Zu Besuch im Tierpark Freiberg – leider mit traurigem Ergebnis

Von Dietmar Meinel

Auf ungefähr halber Strecke zwischen meiner Heimatstadt Chemnitz und Dresden liegt die Universitäts – und Bergstadt Freiberg, wohin uns immer mal wieder Tagestouren führen. Die ehemals vom Bergbau und von der Hüttenindustrie geprägte Stadt verfügt über viele Sehenswürdigkeiten. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch der vorbildlich sanierten Altstadt oder auch eine Besichtigung der terra mineralia, einer ungefähr 80 000 Exponate umfassenden Mineralienausstellung im Schloss Freudenstein.

Bereits seit 1961 gibt es auch einen kleinen Tierpark, der auf 3 Hektar rund 200 Tiere beherbergt. Neben Haustieren wie Eseln, Ponys und Schafen gibt es in einer neu errichteten Voliere auch Papageien zu bewundern. Ebenso gehören Waschbären, Dam-, Muffel-, Schwarz- und Rotwild zum Tierbestand in der sehr gepflegten Anlage. Der Tierpark Freiberg dient auch als Aufnahmestelle für exotische Fundtiere in Mittelsachsen.

Da ich gelesen hatte, dass dort auch aufgefundene Land- und Wasserschildkröten eine neue Heimat gefunden hätten, war natürlich mein Interesse geweckt . An der Haltung der Schmuckschildkröten – ich konnte zwei Exemplare entdecken – gab es nicht viel zu bemängeln.

Eine üppigere Bepflanzung würde die Anlage sicher aufwerten und auch Sonnenplätze in Form von Steinen oder Baumstämmen im Teich könnten eingebracht werden. Da die Tiere jedoch über ausreichend Schwimmraum und genügend Platz zum sonnen verfügen, glaube ich, dass sie dort trotzdem einigermaßen gut untergebracht sind.

Leider kann man das von den im Nachbargehege gezeigten Landschildkröten gar nicht behaupten!

Die vier Tiere, die offensichtlich stark deformiert sind und über viel zu lange Schnäbel verfügen, leben auf einer öden Sandfläche ohne Strukturierung, ohne geeignete Rückzugsmöglichkeiten und ohne Bepflanzung.

Einzig ein hölzerner Unterstand mit Wärmelampe bietet Schutz vor Kälte und Regen.

Als einzig verfügbares Futter war Eisbergsalat vorhanden… Leider kommen meiner Ansicht nach die Verantwortlichen vom Tierpark Freiberg ihrem Bildungsauftrag und der Vorbildwirkung bezüglich der gezeigten Schildkrötenhaltung in dieser öffentlichen Einrichtung absolut nicht nach. So lange noch wie in diesem Tierpark derartige Haltungsbedingungen für Landschildkröten zu sehen sind, so lange werden Landschildkröten noch als anspruchslos und leicht zu halten gelten. Mit relativ geringem Aufwand ließe sich diese Sandwüste in eine schöne Anlage umgestalten. Für die Schildkröten! Und auch für die Besucher.
Wie gesagt , beim Tierpark Freiberg handelt es sich um eine schöne und gepflegte Einrichtung , aber eine derartige Schildkrötenhaltung geht eigentlich gar nicht und sollte dringend überdacht und verändert werden.

Text und alle Bilder: Dietmar Meinel. Alle Rechte beim Autor.
Chemnitz , Oktober 2020

 

Anmerkung: Wir veröffentlichen diesen und ähnliche Beiträge ganz bewusst – auch um zu zeigen, wie man es nicht macht. Nicht als Privathalter und nicht als Zoo, denen zusätzlich noch eine große Vorbildfunktion zukommt. Wir möchten unsere Leserinnen und Leser auch auffordern, sich kritisch mit der Tierhaltung auseinanderzusetzen, zu erkennen, was ganz offensichtlich falsch ist und was man besser machen kann.  Nur „weil die da im Zoo das so machen“ muss das nicht sinnvoll oder richtig sein.
Wildtierhaltung ist möglich – auch oder gerade in Zoos. Aber sie muss artgerecht und naturnah sein. Und das kann in diesem Fall so einfach sein…

2 Kommentare


  1. Du hast zwar Recht, aber „nur“ Bilder zu posten und „zu meckern“ ist meiner Ansicht nach auch nicht das Richtige. Damit erreicht man nicht viel außer, dass negativ über diese Landschildkrötenhaltung dort gesprochen wird. Ich bin ehrlich, ich habe bei dem Artikel erwartet, dass du hier ein Feedback darüber gibst, was dein Beitrag dazu ist, hier deinen Teil dazu beizutragen, diesen Schildkröten zu helfen und den Park darauf hinzuweisen, damit er Stellung dazu nehmen kann und man dann nicht aufgrund der Haltung sondern (auch) aufgrund deiner Reaktion besser abwägen kann, ob man diese Haltung durch Eintrittsgelder unterstützen möchte.
    Vielleicht magst du das sonst noch ergänzen? Hast du die Mitarbeiter über dein Empfinden informiert? Hast du ein Feedback gegeben, was du warum wie beurteilst? Wie hat man darauf reagiert, werden sie es ändern? Wenn nein, warum nicht? Waren sie freundlich und tatsächlich unwissend oder sofort abgeneigt von deiner Hilfe? Wie warst du persönlich, freundlich und hilfsbereit oder vorwurfsvoll und eher aufbrausend und vielleicht auch etwas ungerecht?


  2. Hallo Dietmar,
    die Anlage ist ja insgesamt gepflegt und das ist schon mal richtig gut. Hier sehen wir quasi das Schildkrötengehege als Basismodell. Nach dem Motto „pimp“ my Schildkrötengehege könnte man als ersten Schritt ein durchzugfreies Häuschen (also mit Rückwand) aufstellen. Wie wäre es noch mit einen schönen Haufen Stroh – das lässt zumindest die Herzen meiner Maurenbande höher schlagen. Sie lieben es und näseln drin rum um sich sofort darin zu vergraben.
    Herzliche Grüße
    Kirsten

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