Die Geschichte von Susi

Hannelore Müller ist Stammleserinnen und -lesern der Testudowelt-Seite bestens als Autorin diverser Beiträge wie zum Beispiel: Schrecklich, grausig, eklig, ungesund – oder einfach Natur? oder Nr. 11 – oder „vom Ei zur Schildkröte“ bekannt. Im Sommer 2020 hat sie Ihr Buch
Ein ziemlich anderes Buch über Griechische Landschildkröten (Östliche Unterart, Thb) vorgelegt, über das Sie sich hier informieren können.
Fünf Abschnitte daraus hat sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen sie gekürzt und in loser Folge. Die vollständigen Texte, viele Bilder, Erlebnisse und viel Wissenswertes finden Sie in ihrem Buch.

 

Von Hannelore Müller

Es gab einmal einen älteren Herrn, der seit Jahrzehnten eine Griechische Landschildkröte im Garten hielt. Die Schildkröte grub sich jeden Herbst irgendwo in der Hecke für den Winter ein.
Der Herr lernte Anfang der 90er Jahre die Schildkrötenhalterin Karin, kennen. Sie stellte fest, dass seine Susi ein Männchen ist. Karin, die nur eine weibliche Schildkröte, Lara, besaß, lieh dem Herrn ihre Lara für eine Saison aus, da beide gerne einmal kleine Schildkröten haben wollten.
– Seit für unsere Griechischen Landschildkröten eine Meldepflicht bei der Behörde eingeführt wurde, darf man sie ohne deren Erlaubnis nicht an einen anderen Ort bringen. Außerdem kennen wir heutzutage auch die Gefahr der Krankheitsübertragung. –
Lara legte befruchtete Eier. Meine Susi ist ein Enkelchen von der männlichen Susi.


Später hat Karin die Schildkröte Lara an diesen Herrn verkauft.
Dort wurde sie nach einigen Jahren von dem Männchen Susi schwer verletzt (Paarhaltung funktioniert selten gut.). Sie landete bei einem Tierarzt, der ihr die Fortpflanzungsorgane und einen Teil des Darms entnehmen musste.

Entschuldigung, lieber Leser! Meine Susi möchte selbst weiter erzählen:

„Lara ist meine Großmutter. Sie hat sich erholt, wurde aber vom Tierarzt aus in eine andere Haltung vermittelt, wo kein Männchen lebt.

Der ältere Herr hatte einige Nachzuchtjahrgänge von dem Weibchen, so auch meine Mutter. Die meisten Jungtiere starben während der Winter. Der Mann wurde älter und älter, das Gartentor wurde nicht immer verschlossen, die Schildkröten entwichen, einige wurden immer wieder von Nachbarn zurück gebracht.

Mein Leben war sehr stressig. Ich hatte einfach viel zu viele Brüder/Väter. Und alle wollten sich mit mir paaren. Ich war zum einen noch viel zu jung dazu, zum anderen taten sie mir weh.

Ich habe mich deshalb tagsüber oft eingegraben, irgendwo im zum Glück großen Garten. Erst wenn die Männchen schlafen gegangen waren, bin ich ins Freie gekommen und habe etwas gefressen.
Schließlich suchte der Herr bei der Behörde Hilfe, denn er wollte uns alle abgeben, nur das Männchen Susi sollte im Garten bleiben. Susi würde mit dem Haus verkauft werden. Der Herr wollte ins Altersheim umziehen.

Auf diese Weise kam ich zu meinem Menschen hier hin, wo ich jetzt gerade Eier gelegt habe. Als ich hier ankam, durfte ich mich erst einmal in einem kleinen Gehege erholen, ganz allein. Meine Verletzungen wurden behandelt und eine Wurmkur war nötig. Ich konnte mich sonnen, ohne gestört zu werden. Ich konnte fressen, so viel ich wollte und wann ich wollte.

Im Gedenken an meinen Großvater nannte mein Mensch mich Susi. Das gefällt mir. Nach fast einem Jahr Quarantäne durfte ich zu den anderen Schildkröten. Ich bin hier auch gut gewachsen, denn ich wollte natürlich Eier legen können. Wir dürfen ja schließlich nicht aussterben!“

Ich möchte noch ergänzen, dass Susi gestern Eier gelegt hat. Ich lauerte mit dem Fotoapparat und hatte tatsächlich nach dem achten Ei für einen kurzen Augenblick sehr gute Sicht auf das Gelege.

Susi hat acht Eier gelegt.

Es folgte noch ein neuntes Ei. Eines hat ein Loch.

Es ist erstaunlich, wie viele Eier so eine Schildkröte in sich tragen kann. Nach der Eiablage wog Susi 1.460 g.

 

In meinem meinem Buch erzählt Susi ebenfalls ihre Geschichte.

Text und alle Bilder: Hannelore Müller. Alle Rechte bei der Autorin

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