Schrittweise, feindliche Übernahme – oder: Wie aus einem Garten eine Gehege wurde (Teil 1)

Bitte beachten:
Zweiteilige Beiträge veröffentlichen wir jetzt nicht mehr im Wochenrhythmus an zwei aufeinanderfolgenden Montagen sondern im verkürzten Abstand. Der erste Teil erscheint montags, der zweite Teil dann in der gleichen Woche freitags – jeweils um 10.00 Uhr. Weiter geht es dann am darauffolgenden Montag mit einem anderen Thema.

Teil 1 lesen Sie hier.
Teil 2 lesen Sie hier.

Von Alexandra Martin:

Der Garten hinter unserem Haus ist nicht besonders groß, während andre Einfamilienhäuser parkähnliche Anlagen ihr eigen nennen können, beläuft er sich bei uns auf ca 100qm, an die noch ungefähr 40qm Terrasse angrenzen. Aber das Grundstück bot genug Platz für ein Klettergerüst samt Rutsche und Spielhaus für die Kinder, Rasenfläche für die Hunde und ein paar Pflanzen. So weit, so normal.
or einigen Jahren kam dann recht unerwartet das Angebot, eine im Weinberg gefundene Landschildkröte bei uns aufzunehmen. Da die Kinder mittlerweile für das Klettergerüst zu groß geworden waren und ich sowieso schon immer eine Schildkröte wollte, wich das Spielgerät und eine erste Notunterkunft wurde auf die Schnelle zusammengezimmert.


Innerhalb der nächsten Wochen verbesserten wir das neue Zuhause unserer Helma, nach meinem damaligen Wissenstand. Eine festere Abtrennung, ein Frühbeet mit Technik und sogar eine Überwinterungsgrube entstanden innerhalb von kurzer Zeit. Ich muss zugeben, ich war ziemlich stolz auf unser Werk.


Irgendwann kam ich auf die glorreiche Idee mich in meiner ersten Schildkröten-Facebook-Gruppe anzumelden und damit kam der Stein dann erst richtig ins Rollen.
Auf mehrmalige Empfehlung kaufte ich das Buch Fester Panzer – weiches Herz: Der Ratgeber zur naturnahen Haltung Europäischer Landschildkröten (Achtung: Affiliate-Link zu Amazon) von Thorsten Geier und saugte zusätzlich sämtliche Informationen aus der Gruppe.
Immer wieder waren da die vielen tollen Fotos, von „richtigen“ Gehegen, mit Struktur, tollen Pflanzen, verschiedenen Untergründen und Futter in Hülle und Fülle.
Ich las Worte wie „Blickachse“ und „abmagern“, lernte, dass Gras morgens zu lange feucht bleibt und, dass es bei der Haltung eben darum geht, das natürliche Habitat so gut wie möglich zu imitieren.
Wer mal ein Bild von naturbelassenen griechischen Landschaften gesehen hat, fand dort sicher keine wogenden, saftig grünen Grasflächen.
Anhand all dieser neuen Informationen habe ich mein neu angelegtes Gehege natürlich mit ganz anderen Augen gesehen und es war mir bei weitem nicht mehr gut genug für unsere (mittlerweile drei) Tiere.

Also ran ans Grün und Grasnarbe ausgestochen, nicht ohne ausgiebig mit meinem Mann, um jeden Quadratzentimeter Grasfläche zu feilschen.
Das Schildkröten Refugium maß nun ca 10qm und die Tiere sahen ziemlich zufrieden damit aus.
Um meine neuen Mitbewohner zu beobachten, saß ich nun so oft ich konnte auf einem großen Stein, mitten im Gehege. Lange konnte mein Mann diese unkommode Lösung, wie ich da so auf meinem Stein kauerte, nicht mehr mit ansehen und so baute er mit aus allerhand Resten meine heiß geliebte Schildkröten Bank.

Die Bank brauchte natürlich auch einen Platz im Gehege und deshalb wurde die Abgrenzung wieder einmal nach hinten verschoben und das Schildkröten Domizil um eine Grasfläche erweitert
Durch die niedrige Sitzfläche hatte ich von nun an eine perfekte Sicht in mein kleines Griechenland, das nun ca 15 qm maß. Ich freute mich unheimlich über den zusätzlichen Platz, der mich aber vor eine schwierige Aufgabe stellte.
Mit dem Rasenmäher zu den Tieren zu fahren war natürlich undenkbar und so blieb mir nur der Versuch, das Graswachstum mit einer Heckenschere im Zaum zu halten.
Irgendwann war mein Mann dann die Diskussion und mein Gejammer leid und ich durfte auch dieses Gras abtragen und wo ich nun schon einmal dran war, wanderte die Abgrenzung wieder ein wenig nach hinten. Natürlich nur ganz aus Versehen annektierte ich zusätzlich noch eine Ecke des Rasens, die sonst eh zu nichts zu gebrauchen war und so nahm mein Schmuckstück nun schon ein Drittel des Gartens ein.


Objektiv gesehen war das Schildkröten Reich nun schon ganz nett. Platzmäßig ausreichend zur Anzahl der Tiere, genug Futterpflanzen, verschiedene Untergründe, Klettermöglichkeiten, Verstecke und natürlich das notwendige Frühbeet mit Technik.
Allerdings waren da immer wieder die tollen Gehegefotos in der Facebook Gruppe, die mir da durch den Kopf geisterten und besser geht ja bekanntlich immer, also Schippe zur Hand und weiter an die Arbeit.
Eine optisch und auch funktional unheimliche Verbesserung brachte wunderschöner gelber Jurakalksplit aus der Schweiz, von dem wir 2 Tonnen im Gehege verteilten. Mal ganz davon abgesehen, dass mit „Schildkröte auf gelbem Grund“ unheimlich gut gefällt, wird der Split mit seinem hohen 0 Anteil Ruckzuck trittfest, trocknet super schnell ab und macht es dem verhassten Gras etwas schwerer sich breit zu machen. Wildkräuter hingegen scheinen sich zwischen dem Split ziemlich wohl zu fühlen.

Absolutes Gehege Bau Vorbild ist für mich immer noch Michael Hennings. Er bekommt es hin, auf mühsam aufgebautes Schildkrötenparadies aussehen zu lassen, als wäre es von selbst aus dem Boden gewachsen.
Bei einem seiner wunderschönen Fotos hat mich dann der Blitz getroffen.
Wer jetzt eine klassische Liebesschnulze erwartet, ist schief gewickelt, denn es waren die Porenkalksteine von der Krim, mit denen Michael sein Gehege eingefasst hat, die mir vom Foto direkt ins Herz gewandert sind.
Ich weiß nicht, wie lange und oft ich mir die Fotos angeschaut habe, bis ich ihnen nicht mehr widerstehen konnte. Ich war stolz wie Oskar!

Die Trockenmauer ließ sich super aufbauen, dank dem Split hatte ich das unliebsame Gras ziemlich gut im Griff und die Futterpflanzen sprießten fleißig, so kamen wir gut über den Sommer und Herbst 2019. Mit ca. 50qm war für Anzahl und Alter unserer (mittlerweile zehn) Schildkröten alles im grünen Bereich und ich muss wirklich zugeben, ich war äußerst zufrieden.

Teil 2 lesen Sie hier.

Text und alle Bilder: Alexandra Martin. Alle Rechte bei der Autorin

2 Kommentare


  1. Eine schöne Geschichte mit wunderschönen Fotos von einer naturnahen Haltung. Danke für den tollen Bericht Alexandra. Ich freu mich schon sehr auf den zweiten Teil.


  2. Hallo Alexandra,

    eine Anmerkung zu dem Badeteich.
    Ich hatte auch eine ähnliche Konstruktion im Gehege. Nach bereits vielen Jahren der Nutzung musste ich mit Erschrecken feststellen, dass das frische Wasser durch den Zementmörtel in null Komma nix stark alkalisch wurde (pH-Wert um 11). Daraufhin bin ich sofort auf eine Bade-/Trinkstelle aus Kunststoff umgestiegen.
    Möglicherweise gibt es eine Farbe/Beschichtung, die verhindert, dass Wasser und Mörtel in Kontakt stehen.

    Viele Grüße

    Klaus

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