Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 77)

Von weitem ist er schon zu sehen – er ist Mittelpunkt, eine Hauptattraktion, ein begehrtes Fotomotiv und fast immer von Menschen umgeben.
Er beherrscht den Residenzplatz und ist der bedeutendste und größte Brunnen in der Altstadt von Salzburg – gemeint ist der barocke Residenzbrunnen.

Aber schauen sich die vielen Besucher ihn wirklich genau an? Werden die vielen kleinen, fast versteckten Details beachtet? Oder zählt für sie nur das Gesamtbild, denn dieses ist wirklich beeindruckend.
So genau werden wir das nie erfahren.


Wichtig ist doch nur, dass meiner früheren Kollegin eines dieser Details auffiel, sie mir davon berichtete und ich deswegen einmal Salzburg besuchen wollte.

Der monumentale Brunnen befindet sich auf einem stufenartigen Sockel und besteht aus drei unterschiedlich großen Becken – jedes anders geformt.
Er wurde aus „Untersberger Marmor“ einem Kalkstein, der wie echter Marmor poliert und verarbeitet werden kann, in der Zeit zwischen 1656 und 1661 gefertigt.
Der Residenzbrunnen wird von vier auffallenden Figurengruppen, die dem Brunnen seine Höhe von circa 15 Meter geben, beherrscht.
Schauen wir ihn uns einmal genauer an.

In der Mitte des unteren Beckens befindet sich ein künstlicher Felsen, der von vier großen wasserspeienden Hippokampen (Meerrösser) umgeben ist.
Auf diesem Felsen stehen vier nackte, ineinander verschlungene, athletische Männer. Sie tragen zusammen eine große flache Schale, die ein weiteres Wasserbecken bildet.
Hier befinden sich mittig drei stehende Delfine, die das letzte, ein Muschelbecken, halten.
In ihm thront ein Triton, der durch das Blasen in seine Trompetenmuschel einen senkrecht in die Höhe spritzenden Wasserstrahl erzeugt.

All diese großartigen Details fallen sofort ins Auge – doch es gibt noch mehr zu entdecken.
Denn auf dem Felsen kriechen steinerne Schlangen oder Würmer, sitzen kleine Eidechsen, Frösche, Schnecken oder sonnen sich Sumpfschildkröten.
Es sind genau vier, alle anders in ihrer Darstellung, nicht immer vollständig, aber immer zwischen zwei der Hippokampen versteckt.

Der Residenzbrunnen wurde im Auftrag von „Guidobald Graf von Thun und Hohenstein“ (1616-1668) erschaffen. Meistens werden der Bildhauer „Tommaso di Garona“ (um 1620-1667) und der Architekt „Giovanni Antonio Daria oder auch Dario“ (um 1630-1702) als Schöpfer erwähnt, aber ganz genau überliefert ist dieses Detail nicht.
In den Jahren 2008/2009 wurde der denkmalgeschützte Brunnen restauriert.

Am Residenzplatz wird auch kräftig für Salzburgs Galerien geworben und eine fiel mir besonders ins Auge. Meine Neugierde war geweckt.
Ein kleiner Fußmarsch brachte mich ans Ziel, nämlich in den Skulpturengarten der Galerie „Mario Mauroner Contemporary“ (Ignaz-Rieder-Kai 7, auf der anderen Seite der Salzach), denn hier gab es noch eine weitere, ganz besondere Schildkröte zu besichtigen.

Bekannt ist sie als „The Naked Metarmophosis“ und wurde von dem belgischen Künstler Jan Fabre (*1958) aus weißem Carrara Marmor geschaffen. Sie stellt ein Hybridwesen aus einer Schildkröte und einem menschlichen Gehirn dar. Damit sie ihre reinweiße Farbe behält, wird sie durch einen großen Glaskasten geschützt.
Die Statue ist 83x118x162 cm groß und soll den Sieg des Denkens über den Körper (Physis) symbolisieren.

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

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