Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 87)

Unsere nächste Safari führt uns in die Pfalz und ein bisschen muss ich hierfür ausholen….

Vor über 15 Jahren nahm ich an der hiesigen Volkshochschule an einem deutschen Rotweinseminar teil. Unter anderem wurde der Rotwein eines jungen Winzers aus Bad Dürkheim vorgestellt. Dieser Wein hatte so viel Potential und machte mich neugierig – auf die Stadt und natürlich auch auf den Winzer.
Und so machten wir dann irgendwann einen Ausflug in die circa 120 Kilometer entfernte Kurstadt, denn sicherlich gab es dort einiges mehr zu entdecken.
An viele Einzelheiten meines ersten Besuches kann ich mich nicht mehr erinnern, Stadtbilder verändern sich ständig, aber es gefiel mir so gut, dass wir bis heute immer mal wieder hinfahren.

Natürlich besuchten wir damals den Winzer, schauten uns aber auch die Innenstadt mit seinem Kurbereich und dem Kurpark an.
Und wie schon so oft, auch wenn es unglaubwürdig erscheint (es musste wahrscheinlich so sein), entdeckte ich auch dort eine Schildkröte. Und was für eine!
Noch heute finde ich diese Darstellung ausgesprochen schön und sehenswert. Sie strahlt so viel Lebensfreude und Glück aus, was sich sofort auf den Betrachter überträgt.

Von der Innenstadt ist es nur ein kleines Stück Fußweg zum oberen Kurpark, und gleich beim Betreten dieses Bereiches fällt der obere Teil des einzigartigen „Valentin-Ostertag-Brunnen“ auf.
Mittig, vor einer halbrunden Balustrade, befindet sich ein kleines Wasserbecken mit Stele und einer Brunnenschale, die als Muschel dargestellt wird. Flankiert wird dieses Becken, am jeweiligen Ende der Balustrade, durch zwei große Steinfiguren.
Links befindet sich auf einem Sockel ein großer Fisch, auf dessen Rücken ein Knabe sitzt. Mit der einen Hand stützt er sich auf dem Fischkörper ab, und in der anderen Hand hält er einen Blüten- und Blätterkranz.

Auf der rechten Seite, ebenfalls auf einem Sockel, befindet sich eine Riesenschildkröte mit erhabenem Haupt. Sie dient als Reittier für einen Knaben, dessen Beine als zwei Fischschwänze dargestellt werden.
Der Knabe lacht aus vollem Herzen, trägt ein Blütenkranz im Haar und ein Füllhorn, mit Trauben und anderen Früchten gut gefüllt, im linken Arm. Mit der rechten Hand berührt er den Kopf der Schildkröte, die sehr detailgetreu dargestellt ist.

Auf jeder Seite der Anlage führt eine große Steintreppe nach unten. Diese wird mit Schnecken und Fruchtkörben geschmückt.
Unten erwartet uns ein größeres Becken, und hier entdecken wir Frösche aus Stein und als Überraschung auch in echt.

Er ist wirklich schön anzuschauen, dieser Brunnen aus Sandstein und Muschelkalk, der im Jahr 1909 eingeweiht und im Historismus und Jugendstil von der Münchner Bildhauerwerkstatt Pezold und Düll gefertigt wurde.

Benannt wurde er zu Ehren von „Valentin Ostertag“, um den sich eine Legende rankt. Ein Dürkheimer Junge aus armen Verhältnissen (um 1450 geboren), der Gänse hütete, wurde von wohlhabenden Bürgern unterstützt, so dass er die Schule besuchen und sogar studieren konnte. Aus dem kleinen Gänsehirten wurde ein angesehener Jurist.
Aus Dank dafür gründete seine Frau nach seinem Tod eine Stiftung (1511), die begabten, aber armen Schülern, einen Schulbesuch ermöglichen sollte. Die Stiftung existiert noch heute. Am 14.2., dem Valentinstag, wird an Valentin Ostertag gedacht und jeder Dürkheimer Viertklässler erhält einen „Veltensweck“ zum Essen.

Ein Bild des „Valentin Ostertag“ als Gänsehirt mit seinen Gänsen kann der Besucher an der Stele des kleinen Brunnenbeckens bewundern. Dieses Relief wurde im Jahr 2000 von dem Pfälzer Bildhauer „Mathias Nikolaus“ erneuert.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

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