Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 83)

Etwas versteckt und durch die vielen Innenhöfe der Residenz nicht zufällig zu finden, liegt eine der ältesten Brunnenanlagen von München, nämlich der „Wittelsbacher – Brunnen“.

Mitten im sogenannten Brunnenhof können wir ihn entdecken.
Drei steinerne Stufen führen zu dem teils eckigen und teils halbrunden Brunnenbecken hinauf, das von sechzehn Bronzefiguren geschmückt wird.
In der Mitte des Beckens thront auf einem hohen verzierten Sockel ein Mann in Rüstung. Er ist ebenfalls aus Bronze gefertigt und stellt wahrscheinlich „Otto I von Wittelsbach“ dar.

Uns fallen sofort vier stehende, sehr anmutig aussehende Statuen ins Auge. Sie verkörpern, durch zwei männliche und zwei weibliche Gottheiten, die vier Elemente.
Wir entdecken Juno (Hera), die mit einem Pfau dargestellt wird und die Luft symbolisiert. Neptun (Poseidon), der mit einem Delfin dargestellt wird und das Wasser symbolisiert. Und wir können Vulcanus (Hephaistos), der für das Feuer und Ceres (Demeter), die für die Erde steht, ausmachen.

Unser nächster Blick fällt auf die vier halbliegenden bärtigen Männer, die rechts und links jeweils von einem kleinen Triton und einem Fabelwesen umgeben sind. Sie verkörpern die vier wichtigsten bayerischen Flüsse „Donau, Isar, Inn und Lech“.

Beim näheren Betrachten entdecken wir auch endlich unsere nächste Schildkröte (wahrscheinlich eine Sumpfschildkröte).
Sie dient als Reittier eines Tritons, der in den Himmel schaut und seine Hände so hält, als hätte er einst einen Bogen gehalten.
Unsere Schildkröte wird mit überlangen Zehen und einem relativ menschlichen Gesicht dargestellt.

Die anderen Tritonen sitzen jeweils auf einem Lobster, einem Frosch und einem Echsen ähnlichen Tier.
Die Fabelwesen geben mir persönlich Rätsel auf, denn sie werden nirgends näher erläutert. Sie haben Tierköpfe, die einem Löwen, einem Vogel oder Drachen, einem Affen und einer Wildkatze ähnlich sehen. Sie sind ebenfalls mit einem Fischschwanz ausgestattet und kämpfen mit einem weiteren Tier, wie zum Beispiel mit einem Ziegenbock, einer Schlange ….
Haben diese Darstellungen vielleicht einen geschichtlichen Hintergrund (auf München oder Bayern bezogen) oder sind es wirklich nur Fabelwesen?

Die Bronzefiguren wurden um 1610/20 in der Werkstatt von „Hubert Gerhard“ (Bildhauer und Bronzegießer, ca. 1540/50-1620) gefertigt.
Die Statue von „Otto I“ fertigte der Bildhauer „Hans Krumpper“ (1570-1634) an.
Im Jahr 1984 wurden die Originalbronzefiguren durch Repliken ersetzt.

Von der Residenz nicht weit entfernt, liegt der Marienplatz mit dem Neuen Rathaus (durch den Architekten „Georg von Hauberrisser“ (1841-1922) erbaut) und dem bekannten Ratskeller, einer Münchner Traditionsgaststätte.

Dieser Ratskeller ist unser nächstes Ziel.
Natürlich kann man in diesem Restaurant wunderbar essen (was wir auch gemacht haben) – doch uns interessiert zunächst die Schildkrötendarstellung, die dort zu finden ist. Wo sie sich genau befindet, wissen wir noch nicht und erfahren ihren Standort erst bei einem Rundgang durch das große Kellergewölbe.
Am 1.8.1874 wurde der Ratskeller offiziell als Gaststätte eröffnet und die Gewölbe von dem bekannten Künstler „Heinrich Schlitz“ (1849-1923) verziert.
Etwas später kamen weitere Gewölbekeller hinzu, so auch einer, der den Namen „Sumpf“ trägt.
Auch seine Decke wurde verziert, nämlich von dem Künstler „Josef Rösl“ (1853-1931).
Dieser Gewölbekeller wurde Ende des zweiten Weltkriegs als provisorischer Luftschutzkeller, bis zur zeitweisen Schließung der Gaststätte, benutzt.
1946 öffnete der Ratskeller wieder und wurde nach und nach Instand gesetzt.
Auch die stark beschädigte Wandmalerei in dem Gewölbe „Sumpf“ wurde renoviert. Dies übernahm 1950 der Münchner Maler „Max Lacher“ (1905-1988).
Und wie sollte es anders sein, im „Sumpf“ entdecken wir unsere Schildkrötendarstellung. Jedoch gibt es dort nicht nur eine, sondern drei Schildkröten!
Als erstes fällt uns eine große Schildkröte, auf deren Panzer eine nackte Frau reitet, ins Auge.
Zwei weitere, kleinere Schildkröten, können wir bei näherer Betrachtung der Deckenmalerei ebenfalls entdecken. Keine Schildkröte gleicht der anderen – es macht viel Freude die Malerei näher anzuschauen.
Mit der Übernahme des Ratskellers durch die Familie Wieser im Jahr 1975 (nach einer Generalsanierung ab 1972) wurde die Wandmalerei im „Sumpf“ erneut restauriert.
Dies war die letzte Safari, die uns durch München führte. Im nächsten Monat kehren wir noch einmal nach Siena zurück.

Ganz besonders herzlich möchte ich mich bei Frau Margot Wieser, für eine hochinteressante und ausführliche Führung durch den Ratskeller, bedanken. So gerne wären wir in diesem Jahr wiedergekommen, aber leider kam alles anders.
Auch gilt mein Dank Herrn Klaus Lurati (Schildkrötenmuseum München), der seine „Schildkrötenfunde“ in München mit mir teilte.

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

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