santa Cruz auf Teneriffa.

Und auf Teneriffa, für mich die schönste und vielfältigste Kanareninsel, wollten wir ohnehin mal wieder Urlaub machen.

Wir planten unseren Aufenthalt so, dass wir ein paar Tage im Norden und ein paar im Süden verbringen konnten.

Neben Santa Cruz de Tenerife wollten wir auch den bekannten „Loro Parque“ in Puerto de la Cruz (ebenfalls im Norden der Insel) besuchen, denn auch dort gibt es, neben vielen Papageien und anderen Tieren, Schildkröten.

Aber zurück zu unserem Brunnen.

Mitten in der Altstadt von Santa Cruz, in einer „besseren“ Gegend, befindet sich ein kleiner, ruhiger und wirklich schöner Platz zum verweilen.

Bunte Keramikbänke, große schattenspendende Bäume und Blumen schmücken ihn.

In der Mitte dieses Platzes, der offiziell „Plaza de 25 de Julio“ heißt, aber nur als „Plaza de los Patos“ bekannt ist, befindet sich ein runder Brunnen.

Auch er ist mit kleinen glasierten Keramikfliesen verziert – wir entdecken Blüten, Ranken,Vögel und geometrische Muster – stark am Jugendstil orientiert. Auf dem Beckenrand sitzen acht grüne Keramikfrösche. Üblicherweise spucken sie Wasser, diesmal jedoch nicht. Das Becken ist recht leer, was sich für uns als Vorteil herausstellt.

Wir nehmen dieses friedliche Bild in uns auf und nähern uns dem Beckenrand. Ein langer Hals, ein nach oben gereckter Schnabel (leider auch ohne Wasser zu spucken) und geöffnete Flügel lugen aus der Brunnenmitte hervor.

Sie gehören zu einem bronzenen Gänsevogel (manchmal als Ente, manchmal als Gans tituliert), der auf einer sehr gut zu sehenden Wasserschildkröte steht.

„Plaza de los Patos“ heißt auf deutsch „Entenplatz“ und so kommt uns natürlich der Gedanke, dass es sich hier um eine Ente handelt.

Aber daher stammt der Name wahrscheinlich nicht, denn Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein anderer Brunnen, der einem Tümpel glich. Enten benutzten ihn als Badeplatz, so dass sich der Name „Entenplatz“ einbürgerte.

Im Jahr 1906 legte König Alfonso XIII den Grundstein zu diesem Brunnen. Erst einige Jahre später (die Jahresangaben unterscheiden sich erheblich) wurde der Brunnen von dem Keramikmeister „Manuel García Montalván“ (1876-1943) nach dem sevillanischen Vorbild gestaltet. Da das Geld knapp war, wurde der Brunnen teilweise durch private Geldspenden finanziert. Als Dank durften die Geldgeber, auf den Keramikfliesen der Bänke, für ihre Unternehmen werben.

Der Platz mit seinem idyllischen Brunnen wurde inzwischen mehrmals restauriert, zuletzt im Jahr 2018.

Ganz in der Nähe dieses Platzes liegt der circa 7 Hektar große „Parque García Sanabria“, der durch seine Gestaltung und Pflanzenvielfalt einem botanischen Garten gleicht. Der Parkbesuch ist, für eine Erholung zwischendurch, sehr zu empfehlen und nebenbei gibt es noch viele Skulpturen und Plastiken zu bewundern.

Ja, und auch hier gibt es eine Schildkröte – eine Landschildkröte aus Bronze, die wir etwas versteckt inmitten von Büschen und Bäumen unter einer Pergola entdecken. Wieder mal ganz zufällig!

Die Schildkröte krönt zwei Betonprismen (ca.1,80 m hoch), die auf einem Sockel stehen. Ein Thermometer ist noch zu sehen und ein kleiner Bronzefuß – der Rest fehlt. Natürlich stellen wir uns die Frage, was das wohl war und werden im Internet fündig.

Die Schildkröte gehört zu einem Betonkunstwerk mit dem Namen „Monumento alusivo al clima“, des Architekten „José Blasco Robles“ (1904-1986). Die Skulptur war dem Klima von Teneriffa gewidmet und wurde durch einen großen filigranen Himmelsglobus ergänzt. Die Kugel war mit den Tierkreiszeichen und einer Karte von Teneriffa verziert.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

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