Zaungäste, Mitesser, Trinkgenossen – Besuch im Schildkrötengehege

Manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte. Selbst, wenn nicht alle 100% scharf sind.
Manchmal reicht es, sich mit der Kamera an oder in eines der Schildkrötengehege zu setzen und sich über den Besuch zu freuen – die vielen Mitesser, Zaun- und Futtergäste. Über dieses Thema habe ich an dieser Stelle immer wieder geschrieben oder in Vorträgen gesprochen – zum Beispiel in unserem Beitrag über die speziell, auch als Futterpflanzen geeignete Samenmischung „Bienengarten“.

Gärten des Grauens gibt es mehr als genug. Da müssen wir Schildkrötenhalter, sofern wir Gartengehege besitzen, nicht auch noch mitmachen. Ich kann es nicht oft genug wiederholen und angesichts mancher Gehegebilder, die man in den sozialen Netzwerken findet, ist das auch dringend notwendig. Dabei kann es so einfach sein:

Nichts toppt zum Beispiel derzeit die üppig blühenden Lavendel in den Gehegen, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge – es ist ein ständiges Kommen und Gehen, Futtern und Flattern, summseln und brummseln. Lavendel gibt es für wenig Geld in jedem Gartencenter oder Baumarkt. Für mich ein unbedingtes Muss im Garten – und vor allem im Gehege.

Wenn eine der Schildkröten unter dem Lavendel hindurchkriecht, alle Zweige heftig wackeln, steigen schier Wolken an Bienen auf.
Unsere Freigehege können kleine Oasen sein, Biotope, Rückzug- und Restlebensräume für heimische Wildtiere. Schildkrötengehege können, wenn klug gestaltet, einen Beitrag zum Erhalt heimischer Tierarten leisten, wenn es genügend heimische Blühpflanzen gibt. Es nützt nicht allen Insekten, mediterrane, asiatische oder südamerikanische Blühpflanzen in den Garten zu setzen oder entsprechende Samenmischungen auszubringen. So manche heimische Insektenart ist Nahrungsspezialist und benötigt hiesige Pflanzen zum Überleben – aber auch die sind auf dem Rückzug, nicht selten als Unkraut mit RoundUp aus den Gärten verbannt.

Während oben „schwer Action“ angesagt ist, krabbelt und hüpft es auch ein paar Etagen tiefer, an der Gehegeeinzäunung. Das sich schnell in der Sonne erwärmende Holz zieht Wanzen an, aber auch Heuschrecken machen hier Zwischenstation.

Und auch am Gemeinen Dost, dem Küchenkraut Oregano, bedienen sich die Insekten. Und nicht nur die: Wir natürlich auch, wann immer ein mediterranes Gericht gewürzt werden soll. Denn Gehege und Kräutergarten ist für uns fast das Gleiche: Rosmarin, Majoran, Oregano, Borretsch, Thymian, Zitronenmelisse, Estragon, Beinwell und vieles mehr wächst dort, bietet den Schildkröten Versteckplätze, Insekten Nahrung und uns frische Kräuter.

Bei so viel Leben auf engem Raum ist klar, dass die ersten Insektenjäger bereits auf Beute warten wie diese Wespenspinne, ein „Neubürger“, der aus dem Süden zugezogen ist und sich langsam aber unaufhörlich nördlich der Alpen ausbreitet. Fotografiert habe ich sie im vergangenen Sommer.

Und Schildkröten?

Die habe ich natürlich auch im Gehege. Von den Zaungsäten lassen sie sich nicht beeindrucken (anders als ich), geschweige denn stören (wie ich ebenfalls nicht). Das Wasser aus den Trinkschalen wird geteilt…

und beim Futter hat sowieso jede Tierart sowieso seine eigenen Vorlieben. Das Festmahl der Schildkröten heute – die Brennnesseln aus Nachbars Garten, leicht angewelkt schmecken sie ihnen am besten. Und die Nachbarn sind froh, dass sie das lästige „Unkraut“ los sind. So haben alle was davon.

Text und alle Fotos: Lutz Prauser. Alle Rechte beim Autor.

3 Kommentare


  1. Das Bild lässt sich nicht so ohne Weiteres in einen Kommentar einbinden. Aber wie wäre es mit einem kleinen Pflanzenportrait als eigenen Beitrag?


  2. Hallo!
    Danke für die vielen wunderschönen Fotos, Herr Prauser!
    Obwohl unser Gehege relativ klein ist, haben wir trotzdem auch Unmengen an summenden Besuchern. Das Currykraut, der Salbei, der Schopflavendel, der Thymian und der Oregano werden von den Brummern geliebt! Ich hab fast Bedenken, am auf der Erde aufliegenden Oregano vorbei zu gehen – da könnte ich leicht ein Bienchen mit meiner Hose abstreifen und sie sich mit dem Stachel zur Wehr setzen.
    Kennt jemand den „Frechen Michl“? Ein von Gärtnern gezüchteter Ziersalbei mit ca. 15cm langen dunkel-lila-blauen Rispenblüten – ein richtiger Insektenfreund! Da sitzen schon um 6h früh Unmengen an Hummeln drauf, etwas später kommen auch die Bienen. Manchmal sitzen 3 -5 an einer Blütenrispe! Schade, daß diese Pflanzen nur einjährig sind. Ich hoffe, es gibt sie nächstes Jahr wieder; vielleicht setze ich dann einige davon ins Gehege.
    Ich würde gerne ein Foto von dem Ziersalbei hier einstellen, weiß aber leider nicht wie ! ?


  3. Danke Lutz.
    Was für ein guter Beitrag mit vielen wunderschönen Fotos. Genau das versuche ich auch, mein Gehege als Biotop für Schildkröten einzurichten, aber auch für die heimischen Insekten, Reptilien und Amphibien.
    Solche Beiträge sind super wichtig, damit aus „Gärten des Grauens“ wieder richtige Lebensräume für die heimische Tierwelt werden.

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