Plötzlich wieder da – eine verschwundene Schildkröte

Hannelore Müller ist Stammleserinnen und -lesern der Testudowelt-Seite bestens als Autorin diverser Beiträge wie zum Beispiel: Schrecklich, grausig, eklig, ungesund – oder einfach Natur? oder Nr. 11 – oder „vom Ei zur Schildkröte“ bekannt. Im Sommer 2020 hat sie Ihr Buch
Ein ziemlich anderes Buch über Griechische Landschildkröten (Östliche Unterart, Thb) vorgelegt, über das Sie sich hier informieren können.
Fünf Abschnitte daraus hat sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen sie gekürzt und in loser Folge. Die vollständigen Texte, viele Bilder, Erlebnisse und viel Wissenswertes finden Sie in ihrem Buch.

 

Von Hannelore Müller

Als ich – bis vor ein paar Jahren – im Herbst meine Gehege nie verkleinert habe, ist es einige Male passiert, dass sich eine Schildkröte nicht in der Erde unter dem Frühbeet, sondern irgendwo im Gehege für den Winter eingegraben hat. Im Frühjahr lag das vermisste Tier dann plötzlich – viel später als die anderen – in der Sonne. Ich wusste nicht, welches Versteck es für den Winter gewählt hatte.

Als mir das zum letzten Mal passiert ist, hat mich wieder im Frühjahr eine gewisse Unruhe, verbunden mit Hoffen und Bangen, täglich ins Gehege getrieben. Ich habe den Boden ganz genau nach Veränderungen abgesucht.

Endlich fiel mir am 10. Mai eine Erhebung auf:

Die Oberfläche wölbt sich leicht.

Vorsichtig hebe ich die Grasnarbe auf.

Das Schildkrötenversteck lag auch im Mai noch im Schattenbereich des Geheges, daher wohl dauerte es zwei ganze Tage, bis sie vollkommen aus der Erdhöhle herausgekrochen war.

Ich habe nicht vermutet, dass sich eine Schildkröte in einem so freien Bereich vergräbt anstatt unter einem Strauch, an einer Wand oder unter einem Stein. Wie alle meine anderen unbeabsichtigt wild vergrabenen Schildkröten war sie wohlauf.

Das kleine Kapitel habe ich (leicht verändert) meinem Buch entnommen.

Text und alle Bilder: Hannelore Müller. Alle Rechte bei der Autorin

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