Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 72)

Und schon wieder ist es Dezember, und unser sechstes Jahr der Schildkrötensafari ist vorüber.
Denn dies ist die letzte Safari in 2019.

Wir sind nochmals im Osten Deutschlands unterwegs und begeben uns an einen eher ungewöhnlichen Ort für eine Schildkrötendarstellung. Genaugenommen sind es sogar zwei Schildkröten.

Die Stadt Naumburg (Saale) ist bekannt durch ihren spätromanisch-frühgotischen „Dom St. Peter und Paul“, der am 1.7.2018 zum Unesco Welterbe erklärt wurde.
Besucht wird er hauptsächlich wegen den sogenannten „Stifterstatuen“, die im Westchor des Domes stehen. Es sind insgesamt 12 Figuren, von denen die Statue der „Uta“ (von Ballenstedt) die bekannteste ist. Sie wird als die schönste Frau des Mittelalters beschrieben.
Geschaffen wurden die Statuen von einem nicht benannten Bildhauer und Architekten des 13. Jahrhunderts, der aus diesem Grund nur „Naumburger Meister“ genannt wird.

Allerdings schmücken auch modernere Kunstwerke den Dom.
Wir begegnen hier zum zweiten Mal den originellen Werken des Magdeburger Künstlers und Bildhauers „Heinrich Apel“ (*5.5.1935).
Für uns sind die beiden „Handläufe“ der steinernen Treppen zum Ostchor interessant.

Der sogenannte „südliche“ Treppenaufgang stellt die Geschichte „des heiligen Franziskus und den Tieren“ dar.
Wir können detailliert gestaltete Bronzefiguren ausmachen, die um 1972/73 entstanden sind.
Zu sehen sind einige Vögel (sie sollen an die Vogelpredigt des heiligen Franziskus erinnern), wie z.B. eine Eule, ein Taubenpaar, brütende Vögel und ein wunderschön gestalteter Pfau am Ende des Handlaufs, aber auch viele Insekten, einen Frosch und Reptilien. Inmitten all dieser tierischen Wesen steht ein Geistlicher (=Franziskus) in seiner Ordenstracht und gleich dahinter eine kleine Landschildkröte.
Alle Figuren sind sehr einfallsreich, fast ein bisschen humorvoll gestaltet.

Der sogenannte „nördliche“ Treppenaufgang zeigt „den schmalen Pfad ins Paradies“. Diese Bronzegestaltung entstand um 1982/83.
Hier können wir ebenfalls viele witzige Details entdecken. Unter anderem eine große Schlange, Zerberus – den dreiköpfigen Höllenhund und Menschen, die versuchen an der Schlange nach oben zu krabbeln, dem Paradies entgegen.
Aber auch einen Ziegenbock (= Sündenbock, Wächter des Paradieses), eine liegende Eva, eine kleinere Schlange und natürlich eine Landschildkröte können wir betrachten.
Viele Hindernisse verstellen den Weg nach oben ins Paradies – ein kleines Männchen hat es jedoch geschafft. Es sitzt friedlich, in einem Buch lesend, unter einem Rebstock, und nichts scheint ihn zu stören.

Beide Handläufe sind an vielen Stellen durch das häufige Anfassen blank. Ihre Darstellung ist sehr bildhaft, etwas ironisch aber auch symbolreich (z.B. stellt die Schlange das Böse dar). Viele christliche Motive treffen auf die der antiken Mythologie.
Es lohnt sich wirklich diese mit eigenen Augen zu betrachten!

Auch im nächsten Jahr werden wir wieder auf Schildkrötensafari gehen.
Wir besuchen einige „öffentliche“ Schildkröten in München, Salzburg, Madrid und machen einen kleinen Abstecher in das faszinierende Siena.
Natürlich hoffe ich, dass Sie mir und dem Onlineportal „Testudowelt“ weiterhin treu bleiben, und ich Sie auch im nächsten Jahr mit den unterschiedlichen Schildkrötendarstellungen in der Welt erfreuen kann.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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