Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 71)

In den letzten sechs Jahren begegneten wir vielen verschiedenen Brunnen mit Schildkröten – modernen, älteren, schlichten, monumentalen und einige davon waren überwältigend.
Meistens sind Landschildkröten dargestellt, ab und zu Sumpfschildkröten, und wenn wir den Meeresschildkröten begegneten, dann fast immer als Wasserspeier.
Nur ein Brunnen war bisher anders und zauberte ein Lachen auf unser Gesicht, die Darstellung war überzogen und ironisch – erinnern wir uns an Bad Harzburg.
Auch unser nächster Brunnen fällt in diese Kategorie und ist in seiner Gestaltung einzigartig. Diesmal sind wir in Magdeburg unterwegs.
Ganz in der Nähe des bekannten Hundertwasserhauses befindet sich in der Leiterstraße, eine der ältesten Straßen der Stadt, ein Platz mit einem Brunnen, der als Faunbrunnen, Teufelsbrunnen oder auch Faunenbrunnen bekannt ist.
Auf den ersten Blick erinnert nichts an einen typischen Brunnen, sondern wir stehen einem großen, fast zwei Meter hohen Bronzekessel gegenüber, der auf einem runden Podest aus Backsteinen steht.
Viele seltsam aussehende Kreaturen, die an kleine Teufel erinnern und allesamt nackt sind, schauen aus dem Kessel heraus oder turnen auf seinem Rand herum. Hierbei handelt es sich um kleine Faune – Mischwesen zwischen einer Ziege und einem Menschen. Sie sehen frech aus und spuken Wasser in Richtung der Betrachter. Auch ein Ziegenbock, eine Sirene und einen kopfüber in den Kessel gefallenen Mann können wir sehen – es steckt dort mit runtergelassener Hose.
In der Mitte des Kessels befindet sich eine hohe Stele, um die sich eine Schlange windet, auch eine Schnecke und eine Eidechse können wir entdecken. Ganz oben sitzt ein turtelndes Taubenpaar.
Vom Podest führt eine Leiter zum Kesselrand, darauf steht ein Faun und trägt einen Wassereimer – hierdurch entsteht die Verbindung zwischen dem Fantastischen und dem Menschlichen.
Denn auf den zum Kessel führenden Stufen befinden sich ebenfalls Gestalten – alle nackt. Es gibt viel zu entdecken, wenn man lange genug hinschaut. Auch eine Schildkröte, denn deswegen sind wir ja hier.
Zwei Jungen kämpfen miteinander, eine Frau sitzt auf einem Hocker, ein Mann sitzt ebenfalls dort und schaut vom Brunnengeschehen weg, ein Hund pinkelt an die Kesselwand und zwei Frauen trocknen sich ab, und zu ihren Füßen sitzt eine kleine stilisierte Schildkröte.
Der Brunnen ist sehr lebendig und humorvoll gestaltet und seine Interpretationen sind sehr unterschiedlich.
Eine gefällt mir am Besten. Im Zusammenhang mit dem Faunbrunnen wird immer wieder der Bezug zur Liebe und Sexualität erwähnt. Die turtelnden Tauben, die Faune, die Darstellung der nackten Menschen und ja, auch unsere Schildkröte könnten darauf hindeuten.
Der Bronzekessel hat einen Umfang von 3,2 Metern, ist 7,2 Tonnen schwer und von einer Wasserrinne umgeben.
Er wurde von dem Magdeburger Künstler und Bildhauer „Heinrich Apel“ (*5.5.1935) erschaffen. Die Arbeiten an diesem Kunstwerk begannen 1976 und zogen sich bis in das Jahr 1986 hin. Mit einem Fest wurde der Faunbrunnen im Juni 1986 eingeweiht. Er war so bedeutend, dass er 1989 auf einer Briefmarke der DDR dargestellt wurde.
Ursprünglich sollte er „Ein Kessel Buntes“ heißen (nach einer Unterhaltungsshow der DDR, die dann später von der ARD ausgestrahlt wurde), um seine Vielseitigkeit auszudrücken.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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