Spanien, ein Paradies für die ungeliebte Rotwangenschmuckschildkröte?

Von Wolfgang Wegehaupt

Die Rotwangenschmuckschildkröte ist zusammen mit anderen Schmuckschildkrötenarten bereits seit den 1960er Jahren in ganz Europa, bis hinauf nach England, Irland und im südlichen Skandinavien heimisch und gilt in Ballungsräumen heute bereits als die häufigste vorkommende Reptilienart. Ich selbst habe die Schildkröten als Kind schon im Bodensee gefangen und in den 1970er Jahren in den Grachten in Amsterdam bewundert.


In Italien saßen die Schlüpflinge zu dutzenden in kleinen Behältern auf dem Wochenmarkt und kosteten pro Stück 1000 Lire, damals etwa eine DM.
Das einzige Land im Mittelmeerraum in dem ich in der Natur noch keine Schmuckschildkröte gesehen habe, ist Albanien. In allen anderen Ländern haben wir einzelne Schmuckschildkröten oder kleinere Gruppen, aber bislang nur sehr selten Jungtiere finden können.


So ist es sicher nichts Besonderes, dass wir Schmuckschildkröten auch während unseren Exkursionen in Spanien beobachten konnten. Auffällig ist dort sogar eine sehr hohe Dichte. Im Gegensatz zu den einheimischen Wasserschildkröten sind Schmuckschildkröten grundsätzlich nur in Gewässern in der Nähe von Städten zu finden.
In den zurückliegenden Jahren führten Biologen, zum Schutz der einheimischen Wasserschildkröten, regelrechte Ausrottungskampanien durch. Es wurden künstliche Inseln geschaffen und die dort zum Sonnen erscheinenden Schmuckschildkröten abgeschossen. Schwimmende Köderfallen wurden ausgelegt und Hunde zum Aufspüren von Gelegen abgerichtet. Alles bislang mit eher mäßigem Erfolg. Die „Auffangstationen“ und Tierheime sind mit den unvorstellbaren Mengen an Schmuckschildkröten schon seit langem überfordert.


Nach wie vor verdrängen Schmuckschildkröten die einheimischen Schildkröten und sind auch für die Einschleppung pathogener Bakterien und anderer krankheitsverursachender Mikroorganismen verantwortlich.
Während die immer schon zahlreicher vertretene Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa), abseits menschlicher Ansiedlungen, noch in großen Beständen anzutreffen ist, ist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) inzwischen extrem selten geworden und in vielen Gebieten bereits völlig verschwunden.
Ein wirkliches Paradies für die ungeliebte Schmuckschildkröte fanden wir in einem etwa 15 km² großen Anbaugebiet mit einem weitläufigen Graben- und Bewässerungssystem. Hier hat sich, bereits seit Jahrzehnten, eine geschlossene Population von ausschließlich Rotwangen mit sicherlich tausenden von Tieren etabliert.

Das teilweise sehr schwer zugängliche Wassersystem umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 3 km². Durch den sehr starken Schilfbewuchs und das teilweise sumpfige Gelände, ist es nur an wenigen Stellen überhaupt möglich, offene Wasserflächen zu erreichen.

Das Fotografieren, der sonnenden Schildkröten, wird durch die hohe Fluchtdistanz zusätzlich noch erschwert. Die allermeisten Schildkröten leben in den dicht zugewachsenen Bereichen und entziehen sich hier unseren Blicken.

Ihre Anwesenheit wird nur durch die typischen plantschenden Geräusche von ins Wasser rennenden oder fallenden Schildkröten belegt.
Sicher ist dieses geschlossenen Bewässerungssystem von einheimischen Wasserschildkröten noch nie besiedelt gewesen. Von daher der ideale Lebensraum und ein wahres Paradies für die dort heimisch gewordenen, äußerst attraktiven Rotwangenschmuckschildkröten.

Bis dahin bleibt gesund
Wolfgang Wegehaupt
Testudo-Farm.de
Facebook.com/wegehaupt.verlag

Text und alle Bilder: Wolfgang Wegehaupt. Alle Rechte beim Autor

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