Winter, oder? Maxi, Emma und Mixa

Hannelore Müller ist Stammleserinnen und -lesern der Testudowelt-Seite bestens als Autorin diverser Beiträge wie zum Beispiel: Schrecklich, grausig, eklig, ungesund – oder einfach Natur? oder Nr. 11 – oder „vom Ei zur Schildkröte“ bekannt. Im Sommer 2020 hat sie Ihr Buch
Ein ziemlich anderes Buch über Griechische Landschildkröten (Östliche Unterart, Thb) vorgelegt, über das Sie sich hier informieren können.
Fünf Abschnitte daraus hat sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen sie gekürzt und in loser Folge. Die vollständigen Texte, viele Bilder, Erlebnisse und viel Wissenswertes finden Sie in ihrem Buch.

 

Von Hannelore Müller

Im Jahre 1996 habe ich Maxi, als sie einen Tag alt war, von meiner damaligen Schildkrötenfreundin Karin geschenkt bekommen. In dem Jahr schienen die Eier von meiner Micki unbefruchtet gewesen zu sein, so hatte ich keine Kleinen.

Karin pflegte seit einem Jahr eine junge maurische Landschildkröte, Emma, die nicht selbst fraß. Sie wurde ihr gebracht, da die bisherige Halterin kein Interesse mehr an ihr hatte. Das Tier war die einzige überlebende Schildkröte von fünfen nach einer falschen, frostigen Überwinterung.

Emma schien blind zu sein, evtl. durch den Frost. Karin hatte keine Lust mehr, das Tier weiter zu pflegen und so übernahm ich es. Emma wurde zunächst im Terrarium gehalten. Weil sie nicht alleine sein sollte, schenkte Karin mir eine ihrer Nachzuchten. Unsere Tochter Petra (8 Jahre alt) hat das Tierchen ausgesucht. Es war das größte der Kleinen und so taufte Petra es Maxi.

Maxi legte im Jahr 2007, elfjährig, die ersten Eier. Es waren sehr kleine Eier, die ich nicht bebrüten wollte. Aber Petra bat mich, wenigstens eines zu bebrüten, und mein Mutterherz wurde weich. So gab es bald die Mixa.
Mixa wollte ich nie verkaufen, da sie mein einziges Schildkröten-Enkelchen ist. Petra, inzwischen längst flügge und ausgezogen, würde, wenn sie denn einmal einen Garten hätte, Maxi und Mixa zu sich nehmen. So unsere damaligen Gedanken.
Maxi legt keine Eier mehr seit 2015. Sie gräbt während der Legesaison zwei oder drei Nistgruben, meist, wenn andere Weibchen auch graben, oft dicht neben dem anderen Weibchen. Sie verschließt die Nistgruben auch vorschriftsmäßig. Aber sie legt keine Eier.

2015 ließ ich sie erstmals untersuchen und röntgen: ohne krankhaften Befund. 2018 schlug der Tierarzt eine Blutuntersuchung vor, um vielleicht die Ursache dafür zu finden, warum sie keine Eier legt. Aber die Blutwerte waren in Ordnung.

Ein Sprung zurück: Emma wurde wegen ihrer Augen in der Uniklinik Berlin untersucht mit dem Ergebnis, dass der Sehnerv keine Verbindung zum Gehirn hat. Nachdem ich sie eineinhalb Jahre gepflegt hatte, brachten Karin und ich sie gemeinsam zum Tierarzt, und sie wurde eingeschläfert. Ich überließ sie dem Tierarzt zur Sektion. Ihre Organe waren durchsetzt und überzogen von Harnsäurekristallen. Frostschaden? Es ließ sich nicht mehr klären.

2015 meldete sich eine Interessentin für Schildkröten. Sie hatte meinen Blog im Internet entdeckt, und ihr gefiel es, wie ich meine Schildkröten halte und wie ich darüber berichte. Sie hatte bereits Schildkröten, wir tauschten Fotos aus. Die Haltung gefiel mir sehr, und das, was die Dame schrieb, bestätigte mir, dass die Schildkröten so gehalten werden, dass ich ihr auch eins meiner Tiere anvertrauen würde. Sie wohnt nicht gerade um die Ecke herum.

Als wir uns darüber verständigten, wie die zwei Schildkröten, die sie per Foto ausgesucht hatte, von mir zu ihr gelangen könnten, erfuhr ich, dass sie gesundheitlich nicht in der Lage war, selbst zu kommen. Ihr Mann kam.

Ich hatte, und das fand ich im Nachhinein interessant, in keiner Weise Zweifel daran, dass sie die Schildkröten aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkung versorgen kann.

Ich war mir 100 % sicher, dass sie alles regeln kann. Ihren Mann habe ich an dem Nachmittag, als er zum Kauf der Schildkröten hier war, in der kurzen Zeit nicht wirklich kennen lernen können. Aber ich habe eines deutlich gespürt: Er liebt seine Frau über alles, er erfüllt ihr jeden Wunsch, und er hilft ihr gerne bei der Schildkrötenpflege und der Unterhaltung der Gehege.

Beim Rundgang durch meine Gehege sah er eine Schildkröte, die ihm besonders gut gefiel und von der er glaubte, dass er gerade mit diesem Tier seiner Frau eine sehr große Freude machen könnte.

Es war Mixa. Ich überlegte kurz und habe sie – nach Rücksprache mit meiner Tochter – tatsächlich abgegeben.

Da ich immer noch sehr guten Kontakt zu der Halterin habe, ist meine Mixa, die jetzt Maxi wie das Muttertier heißt, nicht aus der Welt.

Ich hoffe, wir bleiben immer in Verbindung, Daniele.

Solche Kontakte bereichern. Ja, und diese Dame hat kurz darauf ihr erstes Buch veröffentlicht mit dem Titel „Es ist, wie es ist: Mein Leben mit dem Schmerz“.

Enkelchen Mixa/Maxi legt inzwischen Eier und ich bin schon Uroma von zwei netten kleinen Schildkröten.

Text und alle Bilder: Hannelore Müller. Alle Rechte bei der Autorin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.