Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 70)

Nach unserem Besuch in Paris kehren wir für die letzten drei Monaten dieses Jahres wieder nach Deutschland zurück.
Wir begegnen unserer nächsten Schildkrötendarstellung in Gotha.

Gotha ist für seine kaskadenartige Wasserkunst bekannt, die den ansteigenden Schlossberg mittig verziert und Schloss Friedenstein mit dem Hauptmarkt verbindet.
Über eine Gesamtlänge von circa 72 Meter (die Zahl variiert bis 120 Meter) wird das Wasser von einem Springbrunnen an der „Friedrich-Jacobs-Straße“ über Wasserfälle, Fontänen, Felsformationen und -grotten über mehrere Wasserbecken zu einem kleinen Auffangbecken nach unten geleitet. Nur an einer Stelle fließt das Wasser unterirdisch, denn hier überquert eine schmale Straße die Wasserkunst.

Entworfen wurde die Wasserkunst von „Hugo Mairich“ (1863-1902), einem Bauingenieur und gleichzeitig Wasserleitungs- und Kanalisationstechniker. Die Installation sollte eine Attraktion darstellen und wurde ein wenig den Wasserspielen im Bergpark Kassel Wilhelmshöhe nachempfunden.
Gespeist wird die Wasserkunst durch das Wasser des Leinakanals und das dafür erforderliche Pumpwerk befindet sich im historischen „Lucas-Cranach-Haus“.
Es wurde am 15.10.1895 eingeweiht und in Betrieb genommen.

Der für uns interessante Springbrunnen (obere Wasserkunst) wurde im Mai 1902 mit vier Bronzetieren, ein Geschenk des Rentners Oscar Schmidt (1843-1922), verschönert. Auf alten Postkarten und Fotos ist zu erkennen, dass die Tiere im Laufe der Zeit „ihren Platz“ im Brunnen wechselten.
Leider wurden diese im zweiten Weltkrieg („Kanonenfutter“) eingeschmolzen.

Aber schauen wir uns den heutigen Brunnen einmal genauer an.
Vier circa ein Meter große wasserspeiende Bronzetiere befinden sich in einem runden Becken aus Sandstein.
Wir können eine Eidechse, einen Frosch, einen Flusskrebs und eine Schildkröte (wahrscheinlich Sumpfschildkröte) entdecken.
Umgeben ist das Becken von einem Pflanzenbeet mit kunstvoll gestaltetem Geländer und einem gepflasterten Weg.
Aus einer Felsformation in der Mitte des Brunnens sprudelt das Wasser glockenförmig in das Becken.

Die vier Bronzetiere wurden im Rahmen einer Renovierung, anläßlich des 100. Jahrestages der Wasserkunst, von der Künstlerin „Rosita vom Hagen“ (*1963) nach alten Fotos rekonstruiert und 1996 ersetzt.
Eine weitere Restaurierung findet zur Zeit statt und soll 2020 abgeschlossen sein, unter anderem wird der Naturstein der Wasserkunst gereinigt.

Leider war es mir nicht möglich den Namen oder nähere Informationen über den Künstler der ursprünglichen Bronzetiere herauszufinden. Oscar Schmidt wird in einem Artikel mit der Metallverarbeitung in Verbindung gebracht – wer weiß, vielleicht hat er sogar etwas mit ihrer Fertigung zu tun.

Ich bedanke mich bei Frau Gschwendtner und Herrn Wenzel (Gotha) für die Unterstützung.

 

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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