Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 75)

Vor einigen Jahren kehrte eine Kollegin freudestrahlend aus ihrem Urlaub zurück und berichtete mir voller Stolz, dass sie eine Schildkröte für mich entdeckt hat.
Sie zeigte mir ein paar Fotos mit einer kleinen Schildkröte, die einen Brunnen verziert.
Ich war total begeistert – recherchierte diesbezüglich, und fand tatsächlich diese mit Hinweisen auf weitere Schildkröten.
Als ich dann noch ein Bild einer anderen Schildkröte in Hellbrunn fand, war es für mich klar – irgendwann wollte ich eine Städtereise nach Salzburg machen.
Zwar war ich als Kind schon einmal dort, aber erstens konnte ich mich daran nicht mehr erinnern und zweitens interessierte ich mich damals noch nicht für Schildkrötendarstellungen im öffentlichen Raum.
2018 war es dann soweit, die Reise nach Salzburg stand an!

So genau weiß ich nicht, ob es Zufall oder Bestimmung war, denn auch in unserem Hotel gab es eine Schildkröte. Sie hieß Rosi, war natürlich echt und sonnte sich morgens auf der Wiese im kleinen Hotelgarten. Sie war die Attraktion und wurde von jedem Gast bestaunt!
Somit musste dieser Kurztrip unter einem guten „Schildkrötenstern“ stehen.

Und so war es dann auch, denn der Zufall setzte sich fort!

Von unserem Hotel konnten wir quer durch den „Mirabellgarten“ (auf der rechten Altstadtseite) in die bekanntere Altstadt auf der linken Salzachseite laufen.
Nach einer langen Fahrt mit vielen Staus hatten wir Hunger, wollten gar nichts anschauen, sondern nur gemütlich essen gehen.
Natürlich blieben wir auf der Terrasse des „Schloss Mirabell“ stehen, um die einzigartige Kulisse des Gartens, der Domspitze und der erhabenen Festung zu bewundern.
Eilig liefen wir durch das „Große Gartenparterre“, nahe der großen Fontäne entlang, als ich plötzlich wie von einer „Tarantel gestochen“ stehen blieb – hatte ich da nicht eben aus den Augenwinkeln eine Schildkröte gesehen?
Eine, die ich noch nicht kannte?!
Der Hunger war augenblicklich vergessen und ich rannte fast zu einer der großen Statuen, die den zentralen Platz mit dem achteckigen Springbrunnen umgeben.
Und ja, ich hatte richtig gesehen, da war sie – eine aus Stein gefertigte Sumpfschildkröte auf dem Sockel einer Figurengruppe.

Aber all das betrachtete ich erst später ausführlicher, denn es war wirklich Zeit zum Essen.

Der Mirabellgarten wurde um 1687 von „Johann Bernhard Fischer von Erlach“ (1656-1723, ein österreichischer Architekt des Barocks) entworfen. Bekannt ist der Mirabellgarten vor allen Dingen durch den Pegasusbrunnen (mit einem aus Bronze gegossenen geflügelten Pferd), dem traumhaften Blick auf die Altstadt, dem wunderschönen Marmortrausaal im Schloss Mirabell und dem „Zwergelgarten“.

In der Mitte des barock angelegten Gartens (geometrischer Grundriss und zeitgemäße Bepflanzung) befindet sich ein Springbrunnen mit einem flachen Becken und einer hohen Fontäne. Er wird von vier Figurengruppen aus Marmor und Spazierwegen eingerahmt.

Diese hohen Skulpturen zeigen jeweils zwei Figuren, die auf einem Sockel stehen und die vier Naturelemente symbolisieren. Sie werden durch einige Attribute und Szenen aus der griechischen Mythologie dargestellt.
Diese Figurenpaare (auch Raptusgruppen genannt) wurden im Jahr 1690 von „Ottavio Mosto“ (1659-1701, italienischer Stuckateur und Bildhauer) nach den Entwürfen von „Fischer von Erlach“ gestaltet.
Im einzelnen können wir folgende Szenen bewundern:

Das Element Wasser, es wird durch den Raub der schönen Helena durch Paris und ihre Flucht über das Meer dargestellt (hierdurch wird der trojanische Krieg ausgelöst). Der Sockel ist mit einem Anker, Muscheln und Fischen verziert.

Das Element Feuer, Äneas flieht mit seinem Vater Anchises und seinem Sohn Ascanios aus dem brennenden Troja und rettet sie dadurch. Dieser Sockel ist mit Flammen und einer Kanone dekoriert.

Das Element Erde, dargestellt durch den Raub der Persephone durch Hades und die Entführung in die Unterwelt. Die Verzierungen des Sockels bestehen aus Blumen und Pflanzen.

Und das für uns besonders interessante Element Luft.
Hier wird der Kampf von Herkules gegen Antaios dargestellt. Herkules hebt den Riesen in die Luft, so dass der Halbgott keine Kraft mehr aus der Berührung mit der Erde, seiner Mutter, ziehen kann. Obwohl hier das Element Luft im Mittelpunkt steht, ist der Sockel mit vielen kleinen Landtieren, Blätter und Blüten geschmückt.
Denn dieser soll Gaia (die Erde), die göttliche Mutter von Antaios, symbolisieren.
Im einzelnen können wir Schlangen, eine Schnecke, Lurche und unsere schön gearbeitete Sumpfschildkröte bewundern.
Sie erinnert an eine „Europäische Sumpfschildkröte“ und erweckt fast den Eindruck, als würde sie sich sonnen.
Vielleicht gab es früher auch hier, an der Salzach, ein Sumpfschildkrötenvorkommen.

Im Jahr 2008 wurde die große Fontäne, die auch unter dem Namen „Vier-Elemente-Brunnen“ bekannt ist, saniert und zusammen mit dem Garten unter Denkmalschutz gestellt.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.