Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 69)

Auch unser letztes Pariser Kunstwerk ist dem Jugendstil zuzuschreiben und strahlt eine gewisse Erotik aus.

Etwas versteckt, in einem kleinen Park (Jean-Perrin-Platz) an der „Avenue du Général Eisenhower“, an einem der Eingänge zum „Grand Palais“, liegt der etwas unbekannte Brunnen „Miroir d’eau, la Seine et ses Affluents“ (Wasserspiegelbrunnen, die Seine und ihre Nebenflüsse).
Wieder einmal mussten wir suchen, denn unsere Informationen waren ungenau. Auch die Nachfrage bei einem Polizisten (ganz in der Nähe) brachte uns nicht weiter – behauptete er doch steif und fest, dass in der Nähe kein Brunnen existiere. Dabei ist die Polizeiwache fast daneben…! Schauen wir heute auf Google Maps nach, dann ist der Brunnen zu erkennen, wird aber nicht näher benannt.

Vielleicht erklärt dies alles!

Idyllisch und ruhig liegt das fast ovale Marmorbecken mitten auf einer Wiese. Die vielen Autos auf der nahen Champs-Elysées hören wir nur durch einen Schleier.

Aus einiger Entfernung können wir bereits die Schildkrötendarstellungen und die drei Figurengruppen sehen, die den Brunnenrand verzieren. Erwachsene weibliche Figuren werden zusammen mit Kindern dargestellt. Sie sind nackt, wirken unbeschwert und von Freude erfüllt. Eine große Sinnlichkeit und Fröhlichkeit geht von ihnen aus.

Es bereitet sehr viel Spaß sie anzusehen.

Schilfrohr, Blätter, Blüten, Fische, Frösche und natürlich unsere Schildkröten, die dieses Mal als Sumpfschildkröten in mehreren Gruppen dargestellt werden, umgeben die Figurengruppen.

Alles passt perfekt zu dem Element Wasser. Treffend ist auch der Name „Wasserspiegel“, denn er bezieht sich auf die ebene und ruhige Oberfläche des Brunnens.

Die Figuren stellen immer wieder die Seine und jeweils drei ihrer Nebenflüsse dar – so sehen wir die Aube, den Loing, die Essonne, die Yonne, den Armancon, den Cure, die Oise, die Marne und den Petit Morin. Entworfen wurde der Brunnen von dem französischen Bildhauer „Francois-Raoul Larche“ (1860-1912). Ursprünglich war er für den „Place du Carrousel“ vorgesehen, wurde aber dann an dieser Stelle errichtet. 1910 präsentierte Larche ein Gipsmodell des Brunnens im „Salon des artistes francaises“ und bekam für sein Werk eine Ehrenmedaille.

Leider konnte er die Umsetzung seines Werkes nicht vollenden, da er bereits 1912 starb. Beendet wurde die Errichtung des besonderen Brunnens von „Jean-Marie Mengue“, ebenfalls ein französischen Bildhauer (1855-1939).

Mir gefällt dieser Brunnen außerordentlich gut – er ist sehr sehenswert und der kleine Park eignet sich hervorragend für eine kleine Rast. Um so entsetzter war ich von den Gerüchten oder den tatsächlichen Plänen, dass dieser historische Brunnen einem modernen Brunnen ohne Grün, anlässlich der Olympiade 2024 in Paris, weichen soll. Auch der Eingang zum „Grand Palais“ soll verlegt und das Entrée entsprechend angepasst werden. Was ein Glück gibt es Bürger in Paris, die diesen Plan nicht unterstützen und dagegen protestieren. Jedoch weiß ich leider nicht, was daraus geworden ist.

Dies war nun unsere letzte Schildkröte in Paris, wir kehren im Oktober nach Deutschland zurück und sehen uns in Gotha wieder. Irgendwann werden weitere sechs Schildkrötendarstellungen in Paris folgen – denn auch dort gibt es noch so viel zu entdecken und vielleicht wissen wir dann auch, ob dieser kleine und schöne Brunnen die moderne Zeit und ihre Veränderungen überlebt hat!

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

1 Kommentar


  1. Elke, ich freue mich immer über Ihre Safari-Berichte. Diesen hier fand ich besonders schön. Danke für diese immer wieder interessanten Schildkrötenfunde!
    Hannelore

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.