Teichbau, der Zweite (und hoffentlich der Letzte)

Von Barbara Hentschke

Im Frühjahr 2020 baute ich einen Hochteich für mein Graptemys pseudogeographica kohnii. Über den Bau berichtete ich hier auf dieser Seite unter dem Titel Ein Hochteich für eine Wasserschildkröte. Wenn aber zu dem kleinen Männchen eine dicke Dame dazukommt, der Teich entsprechend gesichert werden muss, und dann so aussieht:

Das ist das zwar Fort Knox ähnlich und immer noch artgerecht, aber weit entfernt von schön. Wer möchte in seinem gemütlichen Schwebestuhl sitzen und vor lauter Gitter keine Schildkröte mehr sehen? Ich nicht!

Also wurde – wie bereits in meinem Artikel über das Gewächshausaquarium angekündigt, ein neuer Teich gebaut. Aber nicht im Spätherbst wie angedacht, sondern gleich im Juli während meines Sommerurlaubs. Wer hätte (außer mir) auch geglaubt, dass ich bis Spätherbst warten kann?

Diesmal habe ich mir Hilfe von Axel Meier geholt. Ein Fachmann für Wasserschildkröten und Gartenteiche. Und das war eine gute Entscheidung.

Nun begann der Teichbau, mit einem Loch. Laut Lutz Prauser, „beginnt alles mit einem Loch“. Ja er hat Recht, jeder Gehegebau beginnt mit einem Loch.

Der Teich wurde in einer Größe von 250 cm x 150 cm geplant. Die Umrandung besteht aus grauen Pflanzsteinen, die ich mir von einem Baumarkt habe liefern lassen. Ein lattementagrüner Fiat 500 ist ein Raumwunder, aber diese Menge an Pflanzsteinen schafft er dann doch nicht.

Diese wurden dann verbaut. Nachdem die erste Reihe stand, wurden die Steine mit der Erde aus dem Aushub aufgefüllt, dann kam die zweite Reihe. Auch diese wurden mit dem Aushub aufgefüllt. Aushub gab es mehr als genug. Nachdem die Steine standen, haben wir ordentlich Erde bewegt. Der Teich ist jetzt an der tiefsten Stelle rund 60 cm, und an der flachsten Stelle (unter dem Gewächshaus) 40 cm tief.

Nun kam der schwierige Teil. Das Verlegen der Teichfolie und des Teichvlies. Da ich mich für eine sehr dicke Teichfolie entschieden habe, war sie entsprechend widerspenstig. Aber für meinen Helfer kein Problem. Nach kurzer Zeit hatte er sie bezwungen und sie gut liegend eingebracht.

Als oberen Abschluss habe ich mich für eine Umrandung aus Lärchenholz entschieden, die mir meine Schreinerobermeisterin (Petra Cardinal, Wuppertal) angefertigt hat. Diese Umrandung steht ca. 10 cm nach innen über, sodass ein rausklettern auch für die dicke Mathilda unmöglich ist. Die Teichfolie wurde über den Rand gezogen und mit der fertigen Umrandung beschwert. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft.

Es wurde eine dicke Sandschicht gemischt mit Kieselsteinen als Bodengrund eingebracht. Klar muss man das nicht, aber ich finde es einfach natürlicher wenn die Tiere auch mal im Bodengrund wühlen können. Mein Männchen macht das super gerne und ich wollte ihm diese Möglichkeit nicht vorenthalten.

Nun ging es an den Landteil. Ich habe mich für eine schwarze Mörtelwanne entschieden mit den Maßen … (Mist, wie groß ist die Wanne? Maßband holen, rausgehen im strömenden Regen nachmessen, abtrocknen und umziehen, weiterschreiben) 80 cm Höhe x 40 cm Breite x30 cm Tiefe. Die Wanne wurde auf Backsteine gestellt, unter die Wanne kam der Hamburger Mattenfilter.

Nachdem die Mörtelwanne fest saß, der Hamburger Mattenfilter versteckt darunter lag, die Schläuche verlegt und die Technik angebracht war, wurde dann der Landteil etwas bepflanzt.

Einen Aufgang zum Landteil haben wir mittels Betonplatten verlegt. Über eine Länge von 150 cm wurde eine Art Treppe gebaut, die letzte Stufe führt dann ebenerdig zum Landteil.

Vorteil dieser langen Treppe: auch wenn es mal sehr kalt ist (im Spätherbst), können die unterkühlten Schildkröten über diese Treppe den Landteil und die wärmende Sonnenlampe ohne große Kraftanstrengung erreichen. Die Treppe bietet jede Menge Flachwasserbereiche und viele Verstecke für die Teichfische.

Die Wärmelampe brennt 12 Stunden jeden Tag. Auch im Sommer. Warum? G.p. kohnii sind extrem ausdauernde Sonnenanbeter. Stundenlang liegen sie unter der Sonne und genießen diese. Da es bei uns deutlich weniger Sonnenstunden gibt, als im Habitat, habe ich mich entschieden, die Wärmelampe 12 Stunden täglich anzubieten, zumal der Teich nicht den ganzen Tag durchgängig Sonne hat und für einige Stunden auch im Schatten liegt. Ich benutze einen 100 Watt Halogenstrahler.

Das Frühbeet hat unten eine Gummidichtung, steht also fest und lückenlos auf der Teichumrandung aus Lärchenholz. An dem vorderen Teil des Frühbeetes habe ich mittels einer Schiene einen Lamellenvorhang angebracht, der ca. 10 cm ins Wasser ragt. Der Grund hierfür ist der gleiche, wie bei den Gewächshäusern oder Frühbeeten für europäische Landschildkröten. Die Luft im Frühbeet erwärmt sich schneller und durch die Isolation bleibt es auch an kühleren Tagen dort deutlich wärmer, als draußen.

Nachdem nunmehr soweit alles fertig war, ging es an den Einbau der Sonnenwurzel außerhalb des Frühbeetes. Das war etwas schwierig, sie musste so aufgestellt werden, dass die dicke Mathilda keine Ausbruchmöglichkeit hat. Nach einer Stunde schwerster Arbeit war es geschafft. Die Sonnenwurzel steht fest und bietet unterhalb der Wasseroberfläche viele schöne Flachwasserbereiche, und oberhalb der Wasseroberfläche genug Platz für drei Wasserschildkröten, wenn man gemeinsam Sonne tanken möchte. Es wurden einige Steine am Boden ausgebracht, und zwar so, dass es einige Versteckmöglichkeiten für die Teichfische gibt. Mehr an Einrichtung habe ich bewusst nicht eingebracht, ich wollte einfach eine schöne große Schwimmfläche für die Tiere haben. Ein paar Wasserpflanzen runden das Bild dann ab. Ich habe zwei Teichrosen, etwas Schilf und Schwimmpflanzen eingebracht.

Ich habe einige Gießkannen mit heißem Wasser eingefüllt, damit ich schnell auf eine Wassertemperatur komme, die dem im Gewächshausaquarium entspricht. Klappte prima.

Und dann hieß es: Schildkröten einsetzen.

Es ging leider nicht ganz ohne Schäden ab. Es floss Blut. Aber gottseidank nicht bei den Schildkröten, sondern bei meinem Helfer. Aber keine Sorge, die Blutung wurde gestoppt. Axel hat die Verletzung überlebt und hat keine Narbe zurückbehalten.

Da der Teichbau während der ersten Urlaubswoche erfolgte, hatte ich anschließend zwei weitere Wochen Zeit, um die Tiere zu beobachten. Drei Tage saß ich bewaffnet mit Dampfer, Buch und Kaffee auf dem Schwingsessel ohne mich zu bewegen, bis sich endlich das erste Tier traute, die Sonnenwurzel zu besteigen. Und wer war es? Natürlich Mathilda. Anfangs durfte ich mich nicht bewegen, sonst machte es platsch und weg war sie. Nach weiteren zwei Tagen durfte ich mich zumindest am Kopf kratzen ohne einen Fluchtreflex auszulösen. Und nach einer Woche war es geschafft: alle drei Tiere blieben relaxt auf der Sonnenwurzel sitzen, auch wenn ich mich bewegte. Und am Ende meines Urlaubs durfte ich dann auch mal aufstehen und rumlaufen. Wenn ich so auf die letzten 22 Jahre zurückschaue, in denen ich Schildkröten halte muss ich feststellen, so ausdauernd und lange habe ich noch nie im Gehege gesessen. Zweieinhalb Wochen fast rund um die Uhr. Und was stellte ich am Ende des Urlaubs fest? So erholt und relaxt bin ich noch nie gewesen.

Zwischenzeitlich leben die Tiere schon einige Wochen in dem neuen Teich. Der Landteil mit der Sonnenlampe wird gerne und viel genutzt, wenn die Sonne nicht scheint. Die Sonnenwurzel wird ebenfalls gerne angenommen. Die Tiere lassen sich jetzt auch wieder aus der Hand füttern, was die Fütterung enorm erleichtert, wenn drei Tiere im Teich leben. So kann ich sicher sein, dass jedes Tier ausreichend Futter bekommt.

Bald werden sie den Teich verlassen müssen und sich im Gewächshausterrarium langsam auf die Starre vorbereiten. Und dann gehts ab in den Kühlschrank bis Februar. Aber der Frühling 2021 wird kommen und dann beginnt die zweite Teichsaison meiner Wasserschildkröten.

Mein Fazit: Den alten Teich abzubauen und einen komplett neuen Teich zu bauen hat sich gelohnt. Beim zweiten Mal wird alles anders, und auf jeden Fall besser. Ich glaube, dass wird jeder langjährige Schildkrötenhalter bestätigen.

Ich hoffe, euch hat meine Trilogie gefallen.

Bis ganz bald

Barbara Hentschke

Text und alle Bilder: Barbara Hentschke. Alle Rechte bei der Autorin

www.barbaras-testudofarm.de

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