„Ich kann gar nicht sagen, wie viel Zeit ich in das Projekt gesteckt habe…“ – Interview mit Torsten Kiefer

Seit Kurzem ist das Buch Freigehege für Europäische Landschildkröten. Ein Leitfaden für eine naturnahe Haltung im eigenen Garten von Torsten Kiefer & Thorsten Geier im Markt erhältlich. Es ist der dritte Band in der Reihe der Ratgeber zur Haltung Europäischer Landschildkröten. Wir sprachen mit dem Autor Torsten Kiefer.

Lieber Torsten, vorab: Thorsten Geier und Dir einen herzlichen Glückwunsch zu diesem Buch. Besonders imponiert hat mich beim Lesen eine Formulierung in einer Bildunterschrift: „Schildkrötenhaltung bedeutet viel mehr als eine ,bloße‘ Aufbewahrung im Garten“. So knapp, so präzise auf den Punkt gebracht. Über 240 Textseiten nehmt Ihr Euch viel Zeit und Platz, zu erklären, was Ihr unter diesem „Viel mehr“ versteht, nämlich?

Vielen Dank für die Glückwünsche.
Bei einer „bloßen Aufbewahrung im Garten“ wird das Tier in den Garten gesetzt und dann „nach mir die Sinnflut“ (mal etwas krasser ausgedrückt). Setzt man sich aber gewissenhaft mit der Schildkrötenhaltung auseinander, ist das so viel mehr!

Dieser tiefgründige Satz (hat übrigens Herr Geier rausgehauen) hat eigentlich für mich zweierlei Bedeutung:
Es ist für mich zum einen sehr wichtig, diesen faszinierenden Tieren einen möglichst naturnahes Freigehege anzubieten.
Dazu gehören für uns der richtige Standort, die passende Größe, Einrichtung und solch elementare Dinge wie Frühbeet/Gewächshaus mit der entsprechenden Technik. Strukturierungen mit Steinen, Holz etc. und Trockenplätze zur Thermoregulierung gehören für uns ebenso zu einen naturnahen Haltung der Panzerträger.
Der zweite Punkt steht nicht im Buch, aber trifft wohl auf so viele Schildkrötenhalter zu, die diesem Hobby mit Herzblut betreiben:
Seit 20 Jahren halte ich griechische Landschildkröten und bin mit den Aufgaben gewachsen (und tue es ja immer noch).
Um unseren Tieren ein möglichst habitatähnliches Gehege zu bieten, habe ich vieles ausprobiert und mir selbst Dinge angeeignet, von denen ich vor Jahren null bis wenig Ahnung hatte.
In den Jahren meiner Haltung wurde ich so zum Garten- und Landschaftsbauer, Maurer, Elektriker, Botaniker und tatsächlich jetzt auch noch Autor eines Ratgebers.
Die verantwortungsvolle Schildkrötenhaltung ist für mich also so viel mehr als nur die bloße Aufbewahrung im Garten. Und das Schöne dabei ist: Auch jetzt lerne ich immer noch noch dazu und versuche meine Haltung weiter zu optimieren und das angeeignete Wissen weiter zu geben.
Ich denke, bei meinem Co-Autor trifft das im Großen und Ganzen so auch zu..:-)

Beim Verfassen des Buches hattet Ihr doch bestimmt eine Vorstellung, welche Leserinnen und Leser erreichen wolltet. Für wen habt Ihr das Buch geschrieben?

Mit unserem Buch möchten wir eine möglichst breite Leserschaft erreichen, die sich mit dem Thema „europäische Landschildkröten“ beschäftigt. Der Anfänger wird vom Aussuchen des geeigneten Platzes, Arbeiten im Gehege nach Jahreszeiten bis zur Technik, Gruppenzusammenstellung von Anfang an die Hand genommen.
Der Fortgeschrittene Halter kann anhand von Beschreibungen des Gehegebaus, Technik, Frühbeet etc. seine bestehende Haltung hinterfragen und ggf. optimieren.
Also auch „alte Hasen“ werden sicher nicht enttäuscht sein.
Abgerundet wird das Ganze mit anschaulichen Bildern und einigen, richtig tollen Gehegebeispielen.

In den sozialen Medien nehmen Fragen und Diskussionen zum Gehegebau in den einschlägigen Schildkrötengruppen breiten Raum an. So viele Fragen, so viele Meinungen, die zum Teil mit großer Vehemenz auf- und gegeneinander prallen? Wo möchtet Ihr Euch da mit Eurem Buch einordnen?

Für uns steht die Natur an erster Stelle. Gerade das Vorbild der Natur gibt schon sehr viele Antworten und die richtige Richtung. Aber zugegeben ist es manchmal schwer, hier eine „goldene Mitte“ zu finden. Von daher haben wir einige Punkte sehr detailliert beschrieben, manchmal auch wiederholt. Zum Beispiel das Thema Kalksteine, Schotterwüste etc. haben wir (teils kritisch) betrachtet und den Lesern verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung gezeigt.

Lass uns bitte auch ein klein wenig „hinter die Kulissen schauen“. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit mit Thorsten Geier?

Thorsten und ich kennen uns schon seit einigen Jahren. Er war z.B. bei unseren Schildkrötentreffen im Hunsrück 2013 und 2017 zu Besuch.
Auf die Idee mit dem Buch kam ich im Sommer 2020. Ausschlaggebend war eine Schildkrötenexkursion im Mai 2019 auf Mallorca. Nachdem ich dort Schildkrötenhabitate besucht hatte, war für mich klar, unsere Gehege nochmals zu optimieren. Also bestellte ich paar Tonnen Kalkschotter und begann im Frühjahr 2020 die Gehege mit dem Schotter umzugestalten. Die Arbeiten hatte ich auf meiner Homepage und hier auf deiner tolle Seite dokumentiert. Thorsten fand das so gut, dass er fragte, ob ich für seine Zeitschrift Schildkröten im Fokus was dazu zu schreiben möchte.

Der Artikel kam dann auch gut an und da reifte bei mir der Plan: „Wieso nicht den Gehegebau mit allen Facetten komprimiert in einem Buch zu zeigen?“
Also schrieb ich Thorsten an und fragte, was er von dieser Idee hält.
Herr Geier war Feuer und Flamme und sagte mir, das ihm die selbe Idee vorschwebte und fragte mich nun, ob wir dieses Projekt nicht zusammen angehen sollten?
Jetzt war ich Feuer und Flamme und sagte sofort zu. Ist ja schon ein kleiner Ritterschlag, wenn ein absoluter Schildkrötenexperte, Autor und Verleger mir eine Zusammenarbeit anbietet.
Und so kam das Ganze ins Rollen.

Ihr habt unglaublich viele Informationen und phantastische sowie aussagekräftige Bilder zusammengetragen und sehr systematisch nach Themen geordnet. Viele Leute haben Euch dabei unterstützt, wie man der Danksagung entnehmen kann. Wie viel Arbeit habt Ihr in dieses Projekt gesteckt – und wie viel Zeit? Und wie habt Ihr es geschafft, bei der Fülle an Material, Informationen und vor allem Meinungen immer den roten Faden im Blick zu halten?

Ja…es war bisserl Arbeit, aber hat unheimlich viel Spaß gemacht!
Für uns gibt es vier Punkte, die für eine naturnahe Haltung von europäischen Landschildkröten unbedingt eingehalten werden sollten.
1. ganzjährige Freilandhaltung
2. Schutzhaus, sprich Frühbeet/Gewächshaus
3. Technik (je nach Gebiet mehr oder weniger im Einsatz)
4. Pflanzen (Gehegepflanzen, Futterpflanzen für eine natürliche Ernährung), Strukturierung
Um diese 4 Eckpunkte bzw. Grundgerüst haben wir dann erst mal alles zusammengetragen (oder ganz modern: Brainstorming) was alles zu Haltung noch benötigt wird bzw. welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen (Bsp: Vorabüberlegungen).
So haben wir dann unsere einzelne Kapitel zusammengetragen, ergänzt oder mal in der Reihenfolge geändert. Aber immer mit dem Blick auf das Grundgerüst. So konnten wir uns sehr konzentriert durch das Buch arbeiten ohne uns nicht zu „verzetteln“
Nach dem Schreiben der einzelnen Kapiteln haben wir für jedes Kapitel in der Dropbox einen Ordner angelegt und jeder hat alles an Bilder in die Ordner geschoben, was eben mal so auf dem Rechner oder auf den Festplatten lag.
Natürlich hatte Thorsten dank seiner riesigen Sammlung bei den Bildern paar kleine Vorteile..:-)
Nachdem alles an Bildern drin war, haben wir uns dann (natürlich Corona-konform) an einem Sonntag virtuell zusammengesetzt und haben eine Auswahl für das Buch getroffen.
Uns ist es sehr wichtig zu zeigen, dass wir nicht nur unsere beiden Schildkröten-Gehege als sehr gelungen ansehen. Es gibt so viele andere Schildkrötenfreunde, die vorbildliche Gehege haben. Und deswegen haben wir beispielsweise ein eigenes Kapitel in das Buch aufgenommen, welches als „Gehege-Galerie“ zusätzliche Beispiele zeigt.
Angefangen hatten wir im Sommer letzten Jahres und hatten im Januar diesen Jahres die Kapiteln fertig geschrieben und eine Bilderauswahl getroffen. Dann ging es zum Lektor, anschließend zur Grafikerin. Danach noch Korrekturlesen, paar Veränderungen und auf einmal hieß es: “Fertig“
Was ein Moment!!
Ich kann gar nicht sagen, wie viel Zeit ich in das Projekt gesteckt habe. An Sonntagen oder an meinen freien Tagen saß ich am Laptop und war am Schreiben. Ab und zu hatte ich auch den Laptop auf der Arbeit und schrieb in den Mittagspausen.
Meine Frau Sonja musste mich das eine oder andere mal aus dem Büro zerren, weil ich an manchen Tagen so im Tunnel war, dass ich Zeit und Ort vollkommen vergaß, aber diese Zeit war super toll und sehr lehrreich.

Und jetzt? Kommt nach der Veröffentlichung der große Blues, „die große Leere“ oder geht es mit vollem Schwung in neue Projekte? Was, von dem Du schon erzählen möchtest steht als Nächste an?

Bestimmt keine große Leere..:-)
Seit 2014 habe ich ja meine Homepage, die ich regelmäßig mit Inhalten fülle. Den einen oder anderen Artikel habe ich für andere Homepage oder für die Zeitschrift Schildkröten im Fokus bereits geschrieben.
Mein Lieblingsprojekt, das mich mein Leben begleiten wird, sind natürlich unsere Schildkröten bzw. Schildkrötengehege. Hier wird die Arbeit nie enden, da immer wieder Optimierungen anstehen und somit immer Nachschub für meine Homepage (oder andere..:-)..) geben wird.
Neben griechischen Landschildkröten halten wir bei uns im Hunsrück ja noch ostafrikanische Spaltenschildkröten, die uns auch sehr viel Freude bereiten.
Ob es noch weitere Projekte gibt bzw. in Planung sind?! (in gedruckter, gebündelter Form!).
Wie sagen wir bei uns im Hunsrück:
„da gugge ma mol“..:-)

Vielen Dank für Deine Antworten. Euch beiden viel, viel Erfolg mit diesem tollen Buch.


Freigehege für Europäische Landschildkröten. Ein Leitfaden für eine naturnahe Haltung im eigenen Garten
von Torsten Kiefer & Thorsten Geier

253 Seiten, 268 Fotos, 10 Abb., 1. Auflage 2021, ISBN 978-3-944484-28-0, € 19,80
Erscheinungstermin: 20.05.2021

Das neue Buch über Freigehege erscheint am 20. Mai 2021 und ist bereits über die Verlagswebsite vorbestellbar.

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